Damit die Rottal Terme gut durch den Winter kommt

Mit zwei Wärmepumpen ist Bad Birnbach besser aufgestellt als die übrigen Heilbäder – PV-Anlage soll den nötigen Strom liefern – Weitere Energie könnte gespart werden, indem einzelne Außenbecken geschlossen werden

Die Lage ist ernst. Um gut durch den Winter zu kommen, sollen die Weichen in der Rottal Terme Bad Birnbach den sich geänderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Dieses Fazit zog Zweckverbandsvorsitzender und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich unisono mit einer Reihe von Verbandsräten bei einer internen Besprechung am Dienstagvormittag in der Rottal Terme. Daran nahmen auch die stellvertretenden Verbandsvorsitzenden Landrat Michael Fahmüller und Bad Birnbachs Bürgermeisterin Dagmar Feicht sowie der Vorsitzende des Bau- und Werkausschusses Dr. Thomas Pröckl teil. In einem Konzept, das gerade mit Akribie erstellt wird, soll ganz genau ausgelotet und mit Zahlen belegt werden, wie noch mehr Energie eingespart werden und gleichzeitig möglichst viel des Angebotsspektrums der Rottal Terme für die Gäste erhalten werden kann. Klar im Fokus steht bei allen Bemühungen, den Menschen den Zugang zum Heilwasser zu ermöglichen – aus Gründen der Gesundheitsprophylaxe und der Therapie.

Das Heilbad im Herzen des Rottals ist technisch bereits besser aufgestellt als alle anderen Thermen der Bäderzweckverbände, an denen der Bezirk Niederbayern zu 60 Prozent beteiligt ist. Denn es gibt dort bereits zwei Wärmepumpen, die die Notfallversorgung im Falle, dass kein Gas mehr geliefert wird, übernehmen könnten und so zumindest dafür sorgen würden, dass keine Schäden in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags entstehen. Dies würde laut strategischem Geschäftsführer Franz Altmannsperger geschehen, wenn wegen einer Gasknappheit der Betrieb der Therme komplett heruntergefahren würde. Dies gelte es, unbedingt zu verhindern.

Diese beiden Wärmepumpen würden die Grundversorgung sichern und sollen künftig mit Strom aus zwei PV-Anlagen versorgt werden, zeigte Robert Ragner vom Baureferat des Bezirks Niederbayern auf. Sie sollen auf den beiden Dachflächen des Therapiebads installiert werden. „Es handelt sich dabei um rund 140 Module, die eine Leistung von 110 kWp erreichen“, gab er Einblick. „Im Laufe der nächsten Woche wäre eine grundsätzliche Beauftragung möglich“, stellte Ragner in Aussicht.

Zusätzliche Energie zu gewinnen, ist auch absolut nötig, und die Zeit drängt. Das machte der Vorsitzende aller Bäderzweckverbände und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich deutlich. Und er stellte heraus, es gebe drei wesentliche Veränderungen, die eine Neubewertung des Öffnungskonzepts in der Rottal Terme möglich machen. Zum einen: Stand Montag, 13 Uhr, fließt derzeit an den deutschen Ostgrenzen an zwei Übergabepunkten überhaupt kein Gas mehr, am dritten Punkt nur noch rund 15 Prozent der üblichen Menge. „Dadurch hat sich die Versorgungslage noch einmal gravierend verschlechtert“, bilanzierte er. Zum Zweiten steigt der Energiebedarf der Außenbecken in der Rottal Terme bei sinkenden Außentemperaturen enorm. Im Sommer verbrauchen diese vergleichsweise weniger Energie, führte Heinrich aus. Jetzt stelle sich die Situation komplett anders dar: Es wird zunehmend kälter, und umso intensiver müssten die Außenbecken geheizt werden, hoher Gasbedarf inklusive. Und es habe sich noch etwas verändert, und zwar zum Guten: Seit 1. September stuft die Bundesnetzagentur die Schulen als geschützte Kunden ein. Das bedeutet, dass die Gefahr, dass Kinder in den Distanzunterricht müssen weil ihre gasbeheizten Schulen kein Energie mehr bekommen, nicht mehr besteht.

Aus diesen drei Punkten ergibt sich für den Bezirkstagspräsidenten im Konsens mit allen anwesenden Verbandsräten, dass die Situation in der Rottal Terme neu bewertet werden soll. Weitere Energieeinsparungen könnten über die vorrübergehende Schließung von einem Teil der Außenbecken im Winter erreicht werden. Dadurch könnte auch ein Teil der Saunen zeitweise wieder geöffnet werden, wie von den beiden stellvertretenden Verbandsvorsitzenden Landrat Michael Fahmüller und Bürgermeisterin Dagmar Feicht vorgeschlagen und gefordert. „Der Fokus liegt, wie im Verbandszweck angegeben, dennoch ganz klar auf dem Heilwasser. Die Menschen in der Region und die Gesundheitstouristen brauchen dieses wichtige Angebot zur Gesundheitsvorsorge unbedingt“, machte Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl klar. „Auch gilt es, die Rottal Terme unabhängig vom Gas zu machen – ein Prozess, der bereits angelaufen ist“ ergänzte er.

Innerhalb der kommenden Wochen soll der Verbandsversammlung des Zweckverbands Thermalbad Birnbach in einer Sondersitzung die Zahlen, Daten und Fakten zu weiteren Energieversorgung und ein geändertes Öffnungskonzept vorgestellt werden. Sie stimmt über das weitere Verfahren in der Rottal Terme Bad Birnbach ab.

– kl –

Bildunterschrift:
Auf der Dachfläche des Therapiebads in der Rottal Terme in Bad Birnbach soll eine PV-Anlage installiert werden, die Strom für die Wärmepumpen liefert. Die Planungen stellten vor, von links Robert Ragner vom Baureferat des Bezirks, Verbandsrat Michael Deller, Zweckverbandsvorsitzender und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, strategische Geschäftsführer Franz Altmannsperger, die Verbandsräte Josef Hasenberger und Markus Scheuermann, Alexandra Unertl-Bufler, Vorsitzende Ring der Gastlichkeit, operative Werkleiterin Josefine Kohlmeier, Landrat Michael Fahmüller, Bürgermeisterin Dagmar Feicht und Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl.

 

Foto: Bezirk Niederbayern

 

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