Das Fest ist in Sichtweite – die Vorstellungsphase beginnt

Die Kurve des legendären Hochzeitsfiebers, das die Stadt Landshut alle vier Jahre für drei Wochen im Sommer fest im Griff hat, steigt unaufhaltsam

Und wird Anfang Januar einen großen Sprung nach oben machen: Am 6. Januar beginnt die Vorstellungsphase, die sich über mehrere Wochenenden erstreckt. Insgesamt wird die Aufführung der “Landshuter Hochzeit 1475” von rund 2.400 Mitwirkenden gestaltet.

Viele Rollen sind von festen Gruppen mit Spezial-Wissen besetzt, die auch zwischen den Hochzeiten üben – etwa die zahlreichen Musikgruppen, die Reiter, Gaukler oder Fechter. Die coronabedingte Verschiebung der Aufführung um zwei Jahre auf 2023 führte allerdings zu einem Generationenwechsel mit zusätzlich freiwerdenden Rollen. Für diese und insgesamt rund 850 freie Rollen, darunter zum Beispiel zahlreiche Kinder, Junker und Edeldamen, haben sich im Herbst rund 2.300 Vereinsmitglieder beworben. Sie alle dürfen sich vorstellen, so dass jeder die Chance auf eine der begehrten Rollen hat. Zumindest, wenn die Grundvoraussetzungen stimmen: Die Haarlänge, Wohnort in Stadt oder Landkreis Landshut und natürlich die Mitgliedschaft im Verein.

Stefan Härtl, 2. Vereinsvorsitzender, Vorsitzender des Besetzungsausschusses und als Chef des Fundus auch für die Vergabe der Gewänder verantwortlich: “Es ist immer wieder ein Highlight zu sehen, wie sehr unsere Bewerberinnen und Bewerber für die Hochzeit brennen. Gerne würden wir alle nehmen, aber unsere Aufgabe ist es, die Bewerber zu finden, die in unsere Kostüme passen. Dabei geht es nicht nur etwa um die Körpergröße. Von etlichen Würdenträgern der Landshuter Hochzeit sind Gemälde überliefert, so dass wir teilweise auch nach Ähnlichkeiten Ausschau halten.”

In manchen Fällen entscheidet letztlich auch das Los. So sind zum Beispiel bei rund 400 Bewerbungen für Edeldamen nur 100 Kostüme verfügbar.

Anfang März werden dann die heiß ersehnten Briefe mit den Zusagen verschickt. Spannend wird es auch noch einmal am 10. März, wenn bekannt gegeben wird, wer diesmal in die Rollen von Braut Hedwig, des polnischen Königs Tochter, und von Bräutigam Herzog Georg schlüpfen wird. Für diese herausgehobenen Rollen kann man sich nicht bewerben, beide werden ebenfalls aus der Schar der Bewerberinnen und Bewerber ausgesucht und mit einem “Antrag” durch den Vorstand überrascht.

Ab dem Zeitpunkt der Vorstellung des Brautpaars sind es nur noch drei Monate, bis es vom 30.6. bis zum 23.7.2023 heißt “Hochzeit is`!” und drei Wochen lang mit Besuchern aus aller Welt ein tausendfaches, freudiges “Hallooo!” durch Landshut schallt.

Über die Landshuter Hochzeit

Inspiriert von einem Gemälde im Prunksaal des Landshuter Rathauses gründeten im Jahr 1902 Landshuter Bürger den Verein, der sich seither für die möglichst originalgetreue Aufführung der „Landshuter Hochzeit 1475“ engagiert.

Bei der „Landshuter Hochzeit 1475“ freite der junge Herzog Georg von Bayern-Landshut die Polenprinzessin Hedwig. Die Hochzeit war ein Anlass von europäischer Dimension. Die Feier sollte das üppigste Fest des ausgehenden Mittelalters werden.

Das vom Verein „Die Förderer“ e.V. alle vier Jahre veranstaltete, drei Wochen dauernde Fest ist geprägt von großer Spielfreude und beeindruckendem Engagement der über 2.400 aktiven Mitwirkenden sowie dem Streben nach größtmöglicher, spätgotischer Authentizität. Die im Verein „Die Förderer“ e.V. mittlerweile weit über 8.000 organisierten Mitglieder stellen ein breitgefächertes Spiegelbild der Landshuter Bürgerschaft dar.

Das Motto dieses größten und aufwändigsten historischen Kostümfestes, das die Landshuter zum eigenen und zum Vergnügen von Gästen aus aller Welt voller akribischer Hingabe zum Detail mit Leben füllen, lautet „Eine Stadt spielt Mittelalter“ – so perfekt, dass auch die Historiker und Experten begeistert sind. Die Aufführung der „Landshuter Hochzeit 1475“ ist sowohl bayerisches als auch deutsches Kulturerbe.

Fotos:

Die Förderer e.V.

weitere Beiträge