Impfstoff von AstraZeneca erstmals wieder im Einsatz

Hoher Beratungsbedarf führt zu langen Warteschlangen

Im Landshuter Impfzentrum erhielten am Montag mehr als 500 Personen ihre Erstimpfung – Einige Impfwillige mussten wegen fehlender Priorisierungsnachweise abgewiesen werden

Vor drei Tagen hat das Bundesgesundheitsministerium „grünes Licht“ für die Wiederaufnahme der Corona-Schutzimpfungen mit dem Vakzin des Herstellers AstraZeneca gegeben. Am Montag wurde der Impfstoff nun auch erstmals wieder im Impfzentrum der Stadt Landshut verabreicht. Mehr als 500 Bürgerinnen und Bürger erhielten heute ihre erste Dosis – mussten dafür jedoch oft ungewohnt lange Wartezeiten in Kauf nehmen. „Viele Menschen sind durch die jüngsten Berichte über mögliche Nebenwirkungen und die zwischenzeitliche Aussetzung der Impfung mit AstraZeneca etwas verunsichert“, sagt Thomas Schindler, Leiter des Impfzentrums. Das schlage sich in einem erhöhten Beratungsbedarf nieder. „Die eigentlich nur kurzen Aufklärungsgespräche, die unsere Ärzte vor der Impfung mit jedem Impfwilligen führen, dauern deswegen im Schnitt fast doppelt so lange als bisher üblich. Dadurch kam es zu den Verzögerungen, die wir sehr bedauern. Wir werden das künftig bei der Terminplanung berücksichtigen.“ Letztlich konnten die Sorgen der Betroffenen in den meisten Fällen ausgeräumt werden, nur ganz vereinzelt wurden Impfungen abgelehnt. „Darüber sind wir sehr erleichtert“, sagt Schindler. „Denn nach allen vorliegenden Erkenntnissen der Wissenschaft sind die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe wirksam und sicher – und sie schützen zuverlässig vor einem schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung.“

Mittlerweile sind die Erstimpfungen der höchst priorisierten Impfwilligen – also vor allem der Über-80-Jährigen sowie von Bewohnern und Personal von Seniorenheimen und Krankenhäusern – in der Stadt Landshut weitestgehend abgeschlossen. „Momentan werden nur noch vereinzelte Nachzügler aus der höchsten Prioritätsgruppe geimpft, die sich erst in den vergangenen Tagen angemeldet haben“, sagt Schindler. Der Schwerpunkt liege nun auf der Prioritätsgruppe 2. Diese umfasst insbesondere Über-70-Jährige, aber unter anderem auch Beschäftige in der Kindertagesbetreuung, Grundschullehrer – und Patienten mit bestimmten, in der Corona-Impfverordnung genau definierten Vorerkrankungen. Insbesondere im Fall einer Online-Anmeldung über das bayerische Impfportal BayIMCO können Impfwillige etwaige Vorerkrankung selbst angeben; die Einstufung in die Prioritätsgruppe erfolgt auf Basis dieser Informationen dann automatisch.

Genau das sorge in der Praxis aber immer wieder für Probleme, erklärt Schindler. Denn: „Manche Patienten geben ihre Vorerkrankung bei der Registrierung – oft unabsichtlich – nicht korrekt ein, werden dann fälschlicherweise höher priorisiert und erhalten dadurch vom Registrierungssystem früher einen Impftermin zugewiesen.“ Viele adipöse Patienten wüssten zum Beispiel nicht, ob ihr BMI nun etwas über 40 oder doch noch knapp unter dieser besonders kritischen Marke liege – trügen aber „auf Verdacht“ den höheren Wert in das Registrierungssystem ein. Mit erheblichen Folgen, denn das System nehme dann ohne weitere Überprüfung die Einstufung in eine höhere Prioritätskategorie vor. Die Kontrolle, ob die Angaben des Impfwilligen tatsächlich richtig waren, erfolgt immer erst im Rahmen des Impftermins, also direkt vor Ort im Impfzentrum. Wer aus medizinischen Gründen Anspruch auf eine Impfung mit Priorität hat, muss dann die zur Priorisierung führende Vorerkrankung nachweisen können.

Dafür sei in aller Regel ein entsprechendes Attest des Haus- oder Facharztes nötig, sagt Schindler. „Wer ein solches ärztliches Zeugnis nicht vorlegen kann, den dürfen wir aufgrund der geltenden Corona-Impfverordnung und der dort verbindlich festgelegten Priorisierungen noch nicht impfen.“ Das bedeutet: „Wir müssen die Betroffenen leider wieder nach Hause schicken und auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten.“ Deshalb rät Schindler Bürgern, bei denen aufgrund einer Vorerkrankung die Voraussetzungen für eine priorisierte Corona-Schutzimpfung erfüllt sein könnten, vor der Impfanmeldung Rücksprache mit dem Hausarzt zu halten. „Mediziner wissen, welche Priorisierungsstufe für ihre Patienten korrekt ist und können dann auch das zur Vorlage im Impfzentrum benötigte Attest ausstellen.“

Bis alle Impfwilligen aus Prioritätsgruppe 2 ein Impfangebot erhalten haben, dürfte es in der Stadt Landshut bis voraussichtlich Mitte April dauern, schätzt Schindler. „Voraussetzung ist, dass die von Bund und Ländern für die Zeit bis Ende April prognostizierten Impfstoff-Liefermengen tatsächlich eingehalten werden und es auch sonst keine unvorhersehbaren Schwierigkeiten in der Impfkampagne gibt.“ – JV –

Bildquelle: Stadt Landshut

weitere Beiträge