„Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde“

Buchvorstellung: Ortsnamen und Mundart von Monsignore Pfarrer Johann Schober und Dr. Bernhard Stör, gewidmet dem großen Förderer der Partnerschaften mit den cimbrischen Gemeinden in Oberitalien, Hans Geiselbrechtinger.

Unter der Überschrift eines Spruchs von Karl Jaspers: „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde“, versammelten sich am 22. Juli 2022 an einem heißen Sommertag in der Gaststätte „G`sellnhaus“ in Vilsbiburg, diverse geladene politische Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen sowie Liebhaberinnen und Liebhaber von Ortsnamen in bairischer Mundart, aus dem ehemaligen Landkreis Vilsbiburg zur Buchvorstellung der Buchautoren Msgr. Pfarrer Johann Schober und Dr. Bernhard Stör. Das Gebiet des Altlandkreises Vilsbiburg, das zwischen Isar und der oberen Rott liegt, umfasst 53.600 Hektar. Dies entspricht etwa der Größe des Bodensees.

„Der Band über Ortsnamen und Mundart im Altlandkreis Vilsbiburg erscheint anlässlich eines Jubiläums. Vor 50 Jahren wurde 1972 der Altlandkreis Vilsbiburg im Rahmen der kommunalen Gebietsreform, fast vollständig in den Großlandkreis Landshut integriert. Der damalige Vilsbiburger Landrat, Hans Geiselbrechtinger, wurde zum Landrat des neuen Großlandkreises Landshut gewählt. Immer um Ausgleich und Integration bemüht, sorgte er für ein harmonisches Zusammenwachsen des Landkreises. Als Landwirt verstand Geiselbrechtinger auch die alte cimbrische Bauernsprache und knüpfte als Vorsitzender des Bayerischen Cimberkuratoriums bis zu seinem viel zu frühen Tod im Jahre 1985, viele persönliche Kontakte mit den Menschen in den cimbrischen Gebieten. Das Bayerische Cimbernkuratorium hat die Herausgabe des kürzlich erschienen oberitalienischen Flur- und Ortsnamenbuches von Prof. Dr. Umberto Patuzzi gefördert und ist dankbar, auch unser Ortsnamenbuch unterstützen zu können. Beide Werke sind geeignet, vergleichende Schlüsse zur Entstehung bis ins 10. Jahrhundert zurückgehende Ortsnamen im bairisch oberitalienischen Sprachraum zu ziehen. Dieses Werk über Geschichte und Mundart des Vilsbiburger Landes ist deshalb auch dem großen Förderer von Partnerschaften mit den cimbrischen Gemeinden in Oberitalien, Hans Geiselbrechtinger, gewidmet“, sind die Worte von Jakob Oßner, dem jetzigen Vorsitzenden des Cimbernkuratoriums in seinem Grußwort im Buch Ortsnamen und Mundart im alten Vilsbiburger Landkreis.

Oßners besonderer Dank galt den Autoren dieses ortsnamen- und mundartkundlichen Bandes, Msgr. Pfarrer Schober aus Adlkofen und Dr. Bernhard Stör aus München, für ihren großartigen Einsatz in vielen ehrenamtlichen und unentgeltlichen Stunden, sowie Dr. Reinhard Bauer für seine wertvollen Beiträge und dem Verband für Orts- und Flurnamenforschung Bayern für die Mitfinanzierung der Erhebung der Mundartformen im Raum Vilsbiburg.

Dr. Bernhard Stör (im Bild) und Monsignore Johann Schober schreiben in ihrem Vorwort des Buches: „Die Schriftstellerin Gertrud Le Fort (1876-1971) hat einmal gesagt, dass alles, was man Vergangenheit nennt, im Grunde nur eine etwas leiser und dunkler gewordene Gegenwart sei. In der Tat wirkt Geschichte in vielfältiger Weise nach und prägt die Gegenwart und beeinflusst auch die Zukunft. Wir sind ein Glied in einer jahrhundertlangen Kette von Generationen. Dies zeigt sich deutlich in der Überlieferung der Ortsnamen, Flurnamen und Gewässernamen.“

Die Heimat an der Großen und Kleinen Vils, an der Bina und an der Rott in ihrer Mundart: Eine Gegend, die wunderbare Naturlandschaften enthält. Ein Stück des Gartens Eden ohnehin in der Gemeinde Gerzen, nämlich der Ort Paradies. Der ursprüngliche Flurname bezeichnet ein eingehegtes fruchtbares Gebiet in romantischer Lage. Der Ortsname Vogelsang (gem. Salksdorf) weist verklärend auf die Klänge der Natur hin. Dr. Bernhard Stör weist weiter auf viele ähnlich gelagerte Orts-Beispiele in der Gegend um Vilsbiburg hin.

Sepp Obermeier, 1. Vorsitzender des Dialektfördervereins Bund Bairische Sprache e.V. meint in seinem Grußwort, dass Mundarten als historische Vorläufer der Standartsprache in ihrem Erscheinungsbild persönlicher, familiärer, ursprünglicher und unmittelbarer sind, als das normierte und in Uniformität erstarrte Sprachkonstrukt, das allgemein als „Hochdeutsch“ bezeichnet wird, sich aber durch die fortschreitende Überfrachtung mit Anglizismen und anderen „Wortaliens“ zusehends selbst demontiert. Die Mundart sei dagegen ein Spiegelbild und lebendiger, klingender Ausdruck der Wesensart einer Landschaft und ihrer Bewohner. Sie bestätigt unverfälscht, mehr als jede amtliche Urkunde, die Zugehörigkeit eines Individuums zu einer Gemeinschaft. Nur die Fähigkeit oder aber das Unvermögen, eine mit dialektalen Auffälligkeiten eines Sprachraums angereicherte Redewendung, ein Sprichwort oder Kennwörter einwandfrei auszusprechen, entscheidet über Zugehörigkeit oder eben Fremdheit des Einzelnen.

            Monsignore Pfarrer Johann Schober als Buchautor bei seinen Ausführungen 

Die Buchautoren Dr. Bernhard Stör und Msgr. Pfarrer Johann Schober bedankten sich sehr herzlich bei Dr. Reinhard Bauer für seine Beiträge zu Naturraum und Geschichte des Untersuchungsgebiets, sowie für die Illustrierung des Buches durch die Beschaffung der historischen Stiche von Michael Wening; dem Cimbernkuratorium und Jakob Oßner, der dem vorliegenden Werk jederzeit fördernd zur Seite stand; Dr. Georg Schwarz, der mit dem historischen Atlas über den Herrschaftsraum Vilsbiburg 1976 die gesellschaftlichen Grundlagen aufgezeigt hat; Dr. Rainer Ostermann für die geduldige Bearbeitung immer wieder neuer Text- und Seitenumbrüche  und Heike Arnold für ihre Unterstützung bei der Drucklegung des Buches.

-hjl-

Die Publikation ist u. a. in der Buchhandlung Koj in Vilsbiburg und „Buch am Markt“ in Velden zum Preis von EUR 20,00 erhältlich.

Bildunterschrift von lins: Dr. Bernard Stör (Buchautor), Heike Arnold (Cimbernkuratorium), Jakob Oßner (1. Vorsitzender Cimbernkuratorium), Msgr. Pfarrer Johann Schober (Buchautor), Sepp Obermeier (1. Vorsitzender des Dialektfördervereins Bund Bairische Sprache e.V.)

 

Fotos: h.j.lodermeier

 

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