Hohe Infektionszahlen fordern staatl. Gesundheitsamt Landshut enorm

Hochbetrieb beim „Contact Tracing Team“ (CTT) Pandemiebekämpfung besonders gefordert – Der lange Kampf gegen die Pandemie

Über 500 Meldungen im Postfach – was für den einzelnen vielleicht mal nach mehreren Wochen Urlaub der Fall ist, trifft beim Sachgebiet Corona-Pandemiebekämpfung über Nacht regelmäßig zu. Denn seit einigen Wochen befindet sich das Corona-Infektionsgeschehen innerhalb der Bevölkerung von Stadt und Landkreis Landshut wieder einmal auf einem sehr hohen Niveau. Das bedeutet Hochbetrieb beim „Contact Tracing Team“ (CTT) – so die offizielle Bezeichnung der Arbeitsgruppe Corona-Pandemie am Gesundheitsamt Landshut am Landratsamt Landshut.

Die Infektionsketten verschwimmen bei einem solch hohen und diffusen Infektionsgeschehen zusehends, und das Virus breitet sich weiter wie ein Lauffeuer aus. Und dennoch: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit vollem Einsatz bei der Arbeit, egal ob an Werktagen oder am Wochenende und an Feiertagen, von frühmorgens bis spät in den Abend.

Mittlerweile ist die Arbeitsgruppe auf über 70 Mitarbeiter angewachsen, auch im letzten Winter angemietete Gebäude in Ergolding ist mittlerweile zu klein geworden. Unter Leitung der studierten Epidemiologin Nathalie Fietze und ihrem Stellvertreter und Hygienekontrolleur Koray Sarikaya, die seit Anbeginn der Pandemie mit an Bord sind, wurde die Arbeitsgruppe organisatorisch auf neue Füße gestellt und wurden die Abläufe professionalisiert und effizient gestaltet. Und das ist dringend nötig: Die Corona-Pandemie zieht sich durch alle Lebensbereiche, ist komplexer denn je. Aus diesem Grund wurden auch weitere Unterstützungskräfte aus anderen Behörden angefordert; auch aus der „Kernverwaltung“ des Landratsamtes wurden Mitarbeiter an das CTT entsandt – ihre Kollegen in den Sachgebieten müssen die Stellung halten und diese Aufgaben mit übernehmen. „Wir versuchen natürlich, dass der Dienstbetrieb fortgeführt wird. Doch wir können nicht an allen Fronten kämpfen, ohne dass es zu Einschnitten kommt. Deshalb bitte ich um Verständnis, dass nicht umgehend alle Anliegen bearbeitet werden können und es deshalb zu Wartezeiten kommen kann. Doch wir müssen in diesen Zeiten unsere Kräfte bündeln, um diese Pandemie eindämmen zu können“, erklärt Landrat Peter Dreier. 

Vom Eingang des positiven Befundes bis hin zur Anordnung der häuslichen Quarantäne bis zum Ende der Isolation ist es ein anspruchsvoller Weg – der mittlerweile in der internen Bearbeitung aber komplett papierfrei und digital gegangen werden kann.

Ein positiver PCR-Befund ist für den Einzelnen ein Schock – im Gesundheitsamt ist es der Startschuss für eine vielschichtige Begleitung des „Indexfalles“. Der Großteil der Befunde geht mittlerweile verpflichtend über eine digitale Meldesoftware ein, in nur noch wenigen Fällen wird das Dokument per Fax übermittelt. Dann wird die Person im Verwaltungssystem „SORMAS“ erfasst. Neben personenbezogenen Daten und der Erreichbarkeiten werden hier einige Zusammenhänge erfasst: Auf großen Tafeln werden mögliche Herde und Infektionshäufungen dargestellt, um diese Ketten besser nachvollziehen zu können. Vom „Team SORMAS“ werden auch die täglichen Meldungen an das Berliner Robert-Koch-Institut, das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) übermittelt, die als Basis für die Ausweisung der 7-Tages-Inzidenzen am Folgetag dienen.

Mehrere hundert Befunde täglich gehen in der Meldesoftware ein – darunter sind aber nicht nur Neuinfektionen und möglicherweise Totenscheine von Betroffenen, sondern auch Befunde zur „Sequenzierung“ der einzelnen Infektionen. Jede Probe wird einer intensiven Prüfung unterzogen, um festzustellen, an welcher der tausenden verschiedenen Ausprägungen des Virenstammes SARS-CoV2 jemand erkrankt ist. So werden auch Infektionen mit den klinisch relevanten Mutationen, wie beispielsweise der mittlerweile vorherrschenden Delta-Variante, aufgedeckt. Dies ist enorm wichtig, wenn besonders infektiöse Ableger des Virus in Umlauf geraten. Ein Beispiel hierfür ist die vieldiskutierte „Omikron“-Variante. Sie wurde in der Region Landshut noch nicht festgestellt. Die Erfahrung zeigt aber: Es wird letztlich nur eine Frage der Zeit sein. 

Der „Index-Fall“ wandert nun eine Station weiter: Zu den Kontakt-Ermittlern. Und hier ist Telefonieren in Dauerschleife angesagt. Aufgrund der momentanen Situation muss sich das Gespräch auf die wesentlichen Punkte beschränken. „Uns ist natürlich bewusst, dass die Menschen viele Fragen haben. Doch wir stellen dann im Nachgang per Mail viele Informationen bereit, die viele Unsicherheiten klären“, schildert die Sachgebietsleiterin Nathalie Fietze.

Neben dem Gesundheitszustand des Betroffenen und möglichen Symptomen fragen die Ermittler verschiedene Punkte ab: Wo könnte er sich angesteckt haben? Mit wem war er vor dem Test in Kontakt, wer könnte womöglich noch infiziert sein? War er bereits vollständig geimpft?

Das Gesundheitsamt spricht im Zuge dieses Telefonats mündlich die häusliche Quarantäne aus: Der Betroffene darf seine Wohnung bzw. Grundstück nicht verlassen, sollte auch den Kontakt zu den weiteren Angehörigen seines Hausstandes so gut es geht reduzieren. In der Regel beträgt die Quarantäne 14 Tage und muss nach Ablauf dieser Zeit durch einen negativen Schnelltest bzw. PCR-Test bestätigt werden. Ein zwischenzeitlich negativer Test beendet niemals die Quarantäne, da dieser stets nur eine Momentaufnahme darstellt. Nur die 14-tägige Quarantäne bietet einen sicheren Schutz, die Infektionskette zu durchbrechen. Eine Ausnahme gibt es für Personen, die sich trotz vollständiger Impfung mit dem Corona-Virus infiziert haben (die sogenannten „Impfdurchbrüche“) und keinerlei Symptome zeigen: Sie können nach sieben Tage die häusliche Isolation verlassen, sofern ihr Test negativ ausfällt.

Die Quarantäne-Anordnung und die Unterlagen zur weiteren Vorgehensweise werden direkt nach dem Telefonat auch noch (in der Regel per E-Mail) übermittelt, damit der Betroffene auch seine Kontaktpersonen informieren bzw. auch den Arbeitgeber über diese Verordnung in Kenntnis setzen kann.

Sollte der Betroffene beispielsweise in einer Schule arbeiten, einen Kindergarten besuchen oder in einem großen Betrieb angestellt sein, kommen die speziellen Ermittlergruppen zum Einsatz: Entweder für Großbetriebe, für Pflegeheime, Kliniken oder für Schulen und Kindergärten. Denn möglicherweise müssen Reihentestungen organisiert und durchgeführt, weitere Quarantäne-Anordnungen oder andere, zielgerichtete Maßnahmen ergriffen werden.  Deshalb appelliert das Gesundheitsamt permanent an die Mitarbeiter und Leiter dieser Einrichtungen, sich unbedingt an Hygienekonzepte zu halten, stets den Mindestabstand zu wahren und Maske zu tragen. So kann die Zahl der Kontaktpersonen besser eingegrenzt werden, womöglich müssen dann deutlich weniger in häusliche Quarantäne überstellt werden und der Betrieb kann weiterlaufen.

Jeder neue positive Befund ist nur die Spitze eines Eisbergs: Pro Infiziertem ist mit etwa zehn Kontaktpersonen (innerhalb der 48 Stunden vor dem Test) zu rechnen: Arbeit, Sportverein, Restaurantbesuch. Diese enorme Anzahl stellt die Contact Tracing Teams vor enorme Herausforderungen. Das Ermitteln aller Kontaktpersonen ist angesichts der schieren Menge seit geraumer Zeit nicht mehr zu bewältigen, die nachweislich Infizierten haben Priorität. Aus diesem Grund ist der Betroffene verpflichtet, seine engen Kontaktpersonen selbst zu informieren. Sollten sie nicht genesen oder geimpft sein bzw. an einschlägigen Symptomen leiden, müssen sie sich selbstständig für mindestens zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben.  Am Tag 10 muss auch bei den Kontaktpersonen ein PCR- oder ein professioneller Schnelltest (POC) durchgeführt werden. Nur bei einer Infektion mit seltenen Varianten wie Beta, Gamma und Omicron müssen alle Kontaktpersonen in Quarantäne, unabhängig vom Impfstatus. Hier gelten dann auch gesonderte Regelungen bzgl. Quarantänedauer und Abschlusstestung. 

Dass die CTTs auch nach den langen, kräftezehrenden Monaten in der Pandemie weiter hoch motiviert sind, davon konnte sich auch Landrat Peter Dreier bei einem Besuch überzeugen. Ein Dauerzustand darf dies dennoch nicht werden. „Wir müssen raus aus dieser Endlosschleife. Wir tragen als Verwaltung natürlich Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie geben seit Monaten ihr Bestes, und doch stehen sie angesichts der sich ständig ändernden Verordnungen und Anweisungen von Bund und Freistaat quasi täglich vor dem Neuanfang. Das können wir nicht ewig so weitermachen“. Für Dreier braucht es deshalb umsichtige, verlässliche und vor allem planbare Vorgaben seitens der überregionalen Politik. „Unsere Mitarbeiter hier im Gesundheitsamt, aber auch im Impfzentrum und Katastrophenschutz leisten wirklich Unglaubliches, um die Pandemie zu bewältigen und die Infektionsketten zu unterbrechen.“

Dem pflichtet die Sachgebietsleiterin Nathalie Fietze bei: „Ich bin meinem tollen Team unendlich dankbar für den unermüdlichen Einsatz, die große Unterstützung untereinander, die Bereitschaft an Wochenenden und Feiertagen trotz vieler Überstunden und für den anhaltenden Teamgeist. Das Büro ist auch dank dieses Teams für uns alle zur zweiten Heimat geworden. Wir hoffen aber dennoch, dass wir bald wieder unter anderen Inzidenz-Bedingungen arbeiten können“.

– C W –
Foto: Gesundheitsamt Landshut

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