Hohe Nachfrage nach Ausweisdokumenten – Stadt Landshut richtet zusätzliche Schalter ein

Bürgerbüro stockt Personal auf und richtet zusätzliche Schalter ein

Dennoch beträgt die Wartezeit auf einen festen Termin weiterhin rund zehn Wochen – Verkürzung der Gültigkeitsdauer von Kinderreisepässen auf ein Jahr verschärft die Lage

Seit dem Frühjahr werden im Bürgerbüro der Stadt Landshut außergewöhnlich viele Ausweisdokumente beantragt. Im März habe die Nachfrage rund 40 Prozent über dem für diesen Monat üblichen Niveau gelegen, sagt Richard Babel, der das zuständige Einwohner- und Standesamt leitet. Die Zahlen für April und Mai sehen ähnlich aus. Insgesamt wurden demnach im vergangenen Vierteljahr durch das Bürgerbüro mehr als 2.200 Personalausweise, rund 1.600 Reisepässe und über 500 Kinderreisepässe neu ausgestellt beziehungsweise verlängert. „Eine solche Antragsflut gab es meines Wissens nach in Landshut noch nie“, so Babel. Die Folge: Wer über das Online-Registrierungssystem einen festen Termin im Bürgerbüro vereinbaren möchte, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen, denn aktuell sind erst für Anfang August wieder Termine frei. „Natürlich ist diese Situation höchst unbefriedigend. Wir können uns bei allen Betroffenen nur aufrichtig entschuldigen“, sagt Oberbürgermeister Alexander Putz. Daher sei verwaltungsintern fieberhaft an einem Lösungskonzept gearbeitet worden, das nun umgesetzt wird: So erhielt das Bürgerbüro kurzfristig zusätzliche Mitarbeiter, die inzwischen die nötigen Schulungen absolviert haben und damit für den Schalterdienst zur Verfügung stehen. „Dadurch erhöhen sich die Kapazitäten im Parteiverkehr erheblich und wir sind zuversichtlich, die Wartefristen bis zum Jahresende endlich signifikant verkürzen zu können“, betont Putz.

Wer dringende Angelegenheiten im Bürgerbüro zu erledigen hat, kann zwar zu den üblichen Öffnungszeiten – also Montag und Dienstag von 7.30 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr, mittwochs von 7.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr sowie Donnerstag und Freitag von 7.30 bis 12 Uhr – auch ohne Terminvereinbarung vorbeikommen. Allerdings müsse vor Ort mit teils mehrstündigen Wartezeiten gerechnet werden, warnt Babel: „Der Andrang ist momentan oft so groß, dass wir manchmal schon um 10 Uhr Leute abweisen müssen, weil dann absehbar ist, dass sie an diesem Tag nicht mehr an die Reihe kommen würden.“ Zurückzuführen sei die bundesweit zu beobachtende Entwicklung wohl nicht zuletzt auf die pandemiebedingten Reisebeschränkungen, die in den vergangenen beiden Jahren galten: „Viele Leute haben deswegen ihren Reisepass oder Personalausweis nicht gebraucht – und daher wohl das jeweilige Ablaufdatum übersehen“, vermutet Babel. „Jetzt, da Reisen wieder problemlos möglich sind und die Urlaubszeit vor der Tür steht, brauchen deshalb viele ganz dringend ein neues Ausweisdokument. Nur so ist die extrem hohe Nachfrage zu erklären.“

Zusätzlich verschärft werde die angespannte Lage allerdings dadurch, dass fest vereinbarte Termine oft einfach ohne Benachrichtigung oder Begründung nicht wahrgenommen werden. „In der Spitze fallen daher bis zu 20 Prozent der Termine aus und können so kurzfristig dann nicht mehr anderweitig vergeben werden“, sagt Babel. „Das ist angesichts des extrem hohen Bedarfs höchst ärgerlich, weil dadurch das ohnehin schon knappe Angebot künstlich noch weiter verringert und die Wartefristen auf diese Weise verlängert werden.“ Auch OB Putz bittet die Bürgerinnen und Bürger daher um Disziplin: „Wenn man einen vereinbarten Termin nicht wahrnehmen kann oder nicht mehr benötigt, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, das Bürgerbüro unverzüglich darüber zu informieren. Nur dann steht dieses Zeitfenster einem anderen zur Verfügung – und verstreicht nicht ungenutzt, weil der Schalterbedienstete letztlich vergeblich auf den eigentlich angekündigten Kunden warten muss.“

Es gibt aber auch einige Probleme, die sich vor Ort nicht lösen lassen. Das gilt einerseits für die Lieferzeiten der Bundesdruckerei, die wegen des deutschlandweit so hohen Bedarfs an Ausweisdokumenten zwischenzeitlich von vier auf fünf bis sechs Wochen gestiegen sind. Andererseits wurde die Gültigkeitsdauer von neu ausgestellten Kinderreisepässen, die in Deutschland generell nur ohne Chip ausgegeben werden, gemäß einer EU-Verordnung drastisch von vormals sechs Jahren auf ein Jahr verkürzt. Diese Vorschrift gilt zwar schon seit Beginn des Jahres 2021, fällt aber wegen der seither über weite Strecken gültigen Reisebeschränkungen erst seit März 2022 voll ins Gewicht. Die Zahlen in Landshut sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen 1. März und 31. Mai 2022 wurden mehr als 500 Kinderreisepässe verlängert oder neu beantragt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet das eine Steigerung um mehr als das Dreifache.

Angesichts der hohen Nachfrage und der langen Wartezeiten empfiehlt Amtsleiter Babel allen Reisewilligen deswegen dringend, rechtzeitig vor Urlaubsantritt die benötigten Ausweisdokumente auf ihre Gültigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls so schnell wie möglich einen neuen Personalausweis oder Reisepass für sich selbst oder die Kinder zu beantragen. „Man sollte dabei unbedingt schon jetzt an die Pläne für die Sommerferien im August und September denken“, so Babel. „Wer sich erst im Juli um diese Angelegenheiten kümmert, wird in diesem Jahr vermutlich leider zu spät dran sein.“

Foto: Archiv DIESUNDDAS/hjl

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