Landshuter Stadtwerke-Chef Bardelle: „Haltet die Bohrlöcher offen“

Sebastian Stanglmaier, Bürgermeister der Gemeinde Altdorf strebt eine Kooperation in Sachen Geothermie mit der Stadt Landshut an.

Auf dem Gebiet des Marktes Altdorf wurden zur Erkundung einer Nutzung der Erdwärme (Geothermie) zwei Tiefenbohrungen vorgenommen, ohne dass sich bisher eine kommerzielle Nachnutzung realisieren ließ.

In einem Schreiben des Altdorfer Bürgermeisters an den Leiter des Amtes für Umwelt-, Klima- und Naturschutz der Stadt Landshut, Thomas Rottenwallner, wies dieser darauf hin, dass der Markt Altdorf beabsichtigt, seine beiden Geothermie-Bohrungen der TU München zu Forschungszwecken zur Verfügung zu stellen. Damit die TU München Fördermittel für dieses Projekt erhalten kann, muss ein Konzept für eine gewerbliche Nachnutzung vorliegen. Nur so können die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt weiterverwendet werden. Ohne Forschungstätigkeit und ohne wirtschaftliche Nutzung der Bohrungen sind diese nach Erlöschen der aktuellen bergrechtlichen Genehmigung (gültig bist 2024) zu verfüllen. Damit wären die Bohrungen unwiederbringlich einer Nutzung entzogen.

Für eine wirtschaftliche Umsetzung des Projektes wären größere Mengen von Wärmeabnehmer notwendig. Aus diesem Grund fanden schon mehrere Gespräche mit der Stadt Landshut im Hinblick auf eine Kooperation zur Entwicklung gemeinsamer Nutzungspotentiale statt.

Durch zukünftige Technologiesprünge könnten möglicherweise solche Projekte in den nächsten Jahren eine wirtschaftliche Wärmeversorgungslösung darstellen. Neben den Liegenschaften des Marktes Altdorf wurde von der Marktgemeinde angedacht, ob nicht auch Liegenschaften der Stadt Landshut mit Fernwärme versorgt werden könnten.

Die Gemeinde Altdorf wäre bereit, für die Potenzialentwicklung einen Letter of Intent mit der Stadt Landshut einzugehen, der die weitere Zusammenarbeit regelt.

Aufgefordert von 2. Bürgermeister Dr. Haslinger zu diesem Vorgang seine Meinung abzugeben, ging Armin Bardelle, der Leiter der Stadtwerke Landshut, sofort ein. Bardelle nahm mit Erstaunen zur Kenntnis, dass der Beschlussvorschlag Punkt 3 ergänzt wurde. Bardelle führte den Mitgliedern des Gremiums noch einmal vor Augen, vor allem denjenigen, die schon im letzten Stadtrat der letzten Legislaturperiode dabei waren, dass das Ganze bereits geprüft worden sei, ob eine Kooperation in Verbindung mit dem Hallenbadneubau möglich wäre. Dass man nun den Vorschlag noch einmal prüfen solle, so meinte der Stadtwerke-Chef, dazu wäre der Technologiesprung von 2018 bis heute noch nicht groß genug gewesen. Der Gedanke zur Nutzung der geothermalen Nutzung des Hallenbades am Standort in der Dammstraße, sei mit eigenen Bohrungen im Stadtpark und stromaufwärts der Isar in etwa 1 Kilometer Entfernung schon untersucht worden. Gescheitert sei das Vorhaben daran, dass durch die technisch betriebswirtschaftliche Verflechtung der fiskalischen Aufgabenstellung der Verlust des Stadtbades steuermindernd anerkannt wird. In aktueller Situation sei nicht erkennbar, dass sich hierfür etwas ändern würde.  Armin Bardelle bat, den dritten Punkt des Beschlussvorschlages zu ändern, weil der Punkt bereits abgearbeitet wurde. Über eine Anschlussnutzung könne man, und da war sich Armin Bardelle mit dem Leiter des Amtes für Umwelt, Klima und Naturschutz, Thomas Rottenwallner einig, erst wieder nach 10 bis fünfzehn Jahren nachdenken. Eine Herausforderung für die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Altdorf, sei die lokale Nutzung der Geothermie. Hier sei noch nicht ganz klar, wie das in Zusammenhang mit den Forschungsarbeiten funktionieren soll. Dazu meinte der Stadtwerke-Chef: „Ich bin gespannt auf die Gespräche“.

Herr Bardelle wies weiter auf die Entfernung der Verbindung von den Bohrungen in Altdorf zur Stadtmitte (Stadtbad) hin. Es handelt sich dabei um die Entfernung von ca. 3,8 km. Wenn man die Kosten von 1000 bis 1400 Euro pro laufenden Meter veranschlagt, würde das eine sehr lange Amortisationszeit hervorrufen.

Armin Bardelle fand es sehr schade, dass die Erkenntnisse, die keine drei Jahre alt seien, auf Initiative von Stadtrat Schnur bei der Suche nach einem Standort für das Hallenbad eingeflossen seien, noch einmal untersucht werden sollen. „Wir machen aber das gerne noch einmal“, so der Chef der Stadtwerke Landshut.

Stadträtin Elke März-Granda versteht nicht, dass der Gesetzgeber in eine Energieform, die dauerhaft und kostenlos zur Verfügung steht fiskalisch nicht besser unterstützt, noch dazu wo dadurch fossile Brennstoffe eingespart werden können.

Diverse Fragen von den Stadträtinnen und Stadträten ergingen an Bardelle, in denen sich herauskristallisierte und er folgende Feststellung machte: „Ich glaube schon und dafür würde ich auch plädieren, unabhängig ob eine Versorgung auf dem Stadtgebiet einen Nutzen davon hat, dass die Geothermie in zehn oder fünfzehn Jahren durchaus interessant ist und es wäre schon schade, diese Bohrlöcher zu verfüllen. Ich würde es schon begrüßen, wenn die Genehmigungsbehörde darüber nachdenkt in einer veränderten politischen Lage, wo Klima und Naturschutz großgeschrieben und gesetzlich untermauert wird, von der Verfüllung dieser Bohrlöcher abzusehen. Das müsste ein Handlungsstrang sein, der sehr wichtig und nach meiner Auffassung auch energiewirtschaftlich gesehen, sehr wichtig ist.“

Von und Bildquelle: h.j.lodermeier

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