An Stellschrauben drehen statt schlechtreden

Bezirksvertreter informieren sich im Magdalenenheim über Situation in der Pflege

Landshut. Es sind „herausfordernde Zeiten“, sagt Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich zu Beginn eines Besuchs im Magdalenenheim in Landshut – einem Ort, an dem darüber gesprochen werden soll, wie sehr der Pflegebereich von den Umbrüchen betroffen ist. Bezirksrätin Martina Hammerl vereinbarte das Treffen, damit sie und der Bezirkstagspräsident von den Verantwortlichen Informationen aus erster Hand bekommen.

Als Reha-Fachberaterin in der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd ist Hammerl auch beruflich häufig mit diesen Themen konfrontiert. Der Bezirk Niederbayern ist als Träger der überörtlichen Sozialhilfe für die „Hilfe zur Pflege“ zuständig. Wenn das Ersparte von Pflegebedürftigen nicht mehr fürs Heim reicht, können sie einen Antrag auf Bezuschussung beim Bezirk stellen. „Wir haben immer mehr Bewohner, die vom Bezirk finanziert werden“, weiß Stiftungsverwalter Dieter Groß zu berichten. Er geht auch davon aus, dass die Zahl zunehmen wird, da die Heimkosten aktuell vor allem auch wegen der hohen Energie- und Lebensmittelpreise steigen.

„Hinzukommt, dass viele Menschen nicht mehr so viel sparen können, um das Heim zu finanzieren“, gibt auch Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich zu bedenken. Neben den steigenden Ausgaben für den Bezirk, der sie wiederum auf die niederbayerischen Landkreise umlegt, sieht Heinrich noch weitere Probleme. „Ich höre von vielen Betreibern schon heute, dass sie zwar genügend Betten haben, aber zu wenig Personal, um die Menschen zu betreuen.“

Zum Glück genießen das Magdalenenheim und das Heilig-Geist-Spital der Hl. Geistspitalstiftung Landshut einen guten Ruf, so dass man laut Dieter Groß „bisher noch genug Bewerber“ habe. „Viele kommen aus dem ehemaligen Jugoslawien, diese Mitarbeiter sind ein Segen für uns.“ Und Einrichtungsleiterin Jadranka Zizak ergänzt: „Wir helfen ihnen bei der Anerkennung und der Beantragung des Visums, sie arbeiten gerne hier und sind sehr motiviert.“ Dennoch würden manche auch wieder abgeworben. „Wir müssen immer dranbleiben und müssen auch kontinuierlich selbst ausbilden, um genug Personal zu haben.“ Derzeit sind zehn Azubis in Ausbildung, von den Vieren, die heuer fertig werden, haben sich drei entschieden zu bleiben. Die Bezahlung, so Groß, mag in privaten Heimen schlechter sein – ein Grund, warum medial ständig von der „katastrophalen Bezahlung“ gesprochen werde. „Das stimmt aber nicht. Bei uns etwa wird nach Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst bezahlt, wir sind ein beliebter Arbeitgeber. Und zudem stimmt auch die Arbeitsatmosphäre. Wir haben gute Leute und nur so geht’s“, begründet Groß, warum es in den beiden Heimen der Hl. Geistspitalstiftung Landshut „vergleichsweise sehr gut läuft“.

Das „Schlechtmachen“ des Berufs an sich, das Groß bei der medialen Berichterstattung kritisiert, ist ihm hingegen ein Dorn im Auge. „Das bringt uns nicht weiter. Es ist ein schöner Beruf, man muss sich an seinem Arbeitsplatz aber auch wohlfühlen.“ Die beiden Heime in Landshut tun viel dafür, doch einiges haben sie nicht selbst in der Hand. Auf die Frage der Bezirksvertreter, wo die Stellschrauben zur Verbesserung der Situation liegen, nennen Groß und Zizak vor allem den Personalschlüssel. Die Umstellung von Pflegestufen zu Pflegegraden habe in jedem Heim zu einer Personalreduzierung im Pflegebereich geführt, „weil die Menschen nach der großzügigen Übergangsphase nun in schlechtere Pflegegrade eingeteilt werden, was bedeutet, dass sie offiziell weniger Pflege und Betreuung nötig haben“, erklärt Zizak und Groß ergänzt: „Unser Klientel ist mit seinen Erkrankungen und dem Pflegeaufwand gleich geblieben, doch wir haben heute weniger Mitarbeiter in der Pflege als früher dafür zur Verfügung.“

Das zweite Ärgernis ist der hohe Dokumentationsaufwand, um sich für sämtliche Eventualitäten abzusichern. „Dadurch geht enorm viel Zeit verloren, die wir anders viel besser brauchen könnten“, macht die Einrichtungsleiterin deutlich.

„Wenn man bedenkt, dass in den nächsten Jahren deutlich mehr Menschen aus dem Berufsleben ausscheiden als nachkommen, braucht es jede Kraft“, ist Olaf Heinrich überzeugt. Wohin genau sich die Situation entwickeln werde, ist unklar. Einig war man sich jedoch, dass es „nicht besser wird“, wenn nicht manche Schieflage beseitigt werde. Die Bezirksvertreter begrüßten es immerhin, dass es den beiden Landshuter Heimen trotz vieler Hürden derzeit noch gut gelinge, die Situation zu meistern. Und mit dem Erweiterungsbau des Magdalenenheims, der bereits begonnen hat, sowie der ab 2024 anstehenden Sanierung des Heilig-Geist-Spitals setze die Stiftung mit rund 14 Millionen Investition ein starkes Zeichen. „Man sieht an Ihnen, wie wichtig in der Grundversorgung Strukturen sind, die auf Langfristigkeit angelegt sind – indem man sie vom Wettbewerb ausschließt oder gemeinschaftlich finanziert.“

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Bildunterschrift:

Stiftungsverwalter Dieter Groß (v. r.) und Einrichtungsleiterin Jadranka Zizak informierten Bezirksrätin Martina Hammerl und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich über die derzeitige Situation im Magdalenenheim in Landshut.

Foto:

Lang / Bezirk Niederbayern

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