Corona als Charaktertest für das Land

Bezirksvertreter informieren sich beim Caritasverband Landshut über aktuelle Herausforderungen

Landshut. Wie der Caritasverband Landshut bisher durch die Coronapandemie gekommen ist und wie in Zukunft mögliche Unterstützungen aussehen müssen, um die gesellschaftlichen Folgen zu bewältigen, wollte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Bezirksrätin Martina Hammerl wissen. Sie trafen sich mit Caritas-Vorstand Monsignore Dr. Franz Joseph Baur und Geschäftsführer Ludwig Stangl in Landshut und waren erfreut zu hören, dass man bisher die Krise gut gemeistert habe.

„Dank der finanziellen Unterstützung konnten wir die Mehrausgaben bei Personal und Sachkosten gut abfangen“, informierte Ludwig Stangl. Berührungspunkte mit dem Bezirk gibt es vor allem bei der Suchthilfe, die vom Bezirk finanziell getragen wird. „Doch wir merken es durch die langen Wartelisten an unseren Bezirkskliniken, dass vor allem Kinder und Jugendliche langfristig unter den Coronafolgen leiden“, so Olaf Heinrich, der von einer Verdreifachung mancher psychiatrischer Krankheitsbilder sprach. Weder in Sachen häuslicher Gewalt noch bei den Caritas-Kindergärten habe man bei der Caritas diese Zunahme in ähnlicher Weise beobachtet. „Wir haben bewusst nachgefragt, konnten das aber so nicht wahrnehmen“, erklärte Monsignore Baur. Allerdings, so wurde eingeräumt, habe man durch die nicht mehr aufsuchende Arbeit des Jugendamtes, wo viele im Homeoffice gearbeitet haben, festgestellt, dass etwa ins Mutter-Kind-Haus weniger Personen vermittelt wurden. „Man merkt, dass die Behördenarbeit gefehlt hat und die Meldeketten abreißen“, so der Caritas-Vorstand, der deshalb davon ausgeht, dass sich die Folgen zum Teil erst langfristig zeigen werden. „Die Abwägungen zwischen den Coronakranken und den Schäden, die nicht gleich sichtbar sind, etwa die Folgen für Kinder, müssen neu getroffen werden.“

Bezirksrätin Martina Hammerl erkundigte sich nach der Impfquote unter den Mitarbeitern, was durch die einrichtungsbezogene Impfplicht ab Mitte März bei der Caritas ein brisantes Thema ist. „In einem 100 Bettenhaus haben wir noch drei Mitarbeiter, die sich sicher nicht impfen lassen wollen. Dies entspricht neun Plätzen, die wir damit nicht mehr versorgen können“, nannte Ludwig Stangl als Beispiel, der vor allem für Planungssicherheit und einen Vorlauf bei einem ausgesprochenen Betretungsverbot plädierte. „Wir erstellen Monatsdienstpläne und brauchen Zeit, um in unseren Einrichtungen alles zu organisieren.“ Monsignore Baur machte auf das Kinderheim aufmerksam. „Wenn dort Betreuungsplätze wegfallen, können wir die Kinder ja nicht einfach wegschicken.“

Was die weitere Überzeugung von noch nicht Geimpften angeht, waren sich alle einig, dass mehr Druck nichts bringe. Stattdessen sei es unbedingt notwendig, weiter im Gespräch zu bleiben. „Solange Kommunikation stattfindet, ist nicht alles verloren“, so Heinrich. Er habe den Eindruck, so der Bezirkstagspräsident, dass sich ein Teil unzufriedener und von der Politik enttäuschter Bürger zunehmend von unserem System verabschiede. „Die Frage ist, wie wir diese gesellschaftlichen Fliehkräfte bändigen und dabei sind meines Erachtens auch die Wohlfahrtsverbände und die Kirchen sehr wichtig.“ Monsignore Baur gab ihm recht, dass es unabhängig vom Impfstatus immer noch Orte der Begegnung geben müsse, während man in sensiblen Bereich wegen der Infektionsgefahr strenger sein müsse. „Wir dürfen niemanden ausschließen und nicht nur schwarz-weiß denken – auch wenn man natürlich seinen eigenen Standpunkt vertreten darf“, so Franz Joseph Baur.

„Wie viel Solidarität in unsere Gesellschaft bereit zu leisten? Corona ist ein Charaktertest für unser Land, doch diese Frage wird uns auch über Corona hinaus begleiten“, so Heinrich, denn das Wachstum sei endlich und das Verteilen von Mitteln begrenzt.

– ml –

Bildunterschrift: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (r.) und Bezirksrätin Martina Hammerl mit Caritas-Vorstand Monsignore Dr. Franz Joseph Baur (l.) und Geschäftsführer Ludwig Stangl (2. v. r.).
Foto: Lang / Bezirk Niederbayern

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