Büchereien weiterhin geöffnet lassen

Bedeutung des Lesens nicht unterschätzen – MdL Ruth Müller gegen die pandemiebedingte Schließung von Büchereien

Gerade in der letzten Zeit ist der Staub vom angegrauten Image der Büchereien weitestgehend abgewischt worden – und schon steht nach dem Frühjahrslockdown die nächste Schließung bevor. Die Enttäuschung zahlreicher, meist ehrenamtlicher, Büchereileitungen in der Region ist groß, weiß die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller aus zahlreichen Rückmeldungen seit gestern: Mit großer Sorgfalt wurden hier sichere Hygienekonzepte vorgelegt, ausgeliehene Medien selbst wurden nach dem Reinigen und Desinfizieren in mehrtägige „Quarantäne“ gestellt, um eine Übertragung von Corona-Viren auszuschließen, Maskenpflicht und Mindestabstände wurden eingehalten – alles umsonst. „Die Büchereien erfahren gerade ein ähnliches Schicksal wie die Kulturszene“, so Ruth Müller, „Dabei haben Büchereien auch einen Bildungsauftrag. Gerade in der letzten Zeit haben immer mehr Familien und vor allem Kinder ihre Freude am Lesen wiederentdeckt – und das zu sozial verträglichen Preisen.“ Diese Entwicklung sei begrüßenswert und sollte unterstützt statt boykottiert werden, findet die Abgeordnete. Vor kurzem erst fand der bundesweite Vorlesetag statt, der wieder einmal auf die enorme Bedeutung des Lesens hingewiesen hat. „Und eine Woche danach sollen die Büchereien schließen“, zeigt sich Müller verärgert.
Studien belegen, dass Kinder die viel lesen, beziehungsweise vorgelesen bekommen, einen größeren Wortschatz besitzen als vergleichbare Altersgruppen, die selten bis nie zu Büchern greifen. Darüber hinaus fördere Lesen die Fantasie und Kreativität – ein Effekt, der sich beim Konsumieren von Filmen, Videospielen oder anderen Medien kaum einstelle. Dies gelte es zu unterstützen. Deshalb plädiert Ruth Müller dafür, die Büchereien weiterhin offen zu lassen und stattdessen auf noch umsichtigere Maßnahmen zurückzugreifen. So könne die Ausleihe beispielsweise durch Vorbestellungen und gezielten Einlass geregelt werden. Auch könne man die maximale Anzahl der sich gleichzeitig in den Räumlichkeiten aufhaltenden Besuchern ähnlich der Quadratmeter-Regelung in Geschäften begrenzen. „In Geschäften kann man unter Einhaltung dieser Schutzmaßnahmen doch auch einkaufen gehen – dasselbe sollte auch für die Ausleihe möglich sein“  bricht die Landtagsabgeordnete eine Lanze für das Offenhalten der Büchereien. Genau aus diesem Grund hat die SPD-Landtagsfraktion auch einen Dringlichkeitsantrag zur Offenhaltung der Büchereien eingebracht, der bei der heutigen Regierungserklärung von Ministerpräsident Markus Söder im Bayerischen Landtag diskutiert werden soll.

Foto: Büro R. Müller

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