„#DEINMÜLL“ gehört zu Dir – Projekt gestartet – Abfallmenge nimmt ständig zu

Motive sollen sich zu einem Narrativ verdichten, das auf die sozialen Netzwerke überspringt und sich dort verbreitet.

Der Umweltsenat hat in seiner Sitzung Ende Juli mehrheitlich die Umsetzung des von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen Projektes „#DEINMÜLL“ beschlossen.

Am Donnerstag erfolgte der Projektstart gemeinsam mit Oberbürgermeister Alexander Putz und dem Umweltsenatsvorsitzenden Bürgermeister Dr. Thomas Haslinger vor dem Rathaus. Mit dabei waren auch der stellvertretende Leiter des Bau- und Umweltreferates, Hans Zistl-Schlingmann, der Leiter der Bauamtlichen Betriebe, Stefan Weinzierl, sowie der Leiter des Sachgebietes Abfallwirtschaft der Bauamtlichen Betriebe, Richard Geiger.

Im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge kümmern sich circa 36 Mitarbeiter aus dem Sachgebiet Straßenreinigung der Bauamtlichen Betriebe für eine saubere, lebens- und liebenswerte Stadt. Sie leisten damit täglich einen wichtigen Beitrag, um die gewohnt hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität zu erhalten und sicherzustellen. Der Aufwand für die Sauberhaltung der Stadt Landshut beträgt jährlich rund 4,2 Millionen Euro.

Achtlos weggeworfene Abfälle (Littering), ein bundesweiter „Trend“, der vereinzelt auch im Stadtgebiet zu beobachten ist, belasten das eingespielte Reinigungssystem und führen zu einem steigenden Abfallaufkommen.

Der Verband der Kommunalen Unternehmen (VKU) geht von rund 700 Millionen Euro jährlichen „Litteringkosten“ in Deutschland aus. Umgerechnet auf die Stadt Landshut wären das rund 615.000 Euro jährliche Reinigungskosten aufgrund von achtlos weggeworfenem Müll.

Das Littering findet leider auch zunehmend in der guten Stube der Stadt Landshut statt. Die Alt- und Neustadt muss an „normalen“ Wochenenden (ohne besondere Ereignisse) samstagmorgens und -abends sowie sonntagmorgens gesäubert werden. Der rund 30-stündige Arbeitseinsatz kostet jedes Wochenende inklusive Müllentsorgung und Fahrzeugausgaben rund 1.650 Euro.

Auch die Abfallmenge aus den öffentlich aufgestellten Abfallbehältern nimmt stetig zu.

In der Stadt Landshut werden aus rund 930 Abfallbehältern durch die Mitarbeiter der Straßenreinigung im Monat durchschnittlich 30 Tonnen Müll entsorgt. Das entspricht der monatlichen Hausmüllmenge von 2.250 Einwohnern. Alleine in der Alt- und Neustadt sind circa 140 Abfalleimer installiert, die offensichtlich nicht nur für den kleinen Abfall unterwegs benutzt werden.

Für die Müllentsorgung aus den Grünflächen im Zentrum, wofür das Stadtgartenamt zuständig ist, fallen wöchentlich 25 Arbeitsstunden an. Aus und neben den 80 Mülleimern in den zentrumsnahen Grünflächen müssen monatlich über 2,5 Tonnen Müll entsorgt werden. Im gesamten Stadtgebiet obliegen dem Stadtgartenamt 300 Mülleimer. Darin finden sich überwiegend Abfälle, die von Feiernden verursacht werden – jedoch eigentlich mit nach Hause genommen und dort optimalerweise getrennt entsorgt werden sollten, damit sie anschließend einer Verwertung zugeführt werden können.

In Grünflächen, die nicht einer regelmäßigen Reinigung unterliegen, sammeln im Rahmen der Ramadama-Aktionen jedes Jahr über 500 Teilnehmer achtlos weggeworfene Abfälle ein.

Mit Beschluss des Umweltsenates hat sich die Stadt Landshut nun der Aktion #DEINMÜLL angeschlossen. Mit dem Projekt sollen Passanten aufmerksam gemacht und damit das Bewusstsein für den durch Litteringabfälle entstehenden Reinigungsaufwand geschärft werden. Kerngedanke der Aktion ist, achtlos fallengelassenen Müll zu vermeiden.

Die Kommunikationsdesignerinnen Katalin Marghescu und Ursula Pfingstgraf haben das Projekt #DEINMÜLL entwickelt und streben an, es in möglichst vielen Städten umzusetzen.

Bei #DEINMÜLL werden Silhouetten von typischem Litteringmüll (Tüten, Becher, Flaschen etc.) und ein knapper Schriftzug auf verschiedene Untergründe „gezeichnet“. Dies geschieht auf Gehwegen und auf Plätzen durch Schablonen und einen Hochdruckreiniger. Der Müllgegenstand wird als gereinigte Fläche (mit Schriftzug) sichtbar. In den Grünflächen werden die Motive mit umweltfreundlicher Markierungskreide aus dem Sportplatzbau aufgebracht. Wichtiger Ansatz dabei ist, dass durch die Aktion kein weiterer Müll entsteht. Aktuell sind im Stadtgebiet über 50 Standorte für die Anbringung der Motive geplant.

Der Schriftzug spricht direkt die Passanten an und lautet beispielsweise:

„VERLASS MICH NICHT. #DEINMÜLL“, „ICH WILL MIT DIR GEHEN #DEINMÜLL“,

„ICH GEHÖR ZU DIR #DEINMÜLL“, „NIMM MICH MIT ZU DIR. #DEINMÜLL“.

Das Besondere daran? Der Müll beginnt den Dialog mit den Passanten, er fordert deren Beachtung. Diese spielerisch-kreative Umsetzung kommt ohne erhobenen Zeigefinger aus und weist daraufhin, dass der weggeworfene Müll eigentlich seinem Besitzer gehört und richtig behandelt werden will. Der Müll bekommt quasi eine Stimme.

Laut den Kommunikationsdesignerinnen sollen über die beteiligten Städte viele verschiedene Motive entstehen. Sie sollen sich zu einem Narrativ verdichten, das auf die sozialen Netzwerke überspringt und sich dort verbreitet. Dadurch würden die sozialen Medien wie ein Verstärker für die Motive vor Ort wirken.
Bildbeschreibung:
Oberbürgermeister Alexander Putz, Umweltsenatsvorsitzender Bürgermeister Dr. Thomas Haslinger, stellvertretender Leiter des Bau- und Umweltreferates -Hans Zistl-Schlingmann, Leiter der Bauamtlichen Betriebe – Stefan Weinzierl, sowie der Leiter des Sachgebietes Abfallwirtschaft der Bauamtlichen Betriebe – Richard Geiger.
Fotos:
h.j.lodermeier

 

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