Deutschlands Naturschutzhöhepunkt 2021: Die Rückkehr der Bartgeier

Erstes Projektjahr im Nationalpark Berchtesgaden abgeschlossen – LBV zeigt Kurzfilm über Wally und Bavaria

pm – Ein halbes Jahr nach der feierlichen Auswilderung der Bartgeier Wally und Bavaria sind der bayerische Naturschutzverband LBV und der Nationalpark Berchtesgaden hochzufrieden mit dem Verlauf des ersten von mehreren, kommenden Projektjahren. „Wir blicken zurück auf das spektakulärste Naturschutzprojekt in Deutschland im Jahr 2021. Mit dem Bartgeier ist eine weltweit seltene Vogelart wieder in die bayerischen Alpen zurückgekehrt“, sagt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. In den kommenden Jahren werden die beiden Bartgeierweibchen die Alpen durchstreifen und dabei tausende Kilometer zurücklegen. Nach etwa fünf bis sieben Jahren werden sie sesshaft und gründen mit einem Partner ihr eigenes Revier. Der LBV und der Nationalpark Berchtesgaden wollen bis 2030 regelmäßig zwei bis drei Geier auswildern, um den ostalpinen Bestand der hochbedrohten Vögel zu stützen.


Das öffentliche Interesse an der Auswilderung der beiden Bartgeier von LBV und Nationalpark Berchtesgaden mit Unterstützung des Tiergarten Nürnberg über 100 Jahre nach der Ausrottung dieser Vogelart in Deutschland war immens. Ein Team aus Rangern, Biologen und Praktikant*innen unterstützt mit großem Einsatz das Mammutprojekt der Bartgeierwiederansiedlung. „Die Webcam in der Auswilderungsnische, über die Interessierte die Entwicklung und den Erstflug der beiden Geier hautnah miterleben konnten, hat mit über 575.000 Aufrufen und 11.000 begeisterten Kommentaren beim LBV alle Rekorde gebrochen“, so der LBV-Projektleiter Toni Wegscheider.

Unbeeindruckt von dem ganzen Rummel ziehen die beiden Bartgeierdamen mittlerweile ihre Kreise durch die Ostalpen. Während Bavaria Mitte Oktober zu einem unerwartet weiten Flug Richtung Wien aufgebrochen ist, hielt Wally dem Nationalpark noch lange die Treue. „Wally hat sich in den vergangenen Wochen vermehrt am Watzmann aufgehalten. Offensichtlich hat sie dort Nahrung gefunden“, so der Nationalpark-Projektleiter Jochen Grab. Die GPS-Sender, mit denen beide Geier ausgestattet sind, liefern wertvolle Einblicke in das Verhalten und den Aufenthaltsort der Vögel. Interessierte können Wally und Bavaria auf ihren Wanderungen durch die Alpen online mitverfolgen unter www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen.

Einen kleinen Schreck bekam das Bartgeier-Team allerdings Ende November: Bavarias GPS-Sender übermittelte keine Daten mehr. „Möglicherweise können die eingebauten Solarzellen beim winterlichen Sonnenstand die Akkus nicht ausreichend aufladen. Durch eine eindeutige Sichtbeobachtung eines Jägers im Salzburger Hagengebirge wissen wir allerdings, dass es ihr gut geht“, sagt LBV-Projektleiter Toni Wegscheider. Auch Wally hat nun den Watzmann verlassen und wird in derselben Region geortet, in der auch Bavaria gesichtet wurde. Das lässt vermuten, dass die bis vor Kurzem noch unzertrennlichen Bartgeier nun erneut gemeinsam auf Reisen sind. Beide Bartgeier sind durch ihre individuellen, hellen Flügelmarkierungen mit dem Fernglas gut zu erkennen. Der LBV ruft alle Wandernden dazu auf, alle Sichtungen von Bartgeiern, möglichst mit Foto, online zu melden unter www.lbv.de/bartgeier-melden.

Nach diesem ersten Jahr weiß das Projektteam, dass sich der Nationalpark bestens für die weiteren Jahre der Wiederansiedlung eignet. „Bartgeier finden im Schutzgebiet des Nationalparks ausreichend Nahrung, um sich für die Wanderschaft durch die Alpen zu stärken. Sie sind hier sicher vor ihrer Hauptbedrohung, giftigen Splittern von Bleimunition in Wildresten. Und auch mit den lokalen Steinadlern können sie sich wortwörtlich zusammenraufen“, zieht Toni Wegscheider Bilanz.

Im auf 10 Jahre angelegten Ansiedlungsprojekt von Bartgeiern sollen jährlich zwei bis drei Bartgeier ausgewildert werden. „Wir freuen uns, dass auch für 2022 bereits zwei junge Bartgeier für unser Wiederansiedlungsprojekt im Zuchtprogramm eingeplant sind, natürlich nur sofern sich ausreichender Bruterfolg in den beteiligten 40 Zoos und Zuchtstationen einstellt“, so der stellvertretende Nationalparkleiter und Projektleiter Ulrich Brendel. Die Hoffnung liegt nun unter anderem auf dem Tiergarten Nürnberg. Dessen Bartgeierpaar konnte bereits mehrfach Jungvögel für andere Wiederansiedlungsprojekte in Europa beisteuern. Die meist zum Jahreswechsel beginnende Brut könnte also bereits den Grundstein für die nächste Generation von Bartgeiern legen, die später ihre Kreise durch die Alpen ziehen werden.

Die Rückkehr der Bartgeier – Deutschlands Naturschutzhöhepunkt 2021

Der Kurzfilm „Die Rückkehr der Bartgeier“ zeigt die schönsten Aufnahmen von Wally und Bavaria im Jahr 2021. Von der Erstversorgung der Bartgeier im Tiergarten Nürnberg über den spektakulären Aufstieg in die Auswilderungsnische bis zu den Erstflügen der beiden Bartgeier können Interessierte die beeindruckendsten Momente noch einmal miterleben unter www.lbv.de/bartgeier-auswilderung.

Foto: LBV/Markus Leitner

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