Einblick in die hohe Diplomatie

Student nimmt an simulierter UN-Konferenz in New York teil

Der 24-jährige Student der Politikwissenschaft Quirin Heimler aus Wallersdorf nahm vom 5. bis 15. April als Teil der diesjährigen National Model United Nations (NMUN) Delegation der Otto-Friedrich-Universität Bamberg an der Exkursion nach Washington DC und New York City teil. Hierzu durfte die Delegation die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in den verschiedensten UN-Gremien vertreten.

Die Universität Bamberg entsendet seit 2003 jedes Jahr eine Delegation zur Konferenz nach New York, wo sie mit 5000 anderen Studierenden aus aller Welt über aktuelle Problemstellungen der Weltpolitik auf Englisch diskutiert und für diese in simulierten Konferenzen Lösungen erarbeitet. Der interkulturelle, multinationale Aspekt spielt hier eine ganz besondere Rolle, wobei jede Perspektive die Verhandlungen bereichert und wesentlich zum Ziel der Völkerverständigung beiträgt.

Im Zuge dieses Projektes lernten die Studierenden die Strukturen der UN kennen, aber auch das praktische Rüstzeug für den diplomatischen Alltag, welches das Schreiben von Positionspapieren und Rhetorikunterricht beinhaltete. Das hohe Maß an Selbstorganisation des Projekts mittels Sponsoring, PR mit Social Media Auftritten und Vorträgen von verschiedensten Institutionen zu dem jeweils zugewiesenen Land und seine Kultur spielte ebenfalls eine enorme Rolle. Dadurch wurde den Studierenden viel Freiheit und ein hohes Maß an Eigenständigkeit zugestanden, wobei Heimler seinen Eigenanteil über seine Ersparnisse als Erntehelfer aus den letzten zwei Jahren finanzierte. Alle diese erworbenen Kompetenzen konnten sie dann im Vorlauf zum Finale in New York bereits in mehreren Übungskonferenzen in Bamberg, Nürnberg und Erfurt effektiv anwenden.

In Washington durfte die NMUN Delegation als Vorprogramm zur New Yorker Konferenz eine breite Palette an Institutionen besuchen. Dies beinhaltete neben unter anderem der Johns-Hopkins-Universität auch mehrere Thinktanks wie das Brookings Institute sowie NGOs wie die Freedom Initiative. Experten vermittelten mit ihren Vorträgen einen tiefen Einblick in die Sicherheits- und Entwicklungspolitik sowie der Situation der Menschenrechte weltweit.

In New York kam mit der Konferenz das schon lang herbeigesehnte Finale, mit 5000 Studierenden aus aller Welt zu internationalen politischen Themen zu verhandeln, und das seit Ausbruch der Pandemie zum ersten Mal wieder in Präsenz. Als Delegierter für das Erste Komitee der UN-Generalversammlung verhandelte Heimler als Vertreter der VAE mit den anderen Delegierten über sicherheitspolitische Themen wie der Reduzierung der Gefahr, die von improvisierten Sprengsätzen und nuklearer Technologie für die internationale Gemeinschaft ausgehen. Gemäß der Rolle dieses Komitees arbeiteten die Anwesenden Resolutionen aus, um Empfehlungen für die Lösung dieser Probleme vorzuschlagen. „Man erfährt hier direkt, was es heißt, als Diplomat die eigenen Standpunkte einzubringen, zugleich aber auch, die Ideen der Verhandlungspartner zu berücksichtigen und einzubringen“, so der Student. „Wir waren alle dazu angehalten, strenge wissenschaftliche und diplomatische Standards einzuhalten, vom Verfassen des Positionspapieres bis hin zum Verhalten während der Konferenz an und für sich. Genau so, wie die Diplomaten bei den UN selbst dazu angehalten sind.“

Heimler kann das Projekt jedem ungeachtet des akademischen Hintergrunds nur wärmstens empfehlen. „Wir hatten in unserer Delegation auch nicht nur Politikwissenschaftler, sondern auch Ökonomie-, Theologie-, und PsychologiestudentInnen, die dadurch das Projekt aus einer anderen Perspektive betrachtet haben,“ so Heimler.  Des Weiteren erlaubt es, die eigenen Englischkenntnisse vor allem in den Reden und Verhandlungsrunden zu vertiefen, vor allem da man auch auf englische Muttersprachler trifft. Dadurch ist es auch gleichzeitig eine hervorragende Gelegenheit, neue Leute mit einer ähnlichen Einstellung aus aller Welt kennenzulernen. „Zu guter Letzt muss man vor allem in Hinblick auf die New Yorker Konferenz auch sagen, dass ein Besuch des UN-Hauptquartieres eine Erfahrung darstellt, die nur wenige Menschen in ihrem Leben haben dürfen.“

 

Foto: priv.

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