Eine Pflegefamilie als zweite Chance

Kreisjugendamt sucht weiter nach potenziellen Pflegeeltern

Selten hatte der Spruch des deutschen Liedermachers Reinhard Mey mehr Gültigkeit als jetzt: „Je kaputter die Welt draußen, desto heiler muss sie zu Hause sein“. Corona hat gezeigt, wie wichtig eine intakte Familie, wie wichtig ein stabiles häusliches Umfeld sind.

Im Landkreis Landshut gibt es aber viele Kinder, denen diese verlässliche Umwelt fehlt, die aus schwierigen Verhältnissen stammen. Verwahrlosung, körperliche oder seelische Misshandlung, aber auch Übergriffe unterschiedlichster Art, Suchtprobleme oder eine psychische Erkrankung der Eltern können für das Jugendamt Anlass sein, die Reißleine zu ziehen und das Kind aus einer Familie zu entnehmen, um es vor weiterem Schaden zu bewahren.

An diesem Punkt kommen Pflegeeltern ins Spiel: Sie sind quasi „Wegbegleiter auf Zeit“ und leisten eine unverzichtbare Aufgabe. Denn sie bieten einem Kind Geborgenheit, Wärme, Alltagsstruktur und Sicherheit – was es vorher nicht kannte. Sie bieten diesem Kind eine zweite Chance – entweder bis sich die Verhältnisse in der Herkunftsfamilie stabilisiert haben, oder womöglich auch auf Dauer.

Den Mitarbeitern des Pflegekinderdienstes am Kreisjugendamt ist es ein großes Anliegen, die potenziellen Pflegeeltern vorher gut kennenzulernen. Deshalb versuchen sie stets, trotz der aktuellen Infektionslage, sich mehrmals persönlich mit Interessenten zu treffen. „Die Entscheidung, ein Kind aufzunehmen, das solch einen Rucksack mit sich trägt, muss reiflich überlegt sein“, erzählen die Mitarbeiter. Ist der Entschluss gefallen, geht es in die Bewerbungsphase, die in der Regel einige Monate dauert. Ein mehrtägiges Bewerberseminar, den Besuch des Paares zuhause und ein Auswertungsgespräch mit den Vertretern des Pflegkinderwesens. Dies hilft den angehenden Eltern sich auf ihre Rolle vorzubereiten – und die Pflegebewerber sollten zu diesem Zeitpunkt auch ehrlich zu sich selbst sein: Wie alt sollte das Kind in etwa sein? Kommen wir damit klar, wenn das Kind geistig oder körperlich beeinträchtigt sein sollte? Sind wir bereit, dass auch die Herkunftsfamilie künftig eine Rolle im Leben des Kindes spielen wird? Am Schluss zählt aber nur eines: „Eine Familie muss zum Kind passen“.

Das Kreisjugendamt am Landratsamt Landshut ist stets auf der Suche nach Familien, die eines oder mehrere Pflegekinder bei sich aufnehmen würden und sich so der verantwortungsvollen und erfüllenden Aufgabe widmen, den Kindern, die am meisten ihrer Hilfe und Fürsorge bedürfen, ein liebevolles Umfeld zu geben. Auch gleichgeschlechtlichen Paaren und Alleinerziehenden steht dieser Weg in jedem Fall offen. Nähere Informationen finden Sie unter www.pflegekinder-landshut.de. Das Team des Pflegekinderwesens am Kreisjugendamt steht auch gerne telefonisch unter 0871/408-4942, -4945, -4948, -4950 oder -4952 zur Verfügung.

Foto: Landratsamt Landshut

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