Das Glück liegt in Kinderaugen

Gedanken zum Weihnachtsfest von Herbert Zelzer

Und wieder ist ein Jahr fast vorbei. Das kennen wir alle: Umso älter man wird, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen. Doch auch heuer war kein normales Jahr und so haben wir auch 2021 wieder unterschiedliche Geschwindigkeiten erlebt. Anfang des Jahres, es scheint schon fast wieder eine Ewigkeit her, da saßen wir noch alle im Lockdown. Der sollte bis Mai dauern – und wir dachten, das war das letzte Mal, dass wir wegen Corona Einschnitte hinnehmen müssen. Doch wir haben uns getäuscht. 

Viele finden: Wieder ein Advent ohne Christkindlmärkte, womöglich sogar wieder Einschränkungen, wen man an Weihnachten treffen oder wohin man fahren darf, das ist doch ärgerlich. Und natürlich hätten wir uns das alles anders gewünscht. Aber die Adventszeit ist auch eine Zeit, in der man sich Fragen stellen sollte: Geht es mir wirklich so schlecht wie dem Standbetreiber, der nun keinen Glühwein verkaufen darf am Christkindlmarkt, obwohl er seine Ware schon gekauft hat? Wie geht es dem alten pflegebedürftigen Mann, der im Altenheim auf seine Verwandtschaft wartet, die aber nicht kommt, aus Angst, ihn anzustecken? Und wer denkt eigentlich an die Menschen, die in den Krankenhäusern wieder bis zur Erschöpfung arbeiten, während wir uns ärgern, dass wir unseren Impfpass in der Gaststätte herzeigen müssen?

Nein, ich möchte Ihnen die Stimmung im Advent jetzt wahrlich nicht damit verderben, dass ich Ihnen vorbete, dass Corona noch nicht vorbei ist und wir uns wieder alle einschränken müssen. Mir geht es um etwas ganz anderes. Mir geht es darum, dass wir nicht immer nur sehen sollten, wo es uns schlecht geht oder wir auf etwas verzichten müssen. Wer die Wärme und den Trost des Weihnachtsfests spüren möchte, der sollte an andere denken und nicht an sich. 

Ich habe heuer mit meinem Freund Franz Xaver Hirtreiter eine Reise unternehmen dürfen, die meine Sicht auf unser Leben in Wohlstand noch einmal ein ganzes Stückchen verschoben hat. Wir waren in Kilimahewa in Tansania. Franz unterstützt dort im Busch seit einigen Jahren die Missionsstation um Bruder Markus vom Kloster Schweiklberg sehr stark. Seine Familie und viele Spender tragen dazu bei, dass den Menschen in Kilimahewa etwas geholfen werden kann.  

Der Präsident von Tansania hat Corona geleugnet und ist dann selbst an einer Infektion verstorben. Jetzt soll die Bevölkerung geimpft werden, doch bislang ist noch nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung geimpft. Die Menschen dort haben wirkliche Probleme. Sie sind existenziell. Da geht es nicht darum, dass man nicht weiß, ob man noch schnell in den Urlaub fliegen kann, um noch etwas Sonne zu tanken, weil ja der triste Winter bevorsteht – und man sich darüber ärgert, dass man das wegen Corona vielleicht nicht mehr kann. Dabei geht es auch nicht darum, ob man sich das größere Auto leisten kann oder ob der Sohn eine Marken-Jeans für die Schule bekommt, für deren Wert eine Familie in Tansania leben kann. Nein, es geht mir nicht darum, dass ich unsere Probleme als Wohlstandsprobleme abtun will, obwohl sie es oft sind.

Mir geht es um etwas ganz anderes. Ich habe so viel Liebe dort in Tansania erlebt, so viele Menschen lachen sehen, und all das zwischen so viel Armut: Mich hat das ganz, ganz bescheiden gemacht. Ich habe erkannt, dass die Menschen bei uns auch Probleme haben, dass sie bei genauerem Hinsehen aber oft zu lösen sind, indem man auch mal verzichtet. Natürlich, auch bei uns gibt es Senioren, die sich überlegen müssen, ob sie sich die Butter noch leisten können, oder lieber die Margarine kaufen, weil die Rente nicht reicht. Auch diese Menschen haben mein volles Mitgefühl. Aber den meisten von uns geht es doch gut, zumindest materiell. Das sollten wir uns immer vor Augen halten.

Vielleicht ist es kein Wunder, dass das Jesuskind in einer Krippe in einem Stall geboren wurde – ärmlicher geht es nicht. Vielleicht lässt sich der Herrgott lieber dort nieder, wo Menschen zwar arm sind, es aber viel Liebe gibt. Das Christkind fand ich heuer nicht in einer reich verzierten Kirche, sondern in den Augen eines Kindes in Tansania, das gelähmt ist – und dem wir einen Rollstuhl schenken durften. Dabei bin ich mir noch nicht sicher, wer eigentlich das Geschenk bekommen hat: Das Kind, das nun nicht mehr am Boden kriechen muss, oder ich, der gesehen hat, wie glücklich der Kleine jetzt ist.

Das Glück in den Kinderaugen nehme ich heuer in mein Weihnachtsfest. Und ich denke nicht daran, was mir fehlen könnte – sondern was den anderen fehlt. 
Frohe Weihnachten und bleiben Sie gesund,
Ihr Herbert Zelzer

Wir brauchen Ihre Hilfe.

Franz Xaver Hirtreiter hat drei Bücher über die Mission in Kilimahewa geschrieben. Unter www.futureforchildren-bayern.de könnt ihr Buch Eins, Buch Zwei, Buch Drei oder eines der Buchpakete bestellen und mithelfen. Oder einfach Spenden.

„Future For Children gemeinnützige GmbH“

Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG

Zweigniederlassung Süddeutschland

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Fotos: Herbert Zelzer

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