Gendersprache in der Verwaltung und auf der Homepage der Stadt Landshut? Ein großes Thema beim Landshuter Frauenplenum

Wenig Zuspruch zur Veranstaltung in der Sparkassen-Arena von den Landshuter Frauen

Landshuter Stadträtinnen mit ihrer Wortführerin Kirstin Sauter, hatten am Dienstag, den 18.05.2021 um 17 Uhr, zu einer Veranstaltung für die Landshuter Bürgerinnen eingeladen, um spezielle „Frauenanträge“ entgegen zu nehmen, zu diskutieren, darüber abzustimmen und die einzelnen Anträge an die Räte der Stadt weiterzuleiten und um sie in den einzelnen Senaten und im Plenum zu behandeln.

Die Landshuter Stadträtinnen von links oben nach rechts unten: Kirstin Sauter (Sprecherin des Frauenplenums), Anja König, Gaby Sultanow, Patricia Steinberger, Elke Rümmelein, Hedwig Borgmann
Das Frauenplenum gibt es aufgrund eines Antrages von der damaligen Landshuter Stadträtin Ingeborg Pongratz seit 1997, also heuer zum 24. Mal. Frau Pongratz hatte ein paar Jahre die Leitung des Frauenplenums übernommen, dann übernahm Stadträtin Ute Kubatschka bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Stadtrat in 2014 die Leitung. In den Jahren danach waren diverse Stadträtinnen verantwortlich für die Leitung des Frauenplenums.
Zunächst wurden im Rückblick Anträge aus dem Jahre 2020 vorgestellt. Die aktuellen Anträge aus dem Publikum vorgetragen, handelten von akuten Themen, die besonders die Landshuter Frauen betreffen.

Folgende diverse Anträge wurden im Frauen-Plenum vorgetragen:

Anträge von Edith Schmidbauer

Antrag: Abwasser-Pumpstation bei den Rad- und Fußwegunterführungen am Roßbach unterhalb der Wittstraße/B11 und an der Konrad-Adenauerbrücke

Begründung: Die Rad- und Fußwegunterführung am Roßbach unterhalb der Wittstraße/B11 ist bereits bei geringem Hochwasser der Isar überflutet und muss dann für mehrere Tage gesperrt werden. Die Fußgänger:innen und Radfahrer:innen müssen dann auf die oberirdische Querung mit drei Ampeln mit entsprechenden Wartezeiten ausweichen. Zudem sind die Warteinseln an den Ampeln zu den Stoßzeiten nicht für die Anzahl der Wartenden ausgerichtet.

Diese Rad- und Fußwegunterführung hat ein Einzugsgebiet von ganz Achdorf, Kumhausen, einen Teil des Hofbergs und ist Bestandteil des Isarradweges. Dementsprechend stark wird sie auch frequentiert. In den Stoßzeiten wird die Unterführung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf ihren Weg zur Schule, Arbeit, Bahnhof… genutzt. Sie stellt eine wesentliche Erleichterung dar und ist ein zentraler Bestandteil des Radwegenetzes von Landshut.

Abhilfe könnte eine Abwasser-Pumpstation bringen, wie sie z.B. auch bei den Rad- und Fußwegunterführungen an der Luitpoldbrücke oder der Heilig-Geist-Brücke im Einsatz sind und sich in den letzen Jahrzehnten bewährt haben. Eine ähnliche Situation liegt an der Konrad-Adenauer-Brücke vor. Diese wird in nächster Zeit erneuert. Mit dem Neubau sollte bereits eine Pumpstation (kombiniert mit einer entsprechend hohen Ufermauer) eingeplant werden. Ein nachträglicher Umbau wäre um einiges teurer und aufwendiger. Landshut ist eine Fahrradstadt, der Radverkehr wird aus verschiedenen Gründen weiter zunehmen.

Antrag: Mehr Aufstellstreifen für Radfahrer:innen bei Straßenkreuzungen mit Ampelschaltung im Stadtverkehr
Begründung: Radfahrer:innen können bei abbiegenden Autos, Bussen… in den toten Winkel geraten und dadurch übersehen bzw. an den Straßenrand gedrängt werden. Vor allem für jüngere und ältere Verkehrsteilnehmer:innen würden die Aufstellstreifen mehr Sicherheit im Straßenverkehr bedeuten. Radfahrer:innen müssen die Abgase der an der Ampel vor ihnen wartenden Fahrzeuge nicht einatmen. Beispiele: Kreuzung Isargestade/Mühlenstraße, Kreuzung Neustadt/Maximilianstraße, Kreuzung Maximiliansstraße/Podewilstraße
Antrag: Anbringen einer Countdown-Ampel zusammen mit einem Hinweisschild „Motor bitte abstellen. Grün in …..Sekunden“. Dies wird bereits in vielen deutschen Städten und anderen Ländern erfolgreich eingesetzt.
Begründung: Am Achdorfer Isarsteg beim Eisstadion kommt es in Stoßzeiten regelmäßig zu längeren Staus. Die Ampelschaltung ist hier sehr kurz getaktet, die Autofahrer:innen lassen i.d.R. den Motor laufen, damit in der kurzen Grünphase möglichst viele Autos den Steg passieren können. Dadurch kommt es zu Lärmbelästigung und Luftverschmutzung (die meisten Autos haben noch keine automatische Motorabstellung bei Stillstand). Durch die Countdown-Ampel werden die Fahrer:innen darauf aufmerksam gemacht, den Motor abzustellen um somit Umwelt und Anwohner zu entlasten.

Antrag: In den den nächsten Jahren werden in Landshut mehrere Schulen gebaut bzw. fertiggestellt. Die Stadt als Schulträger soll sich zusammen mit den neuen Schulen dafür einsetzen, dass für mindestens eine dieser Schulen eine Frau Namensgeberin ist.

Begründung: Von unseren städtischen Schulen ist keine nach einer Frau benannt. Das liegt nicht daran, dass in Landshut die Namensvergebung nicht personenbezogen sein soll. Für die Vergabe nach männlichen Persönlichkeiten gibt es mehrere Beispiele (Hans-Leinberger-Gymnasium, Hans Carossa Gymnasium, Karl-Heiß-Schule, Carl Orff Grundschule, St. Peter und Paul Grundschule, St. Wolfgang Grundschule, St. Nikola Grundschule). Als Namensgeberin können Wissenschaftlerinnen, Schriftstellerinnen, Künstlerinnen, mutige Frauen… vorgeschlagen werden.  Schulnamen vermitteln den Schülerinnen und Schülern Zugehörigkeit und Identität. Sie wollen und sollen stolz darauf sein, sagen zu können: „Ich bin Schülerin/Schüler (z.B.) der Miriam-Pressler-Schule“. Für die Namensgebung werden starke Persönlichkeiten mit Charaktereigenschaften gewählt, die für die Schülerinnen und Schüler eine Vorbildfunktion haben sollen, oft mit einem örtlichen Bezug. Im Sinne der Gleichberechtigung ist es notwendig und höchste Zeit, dass auch in Landshut mindestens eine Schule nach einer Frau benannt wird. Sollte die Entscheidung wegen der Vielzahl geeigneter weiblicher Persönlichkeiten schwerfallen – einfach alle drei Schulen nach Frauen benennen.

Antrag von Christine Koenzen-Birnkammer

Antrag: „Kostenlose Hygieneartikel für Mädchen und Frauen in Behörden, weiterführenden Schulen und öffentlichen Einrichtungen“

Mädchen und Frauen kennen das Problem: Die Periode kommt plötzlich und unerwartet. Auf der Schultoilette vor einem wichtigen Referat, auf der Toilette der Arbeitsstelle, während eines langen Tages oder auf einer öffentlichen Toilette, vor einem wichtigen Gespräch. Scham und Einschränkungen sind die Folge — gerade für Mädchen in der Pubertät. Bei ihnen ist der Monatszyklus oft noch unregelmäßig, die Menstruation beginnt dann entsprechend unerwartet. Aus Scham oder Geldnot verwenden Schülerinnen dann zum Teil Stoffreste oder Klopapier. In immer mehr Ländern wie Schottland, Neuseeland und Frankreich werden bereits Menstruationsartikel kostenlos an öffentlichen Orten zur Verfügung gestellt. Damit auch in Landshut Frauen und Mädchen bald die Sicherheit haben, dass sie auf der Toilette entsprechende Hygieneartikel vorfinden möge der Stadtrat beschließen:

  • Die Verwaltung prüft die kostenlose Abgabe von Menstruationsartikel an weiterführenden Schulen, Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen. Die kontrollierte, hygienische Abgabe erfolgt mittels vandalismussicherer Spender für Damenbinden und Tampons.
  • In einer zweijährigen Pilotphase an ausgewählten Schulen, Behörden und öffentlichen
  • Einrichtungen sollen Erfahrungen, Reaktionen und Kosten des Angebots ermittelt werden.
  • Die Ergebnisse werden nach Beendigung des Pilotprojektes dem Plenum zur endgültigen Entscheidung vorgelegt.

Antrag von Claudia Roth-Voss

Einführung eines fahrgastfreundlichen Tarifsystems im öffentlichen Nahverkehr

Die besorgniserregenden klimatischen Veränderungen erfordern – was die Mobilität betrifft – ein striktes Umdenken. Das betrifft auch den öffentlichen Nahverkehr, der – um eine adäquate Alternative darzustellen – zeitnah attraktiver gestaltet werden muss. So, wie das Angebot jetzt ist, kann nicht davon ausgegangen werden, dass man mehr Menschen dazu bringt, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Nachbesserungen sind nicht nur in der Gestaltung der Fahrpläne notwendig, d. h. hinsichtlich der Erhöhung der Frequenz der Busfahrten sowie einer effizienteren Vernetzung der einzelnen Buslinien. Nachbesserungen sind auch in der Tarifgestaltung dringend erforderlich. Das tarifliche Angebot ist derzeit wenig attraktiv, es weist keine Variabilität und damit keine Gestaltungsfreiheit für die Fahrgäste auf. Es ist nicht kundenorientiert. Derzeit gibt es Einzelfahrkarten, Tageskarten, Wochenkarten jeweils ab Montag, Monatskarten jeweils ab dem 1. eines Monats, Halbjahres- und Jahreskarten, auch jeweils ab dem 1. eines Monats.

Um das tarifliche Angebot fastgastfreundlich und reizvoll zu gestalten, wären folgende Maßnahmen erforderlich:

  • interessant für den Geldbeutel der Fahrgäste wäre die Option, den Zeitpunkt des        
  • Beginns der Gültigkeit einer Wochenkarte, Monatskarte, Halbjahres- oder Jahreskarte selbst zu bestimmen. D. h. die Karte gilt ab dem Kaufdatum und dann genau eine Woche, einen Monat, ein halbes Jahr oder ein ganzes Jahr.
  • Ein weiterer Anreiz für Fahrgäste wäre eine 6er- und / oder eine 10er-Karte, durch deren Kauf die einzelnen Fahrten günstiger wären als beim Kauf von Einzelfahrkarten.
  • Auch die Angleichung des Abendtarifs an den Tagestarif wäre dringend erforderlich. Es geht nicht an, dass die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs am Abend 25 % mehr kostet als am Tag.
  • Auch ein Jobticket sollte jeder Fahrgast bekommen können. Es ist nicht nachvollziehbar, warum ein Jobticket erst bei einer Abnahme von 5 Tickets in Anspruch genommen werden kann. Es gibt Firmen, die haben keine 5                           
  • Mitarbeiter*innen, es gibt auch Firmen, die haben nur eine Mitarbeiterin oder einen                                                                                                             
  • Mitarbeiter und auch der oder die sollte ein Jobticket bekommen können.
Folgende Maßnahmen wären darüber hinaus wünschenswert – und im Übrigen auch für den Busfahrer und die Busfahrerin eine Erleichterung:
  • das Installieren von Fahrkarten-Automaten an zumindest größeren Haltestellen
  • das Installieren von Fahrkarten-Entwertern im Bus
  • häufigere und längere Öffnungszeiten der Verkaufsstelle von Fahrkarten am Bahnhof
  • die Möglichkeit, alle Fahrkartentypen – auch die hier neu vorgeschlagenen – via Internet zu erwerben

Antrag von Zonta Club

Bekanntmachung der Begleitapp „Wayguard“  für mehr Sicherheit auf dem Nachhauseweg 
Aus diesem Grund hat die AXA Deutschland 2016 die kostenlose Begleitapp „WayGuard“, in Zusammenarbeit mit der Kölner Polizei, entwickelt.  In Landshut ist solch eine Begleitapp leider nicht (ausreichend) bekannt, im Gegensatz zum Netzwerk „Notinsel“. Mit mehr Infomaterial wie Flyer, Aufkleber, Werbung im Bus und Aushänge, haben Mädchen und Frauen die Möglichkeit, sich selbstständig zu informieren und die App zu nutzen. So kann der Nachhauseweg sicher und angstfrei sein.

Antrag von Edith Schmidbauer

Verwendung von Gendersprache in der Verwaltung und auf der Homepage der Stadt Landshut sowie in Schreiben der Verwaltung an Bürgerinnen und Bürger

Begründung: Unsere Sprache ist männlich. Dies wird als „normal“ erachtet. In unserer Sprache wird das männliche Geschlecht repräsentiert, das weibliche bleibt dabei unsichtbar. Gendersprache wird von vielen als umständlich, anstrengend oder schlichtweg als überflüssig empfunden. Als angeblich geschlechtsneutrale Sprache wird das „generische Maskulin“ verwendet. Hier wird das maskuline Nomen bzw. Pronomen verwendet (z. B.  d e r  Bürger, jeder der sich berufen fühlt…) Beim Lesen eines solchen Textes entsteht im Kopf automatisch das Bild eines Mannes. Dies prägt auch unser Denken.

Beispiel: „Denken Sie an einen Politiker, an einen Wissenschaftler, Künstler,  Sportler, Firmengründer … – wer taucht in Ihren Kopf auf? War eine Frau dabei?“ Ein weiteres Beispiel, wie Sprache auf Kinder wirkt: „Die Kinder sollen Polizisten, Ärzte, Richter, Handwerker malen – die Folge ist, sie zeichnen männliche Polizisten, männliche Ärzte….“ Unsere Kinder sind der Grundstein für die nächsten Generationen. Wir wollen aber doch auch Polizistinnen, Therapeutinnen, Feuerwehrfrauen, Pilotinnen, Politikerinnen, Handwerkerinnen, Juristinnen, Detektivinnen, Lokführerinnen…

Als Zeichen der Gleichstellung, aber auch der Wertschätzung ist es wichtig, genannt zu werden. Wenn wir genannt werden, dann fühlen wir uns angesprochen. Wenn wir nur „gemeint“ sind, sind wir unsichtbar. Sprache ist lebendig. Sie verändert sich laufend. Niemand von uns spricht noch wie vor 100 Jahren oder 500 Jahren. Eine geschlechtergerechte Sprache macht Männer, Frauen und intersexuelle Menschen sichtbar. Sie steht für eine offene und gleichberechtigte Gesellschaft. Ich will nicht nur „gemeint“, ich will genannt und angesprochen werden.

Antrag – Antragstellerin ist bekannt

Es wird die Möglichkeit der Aufstellung von mobilen Toiletten („Dixie-Toiletten“) an stark frequentieren Plätzen, wo es sonst keine öffentliche Toilette gibt (z.B. Isarspitz, Hofberg bei den Tiergehegen, Freyung, Eisstadion und nochmals weiter Isaraufwärts, etc.) geprüft.
Begründung: Die Anzahl der öffentlichen Toiletten in Landshut ist leider nicht ausreichend. Gerade in Zeiten von Corona mit geschlossenen Gaststätten, Cafés fällt dies verstärkt auf. Um hier einen Bedarf festzustellen, wäre eine Testphase mit mobilen Toiletten eine Idee, dies wäre zumindest eine Notfall-Lösung.

Die Anträge wurden meist mit „einstimmig angenommen“ abgestimmt.

„Die Stadträtinnen der Stadt Landshut werden die Anträge schnellstmöglich in den Stadtrat einbringen und für die Umsetzung mit aller Kraft einsetzen.“
h j l –
Bilderquelle: h.j.lodermeier


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