Der Landwirt und der Wiesenbrüter  

Während die Kollegen schon seit Wochen mit dem Mähwerk unterwegs waren, konnte Johann Stieberger sich Zeit lassen.

Erst jetzt hat er sein Doppelmessermähwerk hervorgeholt und das lange Gras gemäht. Der 33jährige Landwirt aus Ottering im Landkreis Dingolfing-Landau nimmt im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogrammes am Wiesenbrüter-Programm der Unteren Naturschutzbehörde teil. Das heißt, er hält sich an einige Vorgaben, wie den späten Schnittzeitpunkt nach dem 15. Juni und bekommt das honoriert. Lohnt sich das? „Für mich schon“, sagt der junge Bauer selbstbewusst. Er hat sich mit den Jahren intensiv eingearbeitet.

30 Hektar Wiesen pflegt Johann Stieberger im Königsauer Moos. Das Gebiet liegt im Unteren Isartal zwischen Landshut und Wallersdorf und ist für die ausgedehnte Niedermoorlandschaft bekannt. Hier finden selten gewordene Vogelarten wie Großer Brachvogel, Kiebitz, Feldlerche und Wachtel genauso einen Lebensraum wie die gefährdeten Insektenarten Lauch- und Sumpfschrecke, Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder Riedteufel. Wichtig ist das Isarmoos auch als wertvoller Lebensraum für seltene Pflanzenarten mit Namen wie Prachtnelke, Mehlprimel und Sibirische Schwertlilie.

Innerhalb des Königsauer Mooses liegen 130 Hektar Biotopflächen und 270 Hektar Vertragsnaturschutzflächen. Und diese gilt es zu pflegen. „Die Landwirte sind hier unsere wichtigen Partner, ohne sie geht gar nichts“, erklärt Jonas Petschko vom Landschaftspflegeverband Dingolfing-Landau. Er ist seit 2021 Gebietsbetreuer der Wiesenbrütergebiete im Isarmoos. „Ich möchte gemeinsam mit Landwirten, Jägern und Behörden auf Augenhöhe Lösungen finden, die zum Erhalt und zur langfristigen Entwicklung der Wiesenbrütergebiete beitragen“, erklärt der Experte. Offene Gespräche sind für Petschko wichtig, schließlich sollen die Landwirte langfristig dabeibleiben. Gute Kommunikation und Vernetzung gibt es zwischen den Förderstellen der Naturschutzverwaltung sowie den Partnern des LPV, Gebietsbetreuer und Landwirt.

„Das läuft wirklich gut“, meint Landwirt Johann Stieberger. „Mit den Leuten kann man schmatzen, wir sprechen uns gut ab und ich bekomme schon zehn Tage vorher vom Gebietsbetreuer Bescheid, wann ich genau mähen kann“. So hat sich Stieberger in den vergangenen Jahren immer weiter in das Thema Vertragsnaturschutz hineingearbeitet. Die wichtigste Anschaffung war das Doppelmessermähwerk. Mit dem Gerät wird insektenschonender gearbeitet, was wiederum vergütet wird. „Wir mähen jetzt schon zwei Drittel der Flächen mit dem Doppelmessermähwerk und das macht richtig Freude“, sagt der junge Landwirt. Der Arbeitsplatz im Vogelschutzgebiet ist ein toller Ausgleich zur herkömmlichen Landwirtschaft.

Der junge Landwirtschaftsmeister führt einen professionellen Betrieb mit 65 Milchkühen und Kalbinnen sowie 150 Mastbullen im großzügigen Laufstall. 20 Hektar herkömmliche Wiesen und 100 Hektar Ackerland gehören zum Betrieb. Das Gras von der Naturschutzfläche wird als Heu oder Grassilage an die Rinder verfüttert. „Die fressen das richtig gerne, es sind eine Menge Kräuter und Gräser in dem Futter und das schmeckt man anscheinend“, meint Stieberger.  Am Ende profitieren also alle Tiere von dem Wiesenbrüterprojekt. Der Brachvogel und die Kuh im Stall.

Landwirte können innerhalb des jährlich festgelegten Antragszeitraums beim zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einen Antrag zur Teilnahme am Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm stellen. Vorab ist ein Beratungsgespräch an der unteren Naturschutzbehörde vorgesehen, bei dem die geeigneten Arbeiten erörtert und festgelegt werden. Maßnahmen sind in den Biotoptypen Wiese, Weide, Acker und Teich möglich.

Das Vertragsnaturschutzprogramm ist als Baukasten aufgebaut. So können zum Beispiel auf Wiesen verschiedene Varianten zum Mahdzeitpunkt, sowie Erschwernisse und Zusatzleistungen abgeschlossen werden. Das ermöglicht eine optimale Anpassung an die Bedürfnisse der Natur, kommt aber auch dem Landwirt entgegen, der die für seinen Betrieb passenden Programmbestandteile mit auswählen kann. Und ab nächsten Jahr werden viele Maßnahmen auch höher honoriert.

„Als eines der letzten großen zusammenhängenden Niedermoorgebiete an der unteren Isar ist mir der Schutz des Isarmooses und der darin vorkommenden Arten ein besonderes Anliegen. Nicht zuletzt, da ich hier aufgewachsen bin und mir „´s Moos“ seit meiner Kindheit vertraut ist“, erklärt Jonas Petschko.

Bildbeschreibung

Beim ersten Mähen schaute Gebietsbetreuer Jonas Petschko (links) vorbei und ließ sich von Landwirt Johann Stieberger (rechts) das Doppelbalkenmähwerk erklären.

Foto:
Mia Goller

 

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