„Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“     

Der Klimawandel verändert unser Wetter: Ein Thema für die ganze Gesellschaft

pm:  „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, so beginnt Prof. Dr. Bert Holtslag, Präsident der European Meteorological Society (EMS), seine Rede anlässlich der Pressekonferenz zur EMS-Jahrestagung 2022 in Bonn: „Die Auswirkungen des Klimawandels sind auf regionaler und lokaler Ebene für die Menschen spürbar, da sich das Wettergeschehen verändert und extreme Wetterereignisse häufiger auf-treten. Beispiele hierfür sind die in letzter Zeit zu beobachtenden anhaltenden Hitzewellen, schwere Dürren und extreme Niederschlagsereignisse.“

Das „EMS Annual Meeting“ ist die größte Wetter- und Klimafachkonferenz in Europa und bringt jährlich um die 600 bis 900 Teilnehmende aus allen Feldern der Forschung und Anwendungen rund um Meteorologie und Klimatologie zusammen. Deutschland – vertreten durch die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG), den Deutschen Wetterdienst (DWD) und die Universität Bonn – ist 2022 der lokale Gastgeber. Die Fachkonferenz, die vom 4. bis 9. September auf dem Campus Poppelsdorf der Uni Bonn stattfindet, steht dieses Jahr unter dem Fokusthema „Connecting communities to deliver seamless weather and climate science and services“ (z. Dt. etwa: „Vernetzung von Gemeinschaften zur Bereitstellung nahtloser Wetter- und Klimawissenschaften und -dienste“). Dieser Fokus unterstreicht die Notwendigkeit des Zusammenbringens von Forschung, Gesellschaft, dem privaten Sektor und Politik auf globaler, nationaler und regionaler Ebene, um dem Klimawandel und immer öfter auftretenden Extremereignissen erfolgreich entgegentreten zu können.

Transdisziplinärer Austausch in der Forschung für verbesserten Schutz der Gesellschaft

Die Zunahme von Wetterereignissen mit großen sozioökonomischen Gefahren wie Starkregen, Sturmfluten, extreme Hitze und Dürre bedeutet für die Meteorologie, dass ihre Erkenntnisse, Produkte und Dienstleistungen mehr denn je gebraucht werden. Um optimale Angebote für die Bürgerinnen und Bürger zu schaffen, müssen die Wetter- und Klimawissenschaften Informationen und Daten aus einer Vielzahl von Quellen angemessen kombinieren.

In den letzten Jahrzehnten hat eine wachsende Zahl transdisziplinärer Konsortien und Kooperationen – wie das deutsche Hans-Ertel-Zentrum für Wetterforschung – erste Schritte in diese Richtung unternommen, indem sie Forschungsinstitute, Universitäten, Bildungseinrichtungen, öffentliche und private Wetter- und Klimadienste, die Gesellschaft und Interessengruppen auf nationaler, regionaler und globaler Ebene miteinander verbinden. Diese koordinierten, gemeinschaftsübergreifenden Bemühungen sind die Grundlage für verbesserte Anpassungs- und Eindämmungsstrategien zur Verringerung des Katastrophenrisikos in einem sich verändernden Klima.

Zuverlässiger Zugang zu Wettervorhersagen und -warnungen wird immer wichtiger

Prof. Dr. Celeste Saulo, Vizepräsidentin der World Meteorological Organization (WMO), legt in ihrem Statement dar, dass in jüngster Zeit die Zahl der durch extreme Wetterereignisse verursachten Todesfälle zurückgegangen sei, weil es bessere Vorhersagen und Warnungen gibt. Ein Drittel der Weltbevölkerung, vor allem in den am wenigsten entwickelten Ländern und den kleinen Inselentwicklungsländern, werde jedoch noch immer nicht von Frühwarnsystemen erfasst. „In Afrika ist die Lage noch viel schlimmer, dort werden 60 Prozent der Bevölkerung nicht erreicht“, so Prof. Dr. Celeste Saulo.

Anfang des Jahres kündigte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, aus diesem Grund eine Initiative an, in deren Rahmen sichergestellt werden soll, dass jeder Mensch auf der Erde innerhalb der nächsten fünf Jahre durch Frühwarnsysteme geschützt sein wird. Prof. Dr. Celeste Saulo dazu: „Der Schutz von Leben und Eigentum steht im Mittelpunkt der Mission der WMO. Die WMO engagiert sich für die internationale Koordinierung und den Austausch über den Zustand und das Verhalten der Erdatmosphäre sowie ihr Zusammenspiel mit Landoberfläche und Meer einschließlich der daraus resultierenden Wetter- und Klimabedingungen und Verteilung der Wasserressourcen.“

DWD-Studie zeigt: Wahrscheinlichkeit für extreme Niederschlagsereignisse erhöht

Im Juli 2021 hat eine verheerende Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen über 180 Menschenleben gefordert und Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe verursacht. Eine kurz nach der Hochwasserkatastrophe unter Federführung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von einem internationalen Wissenschafts-Team durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass im Zuge des vom Menschen verursachten Klimawandels damit zu rechnen sei, dass die Wahrscheinlichkeit für solche Niederschlagsereignisse sich zukünftig auch hierzulande erhöhen wird.

Prof. Dr. Gerhard Adrian, Präsident der WMO und des DWD, zeigt in seinem Statement, wie Deutschland in der Folge das bestehende Warnsystem noch weiter optimieren wird: „Die Warnung der Gesellschaft vor nationalen meteorologischen Ereignissen, die für die öffentliche Sicherheit gefährlich werden können und ein hohes Schadenspotenzial haben, ist eine Kernaufgabe des Deutschen Wetterdienstes. Der DWD hat nach der Flutkatastrophe 2021 eine Erweiterung des bestehenden Warnsystems beschlossen, um dieses noch genauer an die Bedürfnisse von Einsatzkräften und Bevölkerung anzupassen.“

Wissenschaftskommunikation als wichtiger Faktor, um die Gesellschaft mitzunehmen

Die Bedeutung der meteorologischen Forschung wächst und reicht inzwischen in unterschiedlichste Bereiche hinein – von der Wissenschaft über die Politik und Unternehmen bis hin zur Gesellschaft. Wie bedeutend es ist, besonders die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, betont auch Prof. Dr. Clemens Simmer, Vorsitzender der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) und emeritierter Professor des Meteorologischen Instituts der Universität Bonn: „Mindestens ebenso wichtig ist es, die Gesellschaft bei der Eindämmung der globalen Klimaänderung mit ins Boot zu bekommen, damit die notwendige Transformation in eine klimaneutrale Gesellschaft, die mittlerweile zumindest technisch machbar ist, auch ausreichend schnell erfolgt.“

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich das EMS Annual Meeting 2022 auch mit der Frage: Wie gelingt es der meteorologischen Wissenschaft, ihre Ergebnisse wirksamer in die Gesellschaft hinein zu kommunizieren? Erstmalig gibt es ein Format vor Ort, das die Öffentlichkeit direkt miteinbezieht: Beim „Café Météorologique“ werden während der gesamten Konferenzwoche in verschiedenen Cafés im Zentrum von Bonn insgesamt elf Vorträge über spannende Wetter- und Klimathemen angeboten, die auf für Laien verständliche Art und Weise präsentiert werden. Zudem werden mehrere Media Awards verliehen, so zum Beispiel am 8. September 2022 die EMS Outreach and Communication Awards: Der „ExtremWetterKongress“, Deutschland, und der Podcast „De Weerman“, Niederlande, erhalten die Auszeichnung für ihre herausragende Wissenschaftskommunikation. Beide erfüllen den Kommunikationsbedarf zu Klimathemen und sind wertvolle Instrumente zur Vermittlung von Wetter- und Klimainformationen. Der „ExtremWetterKongress“ wurde vom DWD, der den Kongress mit wissenschaftlichen Fakten unterstützt, für den Award nominiert.

Foto:
DWD Rüdiger Manig

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