BÜROKRATIE UND FEHLENDE PRAXISNÄHE ERSCHWEREN DEN AGRARBETRIEBEN DAS LEBEN

MdEP Maria Noichl zu Gast im Agrarbetrieb Riedl

Kürzlich machte Europaabgeordnete Maria Noichl eine kleine Rundreise durch die Region Landshut. Dabei kam sie als Mitglied des Landwirtschaftsausschusses im Europaparlament gern der Einladung aus dem Agrarbetrieb Riedl in Unterahrain nach, um sich über die Lage der landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort ein Bild zu machen. Begleitet wurde sie vom Bundestagskandidaten Vincent Hogenkamp und der Landshuter Fraktionsvorsitzenden und Bezirksvorstandsmitglied Anja König.

Maria Noichl bedankte sich für die Einladung und das Interesse. „Ich freue mich, dass ich mich vor Ort mit Menschen austauschen kann, die unmittelbar die politischen Entscheidungen zu spüren bekommen. Nur so können gute politische Entscheidungen getroffen werden.“ Günther Riedl, Geschäftsführer und Eigentümer des Agrarbetriebes, betonte, dass ihm die Kommunikation wichtig sei. Der Familienbetrieb existiert bereits seit 1863. Mit seinem Sohn Michael arbeitet mittlerweile die 6. Generation auf dem Hof. Neben dem Ackerbau werden auch Mastschweine in konventioneller und biologischer Art gehalten. Eine Biogasanlage, in der die Schweinegülle verwertet wird, dient nicht nur der Stromgewinnung, sondern versorgt anliegende Firmen und Privathaushalte mit Fernwärme.  „Wir waren und sind immer offen für Neues und gehen mit der Zeit. Deshalb wird bei uns auch der Tier- und Umweltschutz sehr großgeschrieben.“ Es sei aber auch wichtig, dass Personal ausgebildet und geworben wird. Der Beruf eines Agrarwirtes muss wieder attraktiver für junge Menschen werden. Günther Riedl bildet in seinem Betrieb auch aus und bietet Studenten aus dem Agrarbereichen Praktikumsstellen an. Seine gut 20 Mitarbeit*innen fühlen sich zwar sehr wohl, es sei aber nicht leicht Stellen nachzubesetzen. Dies bestätigte auch Sohn Michael. Er berichtete, dass viele studierte Agrarwirte nach der abgeschlossenen Ausbildung einen anderen Berufsweg einschlagen, weil es in Deutschland durch steigende Verwaltungsaufgaben und Kontrollen immer schwieriger werde, mit Freude einen Agrarbetrieb zu führen. Dies führte in den letzten Jahren zu einem deutlichen Rückgang kleiner und mittlerer Familienbetriebe. Bundestagskandidat Vincent Hogenkamp sieht das sehr problematisch: „Ich finde das nicht nur bedauerlich, wenn junge Menschen nach ihrer Ausbildung nicht in ihrem Wunschberuf arbeiten, sondern auch schädlich für unsere Wirtschaft und die regionale Lebensmittelversorgung der Bevölkerung.“ Gerade deshalb sei es wichtig, die dezentralen landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort zu stärken. Riedl erklärte auch an zwei Beispielen wie Praxisfern zum Teil Politik gemacht wird. Die Ferkel für die Schweinemast wurden früher aus dem Ausland bezogen und zum Teil quer durch Europa gefahren. „Wir haben uns gesagt, das geht auch umwelt- und tierfreundlicher und wollten die Ferkelproduktion eigenverantwortlich und vor Ort vornehmen. Uns wurde aber der Bau eines Stalles hier vor Ort nicht genehmigt.“ Daraufhin kaufte der Betrieb Riedl in Brandenburg einen Stall für die eigene Ferkelerzeugung, um die Transportwege wenigstens auf innerhalb Deutschlands zu beschränken. Desweiteren wollte man an einem Förderprogramm zur Direktvermarktung teilnehmen. Gemeinsam mit anderen Agrarbetrieben aus der Region schaffte man die „Frischekastl“, also Automaten an, in denen Produkte von Bauern aus der Region angeboten werden. Laut der Förderrichtlinie dürfen in solchen Automaten jedoch nur die Produkte eines Betriebes angeboten werden. Da sich die Bauern einig waren, dass dies nicht im Sinne der Verbraucher und der Umwelt ist, entschied man sich für die eigene Variante. Die Fördergelder wurden abgelehnt. „Das ist äußerst unverständlich“, entgegnet Europaabgeordnete Maria Noichl. „Es gibt viele europäische Richtlinien und Verordnungen. Die Verordnungen müssen von den Mitgliedstaaten exakt umgesetzt werden, während die Richtlinien nur Ziele vorgeben, die erreicht werden sollen. Der Weg dorthin wird dabei aber durch jeden einzelnen Mitgliedsstaat selbst bestimmt. Und da ist eines klar: Deutschland stellt sich oft selbst ein Bein dabei.“ Sie versprach die angesprochenen Punkte zu prüfen und Rückmeldung zu geben.

Bildquelle: SPD

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