Holetschek spricht mit Großhandel über Arzneimittelknappheit

Bayerns Gesundheitsminister erläutert bayerische Maßnahmen zur Stabilisierung der Lage über Weihnachten – Lauterbachs Eckpunkte werden kurzfristig keine zusätzlichen Fiebersäfte in Apotheken bringen

Angesichts der Engpässe vor allem bei Medikamenten für Kinder hat sich Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Donnerstag bei dem Pharma-Großhändler Sanacorp im oberbayerischen Planegg über die aktuelle Lage informiert. Dabei erläuterte der Minister die Maßnahmen, die Bayern kurzfristig ergriffen hat, um die Lage rund um die Feiertage zu stabilisieren. Zugleich forderte er weitere Nachschärfungen bei den von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vorgestellten Eckpunkten zur Vermeidung von Arzneimittelknappheit.

Holetschek betonte: „Wir brauchen in dieser Lage verlässliche Versorgungswege und einen kurzen Draht zwischen allen Beteiligten. Ärzte, Apotheken und Großhandel arbeiten Hand in Hand, um gerade auch über die Feiertage die notwenigen Medikamente dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Diese Vernetzung läuft schon auf Hochtouren – und ich bin froh, auch heute bei Sanacorp zu hören, dass alles Erdenkliche getan wird, um die Apotheken gerade auch über die Feiertage zu unterstützen.“

Der Minister erläuterte: „Der Großhandel ist das Bindeglied zwischen den Arzneimittelherstellern und den Apotheken vor Ort. Die Sanacorp allein sorgt dafür, dass rund 8.000 Apotheken im gesamten Bundesgebiet mit Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten schnell beliefert werden. Aber auch der Großhandel kann nur das ausliefern, was hergestellt und ihm geliefert wird.“

Dr. Herbert Lang, Vorsitzender des Vorstandes der Sanacorp, betonte: „Ganz egal wo man in Deutschland wohnt, im Fall der Fälle ist man darauf angewiesen, schnell, sicher und zuverlässig die benötigten Arzneimittel zu bekommen. Dafür stehen wir und jede Apotheke vor Ort ein. Eine menschliche Gesundheitsversorgung gibt es dabei nicht zum Nulltarif. Eine gesicherte langfristige Versorgung benötigt sowohl Produktionskapazitäten in Deutschland und Europa, wie auch eine tragfähige Finanzierung der Apotheken.“

Wegen der angespannten Lage auf dem Arzneimittelmarkt hatte Holetschek für Donnerstag auch eine weitere Videoschalte der Pharma-Taskforce angesetzt. Der Minister hatte die bayerische Pharma-Taskforce Ende November gegründet. Ziel ist es, Vorschläge für bessere Rahmenbedingungen zu erarbeiten, um die Arzneimittelversorgung mittel- und langfristig zu stabilisieren. Die Ergebnisse der Taskforce sollen in den kommenden Wochen vorliegen und im Bayerischen Pharmadialog in konkrete Vorschläge an den Bund einfließen.

Holetschek bekräftigte: „Was wir jetzt brauchen, sind Maßnahmen, die schnell wirken – auch über die Weihnachtstage. Bayern hat deswegen folgende Maßnahmen ergriffen:

  1. Der pharmazeutische Großhandel ist gebeten, die Notdienstapotheken über Weihnachten vorrangig zu beliefern.
  2. Die Überprüfung und Beprobung der Herstellung von Medikamenten in den Apotheken wird vorübergehend ausgesetzt.
  3. Augenmaß bei der Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung: Krankenhausapotheken können so zum Beispiel Arzneimittel unbürokratisch an öffentliche Apotheken abgeben.
  4. Die Apotheken können über die Feiertage die Bereitschaftspraxen für Fragen über eine spezielle Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung erreichen.“

Bayerns Gesundheitsminister sieht die Bundesregierung nun weiter in der Pflicht, schnell und pragmatisch zu handeln und vor allem die kürzlich vorgestellten Eckpunkte für eine bessere Arzneimittelversorgung rasch nach zuschärfen. Holetschek warnte: „Wir dürfen uns nichts vormachen: Die Eckpunkte von Herrn Lauterbach werden kurzfristig über Weihnachten keine zusätzlichen Fiebersäfte in die Apotheken bringen. Die Apotheken befürchten ein Mehr an Bürokratie, die Krankenkassen deutliche Preissteigerungen. Die Wirkung bei den Rabattverträgen dürfte bestenfalls langfristig eintreten, weil aktuelle Verträge Laufzeiten bis 2025 haben, wie ich aus dem Pharmabereich höre.“

Holetschek betonte: „Mein Vorschlag ist daher zu prüfen, ob ein Versorgungsmangel festgestellt werden muss. Außerdem sollte Herr Lauterbach zum Beispiel ermöglichen, dass die Apotheken selbst (nicht verschreibungspflichtige) Fiebersäfte auf Vorrat ohne vorliegenden Nachweis häufiger ärztlicher Verschreibungen herstellen können. Dafür muss das Arzneimittelgesetz geändert werden. Außerdem brauchen wir mehr Dialog mit allen Beteiligten im Pharma-Bereich, um die Arzneimittelversorgung unbürokratisch und pragmatisch zu gestalten.“

Foto: h.j.lodermeier

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