Dunkle Wolken über dem Klinikum Landshut

Oberbürgermeister Alexander Putz strebt Änderung der Rechtsform des Klinikums Landshut an

Bevor Oberbürgermeister Alexander Putz die Sitzung am Freitagnachmittag im Plenum für die vorgesehenen Tagespunkte eröffnete, gab er einen aktuellen Abriss der Corona-Situation im Klinikum Landshut. Dabei unterstützt wurde OB Putz durch den Geschäftsführer des Landshuter Klinikums Philipp Ostwald und durch den Ärztlichen Direktor Prof. Stephan Holmer. Angeregt wurde die Berichterstattung durch einen Antrag (4.11.) der Ausschussgemeinschaft SPD & Linke/mut, ergänzt durch einen kurzfristigen Dringlichkeitsantrag (22.4.) durch die Grünenfraktion.

Alexander Putz wies darauf hin, dass die Inzidenzrate knapp an die 300, genau gesagt an die 299,3 rangeschrammt sei. Ringsum Landshut seien die Regionen inzwischen wieder dunkelrot gefärbt. Besonders der Landkreis Dingolfing-Landau sei von hohen Inzidenzzahlen stark betroffen. Die gesamte Karte in Deutschland sei wieder dunkler geworden, so OB Putz. Das Problem sei die britische Mutation. Es sei aber so, dass von wirklichen Klustern im Stadtgebiet dennoch nicht gesprochen werden kann. Vorteilhaft sei dabei, dass viele Hochrisikogruppen schon geimpft seien. Schnelltests brächten und böten nicht die gleiche Sicherheit, d.h., dass man selbst nicht infiziert sei und keine Sicherheit hätte, möglicherweise andere anzustecken. Die Leute sollten dadurch nicht leichtsinnig sein, nur aus dem Grund, weil sie einen Schnelltest gemacht hätten, denn es gäbe viele negative Schnelltests, die bei nochmaliger intensiver Testung, sich als positiv herausstellten. Wichtig sei weiterhin die Abstandsregeln einzuhalten, so OB Putz.

Bevor OB Putz das Wort an die Berichterstatter, die Geschäftsführer des Klinikums Philipp Ostwald und Prof. Stephan Holmer erteilte, richtete er noch ein paar Worte an das Plenum: „Das Klinikum Landshut leistet nun seit der ersten Delle im Jahre 2020 unter ganz schwierigen Bedingungen herausragende Arbeit. Unzähligen Patientinnen und Patienten konnte geholfen werden, nicht nur den Covid- 19-Kranken sondern auch allen anderen Patienten, die medizinische Betreuung brauchten. Die Belastung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen ist in allen Bereichen exorbitant. Die besondere Problematik ist, dass sie nun nicht nur vorübergehend, wie in der ersten Welle ein paar Wochen einen Megadruck hatten, sondern in einem Spagat versuchten, beides gleichzeitig zu bewältigen. Wir wissen, dass hervorragend bearbeitet wird, und dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch am Ende ihrer Kräfte sind. Die Corona Epidemie hat aber auch Schwachstellen im Gesundheitswesen aufgedeckt und eine große Frage ist, wieviel Reservekapazitäten ein Gesundheitssystem hat? Ein Gesundheitssystem das so funktioniert, dass Vergütungen nur fliesen, wenn Leistungen erbracht werden und für Vorhaltungen es kein Geld dafür gibt, kann natürlich keine nennenswerten Reservekapazitäten vorhalten und aufbauen. Alle, die das fordern, müssen aber auch dazusagen, dass dann mehr Geld in das System gesteckt werden muss und es wird der Allgemeinheit auch Geld kosten. Ich glaube, dass diese Diskussion Bundesweit bevorsteht, und ich habe die Hoffnung, dass es diesbezüglich einen Paradigmenwechsel geben wird. Entschieden wird das in Berlin. Aber auch wir sollen uns vor Ort Gedanken darübermachen, wie wir die Stellung und Position unseres Klinikums verstärken und verbessern können“, meinte der Oberbürgermeister.

OB Alexander Putz

Oberbürgermeister Putz: „Möchte die Gelegenheit nutzen.“

OB Putz denkt nach, das Klinikum zu rekommunalisieren. Er sagt das deswegen, weil es ein wichtiges Zeichen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses sei.  Es wäre ein Paradigmenwechsel, wo man ein gemeinsames Zeichen setzen könnte, das mit Sicherheit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Rücken stärkt. Es schwebe nicht die Dauergefahr einer Insolvenz, die im Krankenhausbereich und bei allen GmbHs sowie bei anderen Konstrukten natürlich im Raum steht. Dieses Damoklesschwert schwebe nicht nur über dem Haus, sondern hätte viele weitere Vorteile. Das könne man nicht heute und auch nicht morgen entscheiden, aber man habe sich auf Verwaltungsseite mit diesem Thema intensiv beschäftigt und man habe festgestellt, dass hier tatsächlich einige Vorteile zu verzeichnen wären, was Kooperationen mit LAKUMED etc. betrifft. Nach Meinung von OB Putz, wäre die Form eines Kommunalunternehmens in der Form einer Anstalt des Öffentlichen Rechts eine ideale Form, um diese damit auch nach Außen und nach Innen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu zeigen. OB Putz sprach das ganz bewusst an, weil gerade in diesen Tagen die Situation sehr schwierig sei und er glaube, es wäre ein gutes Zeichen für das Klinikum Landshut.

Aktuelle Situation im Klinikum

Klinikgeschäftsführer Philipp Ostwald
Prof. Stephan Holmer

Der Klinikgeschäftsführer Philipp Ostwald und der Ärztliche Direktor Professor Stephan Holmer berichteten über die aktuelle Situation im Klinikum:

Im Klinikum wurden fünf Covid-PCR-Stationen für Patienten und Mitarbeiter eingerichtet. Derzeit sind 32 Covid 19 Patienten in Behandlung. 23 Patienten sind auf Normalstation und 9 Patienten auf Intensivstation. Seit 14.04. 2021 sind 20 Pflegekräfte der Bundeswehr im Klinikum, mit denen 30 Pflegebetten (Non Covid) und 3 Intensivbetten (Non Covid) zusätzlich betrieben werden können.

Derzeit gibt es zwei Covid-19 Stationen: 4c (10 Betten) und 2a (15 Betten). Die Intensivstation 1i ist mit 14 Betten davon 10 Covid-Betten und die Intensivstation 2i mit 14 Betten belegt. Alle nicht dringlichen Patienteneinbestellungen für Operationen sind abgesagt (Anordnung durch den KH-Koordinator am 23.03.2021). Die Ambulanzen sind reduziert und versorgen nur noch dringliche Fälle. Die Notfallversorgung ist vollständig erhalten.

Zusammenfassung

Die britische Mutation treibt die 3. Welle durch höhere Infektiosität und schwerere Verläufe. Durch die bereits erfolgten Impfungen ist das Durchschnittsalter der Patienten ca. 10 Jahre nach unten gegangen. Die Impfungen verhindern wirksam die Übertragung des Virus und eine Erkrankung bzw. bewirken mindestens einen weniger schweren Krankheitsverlauf. Die Intensivstationen der Region sind seit Wochen voll ausgelastet. Nur durch Verlegungen von Intensivpatienten nach außen und Einschränkungen im operativen Bereich ist die Lage noch unter Kontrolle. Im Klinikum ist die Lage durch die Bundeswehr mit 20 Pflegekräften stabil, zusätzliche Intensivbetten wurden bereitgestellt, und es besteht ein Notfallplan; die Notfallversorgung ist nicht eingeschränkt. Derzeit stagniert der Zustrom von Covid-19-Patienten und es ist unklar, wie der weitere Verlauf regional sein wird. Vieles spricht dafür, dass sich die Lage bis Mitte Mai weiter zuspitzen wird, da der Scheitel der 3. Welle noch nicht absehbar ist. Die langsamen Fortschritte der Impfkampagne und die aufkommende Bedrohung durch weitere Mutationen lassen derzeit keine Zukunftsprognose zu.

Reaktionen der Landshuter Stadträtinnen und Stadträte zu dem überraschenden Vorschlag von Oberbürgermeister Alexander Putz: Rechtsreform des Klinikums

Rudolf Schnur (CSU/LM/JL/BfL): „Wir sind für alles offen, was dem Klinikum nützt!“

Anja König (SPD): „Mir kommt es vor, als wenn da Andere schon mehr wissen, als wir…..“

Stefan Gruber: „Mich irritiert, dass Sie, Herr Oberbürgermeister, in einem Nebensatz eine Änderung der Geschäftsform des Klinikums ankündigen!“

Oberbürgermeister Putz beindruckten diese Äußerungen nicht und er erwiderte: „Überlegungen anzustellen, wie man mit dem Klinikum weiterhin umgeht in dieser schwierigen Zeit, muss einem Oberbürgermeister zugestanden werden!“

– h j l –

Bildquelle: h.j.lodermeier

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