Stadt Landshut meldet mehrere Corona-Ausbrüche in Seniorenheimen

7-Tage-Inzidenz nähert sich kritischer Marke von 200

Infektionsgeschehen in Pflegeeinrichtungen trotz strenger Regeln für Besucher und Personal weiterhin besorgniserregend – OB Putz: Virus auf Mutationen untersuchen

Die 7-Tage-Inzidenz in der kreisfreien Stadt Landshut ist seit dem Wochenende deutlich gestiegen und nähert sich wieder der kritischen Marke von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Das Robert-Koch-Institut wies am Dienstag einen Wert von 188,0 aus, im Tagesverlauf wurden dem Gesundheitsamt bis 14 Uhr rund 20 weitere Fälle gemeldet, so dass ein weiterer Anstieg der Inzidenz zu erwarten ist. Hauptgrund für die ungünstige Entwicklung sind erneute Corona-Ausbrüche in mehreren Seniorenheimen im Stadtgebiet. Seit dem Wochenende wurden 48 Positivbefunde überwiegend von Bewohnern, aber auch von Pflegekräften der betroffenen Einrichtungen gemeldet. Das entspricht für die Stadt Landshut – in der jeder Fall auf 100.000 Einwohner hochgerechnet werden muss und daher statistisch etwa 1,36 Inzidenzpunkte „teuer“ ist – einem Inzidenzwert von mehr als 65 Punkten. Ohne diese jüngsten Ausbrüche in Seniorenheimen würde die Inzidenz also in etwa im Bundes- und Landesdurchschnitt liegen.

Oberbürgermeister Alexander Putz bereiten die zahlreichen Neuinfektionen in verschiedenen Senioreneinrichtungen große Sorgen. „Trotz des schon vor Weihnachten beschlossenen, umfangreichen Maßnahmenkatalogs, der Einschränkungen der Besuchsmöglichkeiten ebenso enthält wie strenge Test- und Hygieneregeln für Besucher und Personal, gelingt es ganz offensichtlich nicht, das Virus von den Heimen fernzuhalten und so die besonders gefährdeten Bewohner zu schützen. Das ist erschütternd und für viele Infizierte und deren Angehörige dramatisch, weil Covid-19 gerade für hochbetagte Menschen leider nicht selten lebensbedrohlich wird.“

Besonders bedauerlich ist die Tatsache, dass die in den vergangenen Tagen und Wochen in Seniorenheimen vorgenommenen Erstimpfungen laut Dr. Uwe Schubart, Ärztlicher Leiter der Impfzentren von Stadt und Landkreis Landshut, erst nach rund zwei Wochen für eine Teilimmunisierung und damit für einen gewissen Schutz sorgen. „Sehr wahrscheinlich haben sich die Betroffenen bereits vor oder unmittelbar nach der ersten Impfung infiziert“, stellt Schubart fest. „Das zeigt, dass wir dringendst und sehr schnell mehr Impfstoff brauchen, um endlich zumindest die am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen durchimpfen zu können.“ Dem schließt sich OB Putz an, denn jede weitere Verzögerung werde täglich bundesweit Menschenleben kosten. „Ich kann deswegen nur nochmals nachdrücklich an die Bundesregierung und die EU-Kommission appellieren, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Impfstoffnachschub über die garantierten Zweitdosen für bereits Erstgeimpfte hinaus sicherzustellen. Das ist es, was unsere Bürgerinnen und Bürger – die seit mittlerweile fast einem Jahr im Interesse des Infektionsschutzes erhebliche Eingriffe in ihre Grundrechte akzeptieren – völlig zurecht von den politisch Verantwortlichen einfordern.“

Gleichzeitig fordert Putz, einige der in den Seniorenheimen genommenen Proben genauer zu untersuchen, also eine sogenannte Sequenzierung vorzunehmen. „Ich habe mich mit diesem Vorschlag bereits an das Gesundheitsamt gewandt. Denn es fällt uns seit mehreren Wochen auf, dass sich in betroffenen Einrichtungen – und auch in unserem Klinikum – sehr schnell sehr viele Bewohner beziehungsweise Patienten, Pflegekräfte und Ärzte infizieren“, so der Oberbürgermeister. Deswegen könne nicht ausgeschlossen werden, „dass sich womöglich auch bei uns schon eine der ansteckenderen Virus-Varianten ausgebreitet hat. Darüber müssen wir so rasch wie irgend möglich Klarheit haben, damit wir unsere Schutzmaßnahmen gegebenenfalls anpassen können.“ – JV –

Foto: Putz priv.

weitere Beiträge