Ein Halbsatz, der die Menschen bewegt

„Bevor ich sterbe, möchte ich…“: Aktion in Ergolding stieß auf große Resonanz

Landkreis/Ergolding. „Bevor ich sterbe, möchte ich…“ – dieser Halbsatz sollte ergänzt werden mit Kreide auf schwarzen Schiefertafeln im Rahmen einer Aktion des Landratsamts Landshut: Viele Menschen fast jeden Alters haben den Satz zu Ende geführt. Ein zwölfjähriger Bub war darunter, dessen Großvater kürzlich gestorben ist, ebenso wie Passanten, die zufällig vorbeikamen, aber auch ehrenamtliche Hospizhelfer, die bewusst das Gespräch mit Bürgern zu dem Thema suchten. Sie haben innegehalten an der Tafel vor dem Rathaus der Marktgemeinde Ergolding, haben diskutiert, nur wenige wollten sich nicht auf das Thema einlassen – kalt gelassen hat es kaum jemanden. 

Die Organisatoren und Träger der Aktion zeigten sich alle sehr beeindruckt von der großen Resonanz, die die siebentägige Aktion gefunden hat: Lisa Friedel, Studentin der Sozialen Arbeit, die die Aktion initiiert hatte (sie absolviert derzeit ihr Praxissemester in der Seniorenarbeit des Landkreises Landshut), Vertreter des Marktes Ergolding ebenso wie des Hospiz- und Palliativ-Versorgungsnetzwerks. Es habe viele interessante Begegnungen gegeben und angeregte Diskussionen über die Worte, mit denen der Halbsatz ergänzt worden ist.

Ins Leben gerufen hat die Aktion vor Jahren, wie berichtet, die amerikanische Künstlerin Candy Chang, damit sich „die Menschen mit den Themen Tod und Vergänglichkeit beschäftigen“, schildert Lisa Friedel: „Und um damit einen anderen Blickwinkel zu dem Thema Tod und Sterben zu bekommen – und gleichzeitig auch auf das Leben.“

„Bevor ich sterbe, möchte ich …“ mein Leben in Ordnung bringen, stand da zu lesen, einen Garten anlegen, nach Kanada fahren, einen Eisbären streicheln, mehr Mut haben, mit meinen besten Freunden spielen und sie noch einmal umarmen, für meine Kinder da sein, zurückblicken können, ohne etwas zu bereuen. Mit solchen Worten, dazwischen auch mit mehreren Einträgen auf Englisch und einem in arabischer Schrift, wurde der Satz vollendet.

In dem, was die Leute schreiben, spiegelten sich ganze Biographien und die Identität von Menschen wider: Dieses nachdenkliche Fazit zogen drei Beteiligte beim Lesen der Wünsche auf den Tafeln – die Psycho-Gerontologin Kathrin Lübke, Dozentin an der Hochschule Landshut, die Studentin Lisa Friedel und Kunibert Herzing, der Vorsitzende des Hospizvereins Landshut. Die Beschäftigung mit dem Tod könne auch das Leben besser machen, erklärte Gerhard Hug, der als ehrenamtlicher Hospizbegleiter seit Jahren Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet: Die meisten Menschen bereuten am Schluss nicht, was sie gemacht haben, sondern, was sie nicht gemacht haben.  

Bildunterschrift: Sieben Tage lang konnten Bürger auf Kreidetafeln den Halbsatz „Bevor ich sterbe, möchte ich …“ ergänzen. Das Bild zeigt, bei der Eröffnung der Aktion am Rathausplatz, von rechts: Ergoldings Bürgermeister Andreas Strauß, die Studentin Lisa Friedel, die die Aktion nach Ergolding gebracht hat, Rudi Amannsberger (Gemeinschaft christlichen Lebens, München), der Vorsitzende des Hospizvereins Landshut, Kunibert Herzing und Gabriele Gaudlitz (Koordinierungsstelle für Senioren-Angelegenheiten des Marktes Ergolding).
Foto: Elmar Stöttner

weitere Beiträge