Ein Eldorado für Wildbienen

XXL-Nisthilfen für fleißige Sammler

Mit seiner Artendichte ist das Naturschutzgebiet „Ehemaliger Standortübungsplatz mit Isarleite“ der wertvollste Biotopkomplex der Stadt Landshut. Denn das etwa 280 Hektar große, einst militärisch genutzte Areal beherbergt unter anderem zahlreiche heimische Amphibien-, mindestens 50 Tagfalter- und über 400 verschiedene Pflanzenarten. „Zu den Highlights zählen beispielsweise der Kammmolch, heimische Orchideen wie das Helmknabenkraut und die bayernweit bedeutsame Population des Deutschen Sandlaufkäfers“, sagt der Gebietsbetreuer Fabian Hertrich. Eine weitere Besonderheit sind die knapp 200 vorkommenden Wildbienenarten.

Ab März, wenn an den ersten frostfreien Tagen die Sonne den Boden erwärmt, zeigen sich allmählich die kleinen Hautflügler in ihren unterschiedlichsten Formen und Farben. Während sich viele von ihnen mit einem Pelz schmücken, sind einige wiederum fast nackt, auffällig gefärbt und ähneln zum Teil Wespen oder Fliegen. Eins haben die meisten jedoch gemeinsam: Sie sind Schönwetter-Insekten, denn sie mögen es warm und trocken. Aber nicht nur das Klima und die Witterung in ihrem Lebensraum sind für ihr Wohlbefinden ausschlaggebend. Sie benötigen ein abwechslungsreiches Angebot an Blütenpflanzen sowie unterschiedliche Strukturen und Materialien zum Nisten. Einige unter ihnen haben sich sogar auf bestimmte Pflanzen spezialisiert, wie die Glockenblumen-Scherenbiene, die Nektar ausschließlich auf Glockenblumen sammelt. Ähnlich vielfältig sind auch ihre Nistplätze. Wildbienennester findet man in Pflanzenstengeln, in morschem Holz oder an Steinen und Felsen. Auch hier beeindrucken einige Spezialisten. So gibt es beispielsweise Fertighäuser in Form von leeren Schneckenhäusern. Der Großteil nistet jedoch im Boden, bevorzugt in offenen und trockenen Bereichen wie sie am Ehemaligen Standortübungsplatz zu finden sind.

Bagger statt Panzer

Wie auch die Biotope vieler anderer Tier- und Pflanzenarten im Naturschutzgebiet entstanden diese Strukturen vor allem durch die militärische Nutzung, die einst vor den Toren Landshuts stattfand. Fahrmanöver mit Panzern und Schießübungen ließen immer wieder Rohbodenstellen und Bodenabbrüche entstehen, die den Wildbienen einen idealen Lebensraum boten. Um diese auch langfristig zu erhalten, bedarf es der Pflege. „Die Abbruchkanten und Rohböden müssen alle paar Jahre restauriert und von der aufkommenden Vegetation befreit werden, damit die Stellen offen bleiben“, erklärt der Gebietsbetreuer.

Mit einem Bagger wurden die bereits bestehenden Strukturen gepflegt und an geeigneten Standorten neue geschaffen. Für die Durchführung wurde die Firma A. Hobmeier beauftragt, die seit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Biotopbau hat. Finanziert wurde die Maßnahme aus Fördermitteln der Regierung von Niederbayern und unterstützt von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Landshut. „Wichtig ist dabei, dass die Habitate südöstlich ausgerichtet sind, so dass sich die Flächen früh und schnell erwärmen können“, meint Hertrich. Zusätzlich wurden durch den Landschaftspflegeverband Landshut e.V schon im Laufe des Jahres Totholzstrukturen im Gebiet platziert. So befinden sich seit Kurzem mächtige Baumstämme in der Ochsenweide der Ungarischen Graurinder, um unter anderem Wildbienen ideale Lebensbedingungen zu bieten. Der schwerste in die Weide verbrachte Baumstamm ist größer als ein Kleinwagen und wird auf etwa neun Tonnen geschätzt. Bayernweit gibt es knapp 520 verschiedene Bienenarten. Doch mehr als die Hälfte der Wildbienenarten gelten mittlerweile als bedroht, 40 davon sind bereits verschwunden. „Umso wichtiger ist es, die bestehenden Lebensräume und dadurch die Artenvielfalt zu erhalten sowie zu fördern, indem man zwar nicht mehr mit Panzern, aber mit anderen Maschinen nachhilft“, so der Gebietsbetreuer.

Bildunterschrift: Mit einem Bagger werden Abbruchkanten und Rohböden für die Wildbienen geschaffen.

Eine Besonderheit im Gebiet: Im Gegensatz zu den meisten Wildbienen legt die Langlebige Schmalbiene mehrjährige Staaten im Boden an. Das ausgehobene Bodenmaterial formt sie zu Türmchen, welche einer Vulkanlandschaft oder Wolkenkratzern ähneln. Ein Naturspektakel, das in Bayern nur sehr selten beobachtet werden kann.

Fotos: Stadt Landshut

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