„Gerade in der Pflege ist Zeit etwas Kostbares“

Der Hospizverein Landshut e.V. beteiligt sich am Projekt ZiB „Zeitintensive Betreuung 2021-2022“. MdL Helmut Radlmeier war Impulsgeber für die staatliche Förderung.

„Zeit ist etwas Kostbares. Gerade in der Pflege, besonders in der Betreuung von sterbenden Menschen. An der Zeit fehlt es aber meist, vor allem in Seniorenheimen. Das Projekt „ZiB“ will hier gegensteuern“, so Kunibert Herzing, 1. Vorsitzender des Hospizvereins Landshut bei der Auftaktveranstaltung zu ZiB-Zeitintensive Betreuung im Zeughaus an der Wittstraße.

Kunibert Herzing, 1. Vorsitzender des Hospizvereins Landshut
Der Hospizverein Landshut e.V. ist bayernweit einer von 8 Hospizvereinen, die sich am Modellprojekt 2021-2022 beteiligen. Dem Verein ist es gelungen mit vier Heimen in Landshut zu kooperieren und hat dafür 9 Pflegekräfte angestellt, die sich in der Projektzeit ausschließlich um palliativ zu pflegende Bewohner kümmern können. So verbessere sich die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner. Es stärke gleichzeitig auch die Zufriedenheit der Pflegekräfte in ihrem insgesamt doch sehr anstrengenden Berufsalltag. Gefördert wird das Projekt „ZiB“ von der Paula-Kubitschek-Vogel-Stiftung und dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.
Staatsminister Klaus Holetschek vom Bayerischen Ministerium für Gesundheit und Pflege

Der zur Veranstaltung geladene Staatsminister Klaus Holetschek vom Bayerischen Ministerium für Gesundheit und Pflege teilte den anwesenden Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundestag und Landtag, der Geschäftsführerin der PKV-Stiftung, Anne Rademacher, dem Vorsitzenden des Hospizvereins, Kunibert Herzog, sowie allen Mitarbeiterinnen der Pflegeeinrichtungen und des Hospizvereins mit, dass er sehr gerne zu ihnen gekommen sei, um sie persönlich kennen zu lernen. Er sei stolz darauf, mit ihnen den Startschuss für das bayernweite Modellprojekt „Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim“ (ZiB) der Paula-Kubitschek-Vogel-Stiftung zu geben. Gerne fördere die Staatsregierung das Projekt finanziell, denn es scheint besonders sinnvoll zu sein. Einen besonderen Dank sprach diesbezüglich der Staatsminister, MdL Helmut Radlmeier aus. Er war der Impulsgeber für die staatliche Förderung des Hospizvereins Landshut e.V. und vier weiteren Hospizvereinen – Augsburg, Nürnberg, Mühldorf, Zwiesel- Regen – die von dem Engagement Radlmeiers profitieren. „Weil wir wissen wollten, ob ZiB nicht nur sinnvoll zu sein scheint, sondern es auch wirklich ist, ist wissenschaftliche Begleitung des ZiB-Projektes so wichtig“, meint Holetschek. Zusätzlich zum Projekt fördert das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege die Evaluation mit einem Zuschuss in Höhe von rund 90 Prozent der Gesamtkosten von 89.616,07 Euro.

Schon das Ende 2015 in Kraft getretene Hospiz- und Palliativgesetz nimmt die Situation von Menschen am Lebensende in stationären Einrichtungen auf, z. Bsp. wurden Pflegeheime zur Zusammenarbeit mit ambulanten Hospizdiensten verpflichtet, wurde Sterbebegleitung ausdrücklicher Bestandteil des Versorgungsvertrags der sozialen Pflegeversicherung, sollen Hospizkultur und Palliativmedizin in Pflegeeinrichtungen implementiert werden. Ziel sei es, die palliative Versorgung und die Hospizkultur in stationären Pflegeeinrichtungen zu verbessern, hier sei man besonders gefragt. Die Politik müsse für Hospizvereine und Pflegeeinrichtungen als Leistungsbringer, die Rahmenbedingungen schaffen.

Pflege geht uns alle an, so der Staatsminister, denn die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass jeder betroffen sein kann. So muss sich jeder mit dem Thema befassen, ob er will oder nicht. Es kommen immer mehr Menschen in Pflegeeinrichtungen, die sich in einem immer höheren Lebensalter befinden, oft an vielerlei Krankheiten leiden oder an Demenz erkrankt seien. Gerade deswegen nehmen die Anforderungen, die an Pflegekräfte gestellt werden enorm zu. Für viele Menschen sei das Pflegeheim das letzte Zuhause, ist ihr Ort des Lebens und ihr Ort des Sterbens.

Schwerstkranke und sterbende Menschen brauchen Gewissheit, dass sie in ihrer letzten Lebensphase nicht allein sind, liebevoll und ganzheitlich versorgt und begleitet werden. Pflegende wiederum brauchen Gewissheit, dass sie sich den ihnen anvertrauten Menschen ohne Zeitdruck widmen können.

Genau hier setzt das Modellprojekt „Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim – ZiB“ an: Bayernweit kooperieren 8 Hospizvereine mit rund 30 Pflegeeinrichtungen in den kommenden 12 Monaten. Konkret geht es um eine zeitliche Entlastung der Pflegekräfte durch zusätzliche angestellte Palliativfachkräfte, die vom Hospizverein zur Verfügung gestellt werden und wie gesagt mit wissenschaftlicher Begleitung, denn damit soll untersucht werden, wie man durch „ZiB“ die Hospizkultur und Palliativkompetenz in Pflegeeinrichtungen nachhaltig verbessern kann. „Das finde ich großartig, weil wir damit sofort belastbare Zahlen und Fakten bekommen“, erklärte der Staatsminister Holetschek.

Der Bayerische Minister für Gesundheit und Pflege sprach allen, die sich für dieses Projekt engagieren seinen herzlichen Dank aus, trotz der erschwerten Bedingungen während der Corona-Pandemie.

„Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert, denn sie bringen mehr Menschlichkeit in unsere Gesellschaft, dafür höchste Anerkennung und Respekt“, so der Staatsminister Klaus Holetschek.

Anne Rademacher, Geschäftsführerin der Paula-Kubitscheck-Vogel-Stiftung, referierte über die Aktivitäten der Stiftung
Marcus Hecke, Regionalkoordinator der Hospizakademie Nürnberg, ist vor allem die Nähe zu einem sterbenden Menschen wichtig
Die ZiB-Koordinatorin Barbara Kollross (ganz links) bezeichnete ZiB als ihr „Baby“ und wies darauf hin, dass der Mensch in Pflegeheimen am Ende ihres Lebens würdig versorgt wird. Die Harfenistin Susanne Kaiser begleitete musikalisch die Veranstaltung

Nachfrage von DIESUNDDAS: Herr Radlmeier, wie kam es zu dieser Aktion von ihnen in Sachen „ZiB“?

Anfang 2020 besuchte ich den Hospizverein Landshut in seinen neuen Räumlichkeiten, um mich über seine Arbeit zu informieren. Damals wurde mir unter anderem das Projekt Zeitintensive Betreuung der Paula-Kubitscheck-Vogel-Stiftung und der Hospizverein Mühldorf vorgestellt. Ich war sofort begeistert und habe im Nachgang mit Frau Rademacher von der Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung telefoniert, um mehr Details über das Projekt zu erfahren. Daraus entstand bei mir der Wunsch mehr Standorte für dieses Projekt in Bayern zu gewinnen. Natürlich kostet so etwas Geld. Deshalb habe ich im CSU-Arbeitskreis für Gesundheit und Pflege dafür geworben und somit sind dann in den Haushalt 200.000 Euro eingestellt worden, sodass der Freistaat nun den Start an weiteren Standorten unterstützen kann. Ich finde das Ganze eine tolle Sache und danke dem Hospizverein Landshut e.V., dass er das Projekt in Landshut auf die Beine gestellt hat. Ich hoffe sehr, dass es viele, viele Nachahmer findet. „ZiB“ bringt das, was man sich nicht kaufen kann, nämlich Zeit. Gerade am Ende eines Menschenlebens sollte es uns wert sein, sich Zeit für diejenigen zu nehmen, die sich bald von uns verabschieden werden.

DIESUNDDAS: Danke für ihre Ausführungen

– mg/hjl –

Fotos: h.j.lodermeier

weitere Beiträge