Landshuter Literaturtage: Gefälschte Tagebücher, geheime Aufzeichnungen

Landshuter Literaturtage starten mit Doris Dörrie –Tickets ab sofort erhältlich

Am 4. November beginnen die „21. Landshuter Literaturtage“ unter dem Motto „Die Seiten des Lebens“. Geboten sind über die Dauer von zwei Wochen unterhaltsame und abwechslungsreiche Lesungen, Gespräche und Erzählabende an einem Dutzend schöner Orte in Landshut. „Wir haben ein Programm zusammengestellt, das gute Unterhaltung bietet und für die Kunst des (Selber-)Schreibens und Erzählens werben soll“, sagt die Kulturbeauftragte der Stadt, Uta Spies, über die

Veranstaltungsreihe, die zu den größten und profiliertesten ihrer Art in Ostbayern zählt. Die Veranstaltungen kreisen um die verschiedensten Formen von Tagebüchern – private und literarische, aktuelle und historische sowie solche, welche die Grenzen des Genres gekonnt überschreiten. Der Bogen ist gespannt vom Selbstversuch am Eröffnungsabend über gefälschte Tagebücher, geheime Aufzeichnungen, Romane und Reiseberichte bis hin zu lokalhistorischen Entdeckungen. Als Gäste eingeladen sind unter anderem Doris Dörrie, Verena Roßbacher, Willi Winkler und Christian Gerhaher sowie zahlreiche Akteure aus der Stadt und der Region – Thomas Ecker, Heidi Prax, Titus Müller und Lisa Gusel. Neben den elf Publikumsveranstaltungen ist auch eine spannende Podcast-Serie zur Landshuter Stadtgeschichte im Programm.

Tickets sind ab sofort erhältlich. Für die Veranstaltungen mit freiem Eintritt ist kein Ticket und keine Anmeldung erforderlich.

Die Landshuter Literaturtage sind eine Veranstaltungsreihe der Stadt Landshut. Sie werden unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie der Kulturstiftung des Bezirks Niederbayern.

Das detaillierte Programm der 21. Landshuter Literaturtage ist unter www.landshuterliteraturtage.de zu finden. Die Tickets sind ab sofort – falls nicht anders angegeben – online oder in der Tourist-Information im Rathaus in der Altstadt erhältlich. Eine gedruckte Programmbroschüre liegt ab Samstag, 1. Oktober, in der TourismusInformation im Rathaus aus.

Ein Programmüberblick:

Auftakt mit Doris Dörrie

Am Freitag, 4. November, wird die Filmregisseurin und Schriftstellerin Doris Dörrie das Landshuter Publikum im Rathausprunksaal in die Leichtigkeit des Schreibens einführen. Basierend auf ihrem Buch „Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben“ hat Dörrie einen kurzweiligen Abend mit Anekdoten, Lesepartien und Schreibübungen vorbereitet. Der Eintritt ist frei. Aus organisatorischen Gründen ist eine Anmeldung bei kultur@landshut.de erforderlich.

Thriller-Solo mit Thomas Ecker

40 Jahre nach der Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher stellt sich immer noch die Frage, wie es zu diesem Medienskandal kommen konnte. In seinem Solo-Programm taucht der Landshuter Autor und Regisseur Thomas Ecker am Sonntag, 6. November, im Salzstadel in diese dramatische und schier unglaubliche Geschichte ein, die alle Zutaten eines Thrillers besitzt.

„Tagebuch eines Zwangsarbeiters“

Das Tagebuch des 19-jährigen Niederländers Jan Bazuin, der nach Bayern verschleppt wurde, ist ein eindrucksvolles Dokument aus der Zeit des Nationalsozialismus. Paul-Moritz Raabe, Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des NS-Dokumentationszentrums München, und die Zeichnerin Barbara Yelin werden das kürzlich veröffentlichte Tagebuch am 7. November in einer Mischung aus Text, Bild und Gespräch im Gymnasium Seligenthal präsentieren. Geschlossene Schulveranstaltung.

„Geheime Tagebücher“

Samuel Pepys war Politiker im Großbritannien des 17. Jahrhunderts. In seinen legendären „Geheimen Tagebüchern“ berichtet er neben seinen amourösen Abenteuern von Theaterbesuchen, Hinrichtungen, Lektüren, den Schrecken des Großen Brandes von London und den Vorgängen am Hof. Heidi Prax präsentiert die geheimen Tagebücher, die bis heute nichts an Lebendigkeit eingebüßt haben, am Mittwoch, 9. November, im Rathausfoyer. Der Eintritt ist frei.

Christian Gerhaher im Gespräch

Christian Gerhaher, geboren in Straubing, ist ein weltweit gefeierter Lied-, Konzert- und Opernsänger. In seinem „Lyrischen Tagebuch“ setzt sich der Bariton mit vertonten Gedichten auseinander und mit ihrer Umsetzung in kompositorische Klangwelten, die direkt ins Herz der Musik führen. Gerhaher stellt sein Buch am Freitag, 11. November, im Gespräch mit Prof. Dr. Dieter Borchmeyer in der Musikschule vor.

Blick auf die Daseinsdinge

Bernhard Setzwein ist ein Meister vieler literarischer Formate und Gattungen: Romane, Essays, Theaterstücke – und auch das Tagebuchschreiben gehört dazu. Am Samstag, 12. November, liest er im Rieblwirt aus seinem jüngsten Buch „Das Gelbe Tagwerk“, spricht über sein neues Buchprojekt und wird sich mit dem Journalisten Christian Muggenthaler über das (Tagebuch-)Schreiben unterhalten.

Klostertagebuch

Geschichte ist immer in Bewegung. Auch das ausgehende 18. Jahrhundert war ein Zeitalter der Umbrüche. Diese spiegeln sich in einem bisher kaum erforschten Tagebuch aus einem bayerischen Kloster wider. Dieses wird Dr. Bernhard Lübbers, Leiter der Staatlichen Bibliothek in Regensburg, am Dienstag, 15. November, im Vortragssaal der vhs nicht wissenschaftlich trocken, sondern als Erzähler vergangener Zeiten vorstellen. Der Eintritt frei.

Dreiergespräch

Gunnar Cynybulk, versierter Büchermacher und Verleger, Titus Müller, Autor von über 30 Büchern, und Bernhard Bachem, Leiter der Buchhandlung Hugendubel in Landshut, unterhalten sich am Mittwoch, 16. November, in der Buchhandlung Hugendubel über ihre Liebe zur Literatur und ihre jeweilig unterschiedlichen Zugänge zur Welt der Bücher. Tickets gibt es online und bei der Buchhandlung Hugendubel.

„Ciao Kakao!“ für Kinder

Von Hans-Peter Schneiders Erfolgsreihe „Seppis Tagebuch“ gibt es mittlerweile neun Folgen. Im neuesten Band will Seppi endlich einmal Urlaub mit Sommer, Sonne, Strand genießen. Aber auch in Italien warten Schwierigkeiten auf ihn … Der Autor liest aus dem knallkomischen Comic-Roman für Kinder ab 10 Jahren am Donnerstag, 17. November. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung in der Stadtbücherei Weilerstraße ist erforderlich, Telefon 0871-71054.

Fieses Leben mit Leichtigkeit

Die Österreicherin Verena Roßbacher schildert in „Mon Chérie und unsere demolierten Seelen“ das Leben ihrer von Krisen erschütterten Hauptfigur so konsequent aus der Innenansicht dieser Frau, dass der Roman mit seiner Gegenwartshaftung wie ein cool-lakonisches Tagebuch daherkommt. Am 17. November entführt Roßbacher ihr Publikum bei Bücher Pustet in Bereiche des Daseins, wo sogar das fiese Leben an Leichtigkeit gewinnt. Tickets sind online und bei Bücher Pustet erhältlich.

Neuerscheinung „Herbstlicht“

Willi Winkler, namhafter Redakteur unter anderem der „Süddeutschen Zeitung“, hat sich zu Fuß auf die Reise nach und durch Italien gemacht und dabei seine Beobachtungen und Erlebnisse – in einen ausgesprochen eleganten Schreibstil – niedergeschrieben. Winkler unterhält sich am Freitag, 18. November, im KOENIGmuseum mit dem Kulturredakteur Philipp Seidel über „Herbstlicht – eine Wanderung nach Italien“ und ganz bestimmt auch über das Schreiben an sich.

Nach innen geblickt

Lisa Gusel, bekannte Landshuter Erzählerin und immer auf der Suche nach der Geschichte und den Geschichten schreibender Frauen, wird bei einer Matinée am Sonntag, 20. November, im Barockdachstuhl der Lebenshilfe (barrierefrei) Tagebuchpassagen von Frauen aus verschiedensten Ländern und unterschiedlichen Kontinenten lesen. Ein globaler Blick auf schreibende Frauen und das, was diese bewegt und bedrängt, was sie fürchten, lieben und hoffen.

Podcast Zeitreise

Der Landshuter Kaufmann Franz Caspar Krieger hat im 19. Jahrhundert über 50 Jahre ein aufschlussreiches und kurzweiliges Tagebuch geführt. Für die Landshuter Literaturtage hat Christian Muggenthaler die Aufzeichnungen, die im Stadtarchiv verwahrt werden, in sechs kurzen Podcasts aufbereitet (Sprecher: Moritz Katzmair, Philipp Seidel). Diese sind von 5. November bis 31. Dezember kostenfrei auf der Webseite www.landshuter-literaturtage.de anzuhören.

Fotos/Bildnachweis

Titelbild: Regisseurin Doris Dörrie wird über ihr Buch „Leben, schreiben, atmen“ sprechen und zu Schreibübungen einladen.

© Constantin Film Verleih GmbH/Dieter Mayr

Der Landshuter Autor Thomas Ecker ist in einem „Thriller-Solo“ zu erleben. © Christine Ecker
Ergreifendes Zeugnis eines Rotterdamer Jugendlichen, der zur Zwangsarbeit nach Bayern deportiert wurde.
© Verlag C. H. Beck
Buchkennerin und Erzählerin Heidi Prax stellt die „Geheimen Tagebücher“ des Briten Samuel Pepys vor.
© Stephan Rebel
Starsänger Christian Gerhaher setzt sich im „Lyrischen Tagebuch“ mit Liedern berühmter Komponisten auseinander.
© Nikolaj Lund
Buchautor Bernhard Setzwein gibt Einblicke in sein „Gelbes Tagwerk“.
© Maria von Stern
Der Historiker Bernhard Lübbers taucht in den Alltag eines bayerischen Klosters ein.
© Sabine Franzl
Autor Titus Müller, Verleger Gunnar Cynybulk und Buchhändler Bernhard Bachem tauschen sich über die Welt der Bücher aus.
© Sandra Frick_Gunnar Cynybulk©Kat Kaufmann_Bernhard Bachem©privat
Kinderbuchautor Hans-Peter Schneider liest aus dem neuen Band der Reihe „Seppis Tagebuch“.
© privat
Verena Roßbacher erzählt mit schräger Originalität von einer 43-jährigen Frau mit jeder Menge Probleme undunverbrüchlichem Optimismus.
© Christian Geyr
Journalist und Autor Willi Winkler macht eine abenteuerliche Reise durch Italien, die scheinbar Vertrautes mit neuen Augen sehen lässt.
© Anna Weise
Die Landshuter Erzählerin Lisa Gusel wirft einen Blick in die Tagebücher von Frauen aus verschiedensten Ländern.
© cbw Landshut
Franz Caspar Krieger und der Alltag im Landshut des 19. Jahrhunderts, PodcastReihe.
© A. Langkals

 

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