„Man könnte fast den Eindruck gewinnen, in Landshut gäbe es keine alten Menschen“, so Franz Wölfl, der Vorsitzende des Seniorenbeirates.

Absolutes Neuland: Seniorenbeirat erstmals online

Coronabedingt tagte der Landshuter Seniorenbeirat in seiner 30jährigen Geschichte vergangene Woche erstmals online. Hierzu erklärte Traudl Nuhn, die stellvertretende Vorsitzende: „Das war für uns absolutes Neuland. Ich war sehr erfreut, wie aufgeschlossen unsere Mitglieder dieses Angebot angenommen haben, und wie gut die Videokonferenz funktionierte. Bedenkt man, dass die Entscheidung, unsere Sitzung via Bildschirm stattfinden zu lassen, knappe 24 Stunden vor Sitzungsbeginn gefallen ist, dann kann ich nur sagen: chapeau!“.

Digitaler und demographischer Wandel müssten zusammen gedacht werden. Auf Grund der demographischen Entwicklung werde der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen. Das gelte auch für Landshut. Für die älteren Menschen bieteder Zugang zu digitalen Angeboten und die Kompetenz zu ihrer Nutzung besondere Chancen für mehr Teilhabe, Lebensqualität und Sicherheit. Digitalisierung unterstütze daher ein selbstbestimmtes Leben im Alter. „Digitalisierung stellt auch für die Älteren keine unüberwindbare Hürde dar.

Voraussetzung ist aber, dass man sich traut“, ergänzte Traudl Nuhn. In seiner Sitzung beschloss der Seniorenbeirat einstimmig einen Antrag aus der Mitte seiner Mitglieder, mit dem der Stadtrat gebeten wird, das Seniorenpolitische Gesamtkonzept aus dem Jahre 2013 zu aktualisieren und weiterzuentwickeln. Das dem Konzept zu Grunde liegende Zahlenmaterial sei teilweise veraltet. Auch fehle es an Maßnahmen zur Vermeidung von Einsamkeit im Alter sowie zur Sicherung der digitalen Grundversorgung älterer Menschen. Obwohl das Seniorenpolitische Gesamtkonzept Grundlage für ein altengerechtes Landshut ist, sei das rund 230 Seiten umfassende Werk in der Stadtverwaltung kaum bekannt. „Man könnte fast den Eindruck gewinnen, in Landshut gäbe es keine alten Menschen“, so Franz Wölfl, der Vorsitzende des Seniorenbeirates. Ein unrühmliches Beispiel hierfür sei die Beratungsunterlage zu der zukünftigen Ausrichtung der Stadtentwicklung, über die im letzten Stadtratsplenum beraten wurde. In dieser Beratungsunterlage würde auf 14 Konzepte und Unterlagen Bezug genommen, die für die Stadtentwicklung von Bedeutung seien. Der Masterplan für eine altengerechte Stadt Landshut wird dagegen in dem dreiseitigen Vermerk mit keiner Silbe erwähnt, so Wölfl weiter. Der Seniorenbeirat befasste sich des Weiteren mit der Einführung des Projektes „Fifty-Fifty-Mobil“ (Antrag Stadtrat Rudolf Schnur für die Fraktion CSU/LM/JL/BfL). Der Seniorenbeirat begrüßt dieses Projekt für ältere und behinderte Menschen. Die Vergabe der Werteschecks (bis zu 60 Euro monatlich) zur Einlösung bei Taxi- und Mietwagenunternehmen sollte jedoch an bestimmte, im Detail von der Verwaltung noch zu erarbeitende Voraussetzungen geknüpft werden, wie beispielsweise die Rückgabe des Führerscheins oder an bedürftige Personen, die in Stadtteilen wohnen, die vom ÖPNV unzureichend bedient werden.

Abgerundet wurde die Sitzung durch einen ausführlichen Bericht des Verwalters der Heiliggeistspitalstiftung Dieter Groß über die Besuchsregelungen im Magdalenenheim und im Hl. Geistspital. Außerdem nahm Herr Groß Stellung zur Problematik des allgemeinen Fachkräftemangels und zum Einsatz von Pflegerobotern. Es sei sehr erfreulich, dass beim Einsatz von Pflegerobotern Stiftungsverwaltung und Seniorenbeirat einer Meinung seien: Technische Assistenzsysteme dürfen in der Pflege immer nur unterstützend, niemals aber ersetzend eingesetzt werden. Pflege ist die Interaktion von Mensch zu Mensch – und das vermag auch der beste Roboter nicht zu leisten. , so Wölfl abschließend.

Foto: Archiv DIESUNDDAS/hjl

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