Keine Abschiebungen nach Sierra Leone

Seit dem 18. Oktober protestieren Geflüchtete aus Sierra Leone in München Tag und Nacht in Eiseskälte gegen Abschiebungen und die Anhörungen einer sierraleonischen Botschaftsdelegation.

Die Anhörungen, die in der Zentralen Ausländerbehörde in München stattgefunden haben, sind zwar inzwischen beendet. Die Einladungen zu den Anhörungen haben bei den Betroffenen je[1]doch zu großer Unsicherheit und Angst geführt. Denn eine Konsequenz der An[1]hörungen können baldige Abschiebungen sein – vor denen sie nun seit mehr als einem Monat nicht mehr sicher sind.

Viele der Betroffenen leben seit über 5 und bis zu 17 Jahren in Bayern und in München, sie gingen zur Schule, hatten Arbeitsstellen, waren in Fußballvereinen aktiv, ihre Kinder besuchen Schulen und Kindergärten. München und Bayern ist ihr Zu Hause. Die sierra leonischen Geflüchteten wollen ihr Leben hier in Deutschland in Sicherheit weiterführen. Sie möchten ihre Arbeit aufnehmen dürfen und Teil der Gesellschaft sein können.

Eine Rückkehr nach Sierra Leone ist für sie nicht sicher. Sierra Leone ist nicht sicher. Sie sind aus dem Land aus unterschiedlichen Gründen geflohen, durch die Wüste und über das Mittelmeer. Jahre nach dieser traumatischen Erfahrung sind ihre Leben nun ein weiteres Mal in Gefahr. In Sierra Leone haben sie keine Zukunft. Der Präsident von Sierra Leone hat den Protestieren[1]den nach ihrer Rückkehr mit Strafen gedroht.

Mit einer Demonstration wollen die betroffenen sierraleonischen Geflüchteten ein weiteres Mal auf ihre Situation aufmerksam machen und appellieren an alle verantwortlichen Stellen und an die neue Bundesregierung: Bitte erkennen Sie die humanitäre Notsituation an und stoppen Sie geplante Abschiebungen nach Sierra Leone! Zusammen mit solidarischen Akteuren der Münchener Zivilgesellschaft fordern sie Schutz und die Achtung der Menschenrechte.

Keine Abschiebungen nach Si[1]erra Leone: Sierra Leone ist nicht sicher. Wir fordern alle verantwortlichen Behörden und Regierungsstellen dazu auf, alle geplanten Abschiebungen nach Sierra Leone zu stoppen.

Keine Botschaftsanhörungen:

Die Praxis von Botschaftsanhörungen zur Identitätsfeststellung ist höchst intransparent und im Kern rassistisch. Wir fordern die neue Bundesregierung

dazu auf, sich von solchen Anhörungen zu distanzieren. Weiterhin fordern wir eine Offenlegung der Ergebnisse bilateraler Verhandlungen sowie finanzieller Aufwendungen, die solche Anhörungen erst möglich machen.

City-Asyl in München:

Wir fordern die Stadt München dazu auf, alles dafür zu tun, um lokalen Schutz gegen Abschiebungen zu garantieren.

Bleiberecht:

Nach so langer Zeit hier, fordern wir ein Aufenthaltsrecht, das Sicherheit gibt und den ungewissen Status von Ablehnungen und der sogenannten Duldung beendet.

Gesellschaft sein:

Wir möchten unsere Arbeit aufnehmen und für unseren Lebensunterhalt eigenständig sorgen.

Keine Sanktionen:

Die Ausübung unseres Grundrechts auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit darf keine negativen Auswirkungen auf unseren Aufenthaltsstatus nach sich ziehen. Wir fordern eine sanktionsfreie Rückkehr in unsere kommunalen Unterkünfte.

Grafik: Verdi

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