Inklusion in allen Lebenslagen

Landrat Peter Dreier informierte sich über das Palliativ-Projekt „Deaf Pal“

Gehörlose Menschen haben im Leben mit vielen Herausforderungen zu kämpfen: Eingeschränkter Informationsfluss, Bildungsunterschiede aufgrund verschiedener Zugänge, gesellschaftliche Isolation durch eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten. Kommt dann noch eine schwere medizinische Diagnose hinzu, ist besondere Unterstützung gefragt. Bei „Deaf Pal“, zu Deutsch: „gehörloser Freund“, steht die Betreuung gehörloser Menschen auf ihrem letzten Lebensweg im Mittelpunkt. Dieses Forschungsprojekt wird derzeit auf der Palliativstation des LAKUMED Krankenhauses Landshut-Achdorf gemeinsam mit der Hochschule Landshut etabliert. Mit großem Interesse hat sich Landrat Peter Dreier beim betreuenden Palliativmediziner Wolfgang Sandtner über dieses Konzept informiert.

In Prof. Uta Benner hat Sandtner eine Mitstreiterin gefunden, mit der er seine bisherige Arbeit auf wissenschaftlichem Niveau weiterentwickeln kann, gefördert vom Bayerischen Wissenschaftsministerium. Benner ist Professorin für Gebärdensprachdolmetschen und Studiendekanin der Fakultät für Interdisziplinäre Studien an der Hochschule Landshut.

In dem mehrjährigen Forschungsprojekt erarbeiten Sandtner und Benner praxisnah Schulungsmodelle und Materialien, um gehörlose Menschen, die unheilbar erkrankt sind, auf ihrem letzten Weg begleiten zu können. „Wir wollen den Mitarbeitern auf der Palliativstation einige Mittel und Anregungen auf den Weg geben, wie sie auf die gehörlosen Patienten eingehen können, ihnen zu vermitteln, dass sie wahrgenommen und verstanden werden“, erklärt Sandtner, der als Oberarzt bereits seit vielen Jahren in der Palliativ-Behandlung schwerkranker Patienten tätig ist und selbst intensive Erfahrungen in der Arbeit mit Gehörlosen hat.

Gebärdensprachdolmetschen ist ein anerkannter Studiengang und kann auch an der Hochschule Landshut studiert werden, der einzige Studienstandort in Süddeutschland. Natürlich entwickeln die Dolmetscher im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit eine bestimmte Präferenz für verschiedene Themenbereiche, wie rechtliche oder soziale Beratung. Eine Spezialisierung im engeren Sinne gibt es hingegen nicht. Auch wenn Dolmetscher häufig im medizinischen Bereich zum Einsatz kommen, so wurde der Begleitung gehörloser Menschen auf ihrem letzten Lebensweg bisher wenig Beachtung geschenkt, was mit „Deaf Pal“ nun der Vergangenheit angehören soll. „In einem solch existenziellen Lebensbereich müssen wir die Gehörlosen bestmöglich betreuen und mitnehmen“, beschreibt Sandtner das Ziel von Deaf Pal. 

Das größte Lob, das er bislang erhalten hat, war von der Tochter einer gehörlosen Patientin, die vor ihrem Tod im Palliativ-Bereich von Sandtner betreut wurde: „Die Mutter gab zu verstehen, dass sie sich in ihrem Leben kaum so akzeptiert und vertreten gefühlt habe, wie während ihrer Zeit der palliativen Betreuung.“

Dreier bedankte sich herzlich für die Informationen zu diesem wegweisenden Projekt: „Inklusion ist in aller Munde. Deaf Pal zeigt aber, dass sich diese gesellschaftliche Teilhabe aller nicht nur auf den Schul- und Bildungsbereich konzentrieren darf, sondern wirklich in allen Lebenslagen stattfinden muss. Deshalb bin ich dankbar für solche Initiativen, um so wichtigen Themen eine Plattform zu bieten.“

Bildunterschrift: Oberarzt Wolfgang Sandtner und Landrat Peter Dreier tauschten sich zu „Deaf Pal“ aus, einem Inklusions-Forschungsprojekt zur Begleitung Gehörloser auf ihrem letzten Weg.  – CW –

Bildquelle: C. Weinzierl

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