Josef Kraus: Der deutsche Untertan – Vom Denken entwöhnt

Josef Kraus, Bildungskritiker, Diplompsychologe und ehemaliger Oberstudiendirektor am Maximilian-von Montgelas-Gymnasium in Vilsbiburg bringt heute am 15. Juli sein neues Buch in den Handel

Der Titel ist eine Provokation. So zitiert Josef Kraus gleich zu Beginn seines neuen Buches berühmte Unterstützer seiner These: Heinrich Heine und Kurt Tucholsky verkünden, dass der Deutsche am liebsten Untertan sei. „Es ist so bequem, unmündig zu sein“, meint auch Philosoph Immanuel Kant. Und schon ist Kraus mitten im Thema. Das Untertan-Ideal des Diederich Heßling in Heinrich Manns großem Roman holt der Autor kraftvoll in die scheinbar aufgeklärte deutsche Gegenwart. 

In fünf Abschnitten setzt Kraus sich scharfsinnig, streitbar und unterhaltsam mit der deutschen Gesellschaft und der zunehmenden, bewussten oder unbewussten (Selbst-) Entmündigung der Bürger auseinander. Dabei geht es für ihn vor allem um die drängende Frage: „Ist der Deutsche dabei, mit neuen (oder alten) Ismen und Ideologien, mit neuen Zivil- und Ersatzreligionen in eine subaltern pro-aufklärerische Epoche zurückzufallen? Hin zu neuen Autoritarismen, zu neuen totalitären Fantasiereichen?“ 

Die Antwort ist ernüchternd bis erschreckend. Kraus beschreibt vergangene und aktuelle Legitimationsmuster der Macht, behandelt die Diktate der Political Correctness ebenso wie die Bildungsmisere, den „rosa Marxismus“ des Genderismus und die Cancel Culture. Auch die Akteure des Untertanengeistes nennt er beim Namen, darunter Vertreter aus Kirche und Wissenschaft sowie das „Autokratie-System Merkel“. Kenntnis- und detailreich beleuchtet der Autor die Mechanismen einer antiliberalen Gesellschaft und ihre Entstehungsgeschichte. 

Doch er zeigt nicht nur Fehlentwicklungen auf, er ermuntert auch zur Immunisierung gegen Obrigkeitsgehabe und Untertanengeist, vor allem durch Bildung und Rationalität. 

Der Autor appelliert an die Freiheit und Eigenverantwortung eines im besten Sinne bürgerlichen Souveräns. Dies schließt auch Opposition mit ein, gemäß Kurt Tucholsky: „Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!“ Manche Aussagen von Josef Kraus werden Widerspruch hervorrufen, sein Anliegen aber wird man kaum widerlegen können. 

Das Buch hat 350 Seiten, enthält – heute besonders wichtig – 544 Quellenangaben/Belege/Fußnoten am Ende des Buches und kostet im Handel 24.– Euro
Bildquelle: Kraus priv.

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