Mehr als eine Vision!  

Dank ausgewählter Technik älteren Menschen ein langes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen

Auf Initiative von Seniorenbeiratsmitglied Edeltraud Nuhn unternahm kürzlich eine fünfköpfige Delegation der Landshuter Seniorenvertretung eine Studienfahrt, um sich in einem Musterhaus auf dem Gelände der Firma Wolf Systeme GmbH in Osterhofen aus erster Hand über ein vielversprechendes Projekt der Technischen Hochschule Deggendorf informieren zu lassen. Das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geförderte Forschungsprojekt „DeinHaus 4.0 – Länger Leben Zuhause“ greift den Wunsch vieler älterer Menschen auf, möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. In das Vorhaben eingebunden sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der THD aus den Disziplinen Gesundheit, Pflege, Technik und Akzeptanz. Das bis 2024 befristete Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Betroffenen für neue Technologien zu sensibilisieren und Berührungsängste abzubauen, über die eigene Gesundheit besser Bescheid zu wissen und schließlich die Vernetzung der Gesundheitssysteme voranzubringen.

Vom zuständigen Laboringenieur Alexander Pflieger von der Fakultät „Angewandte Gesundheitswissenschaften“ erfuhr die Abordnung des Landshuter Seniorenbeirats, dass ein Projektteam technisch-digital gestützte Lösungen erforscht, die im Wohnumfeld unterstützen und derzeit in drei verschiedenen Mustereinrichtungen der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dazu wurden zum Studienstart im Jahr 2021 in 75 niederbayerischen Haushalten auf die Dauer von neun Monaten ein Technik-Set, bestehend aus einer Sammlung überwiegend passiver Sensoren zu den Themen Gesundheit und Sicherheit im Alter verbaut. Die Forschenden erhoffen sich davon, im Live-Betrieb weitere Erkenntnisse über Chancen und etwaige Barrieren bei der Nutzung zu erhalten. Hierzu zählen Wasser-, Fenster- und Türsensoren ebenso wie eine digitale Uhr, welche Puls, Atemfrequenz usw. aufzeichnen kann. Sämtliche im jeweiligen Haus verbauten Hilfsmittel, – sei es ein Sprachassistent, smarter Rauchmelder oder intelligenter Tablettenspender, eine mit einem Bewegungsmelder ausgestattete Lichtleiste an der Treppe, eine Schlafmatte oder eine Herdabschaltung -, senden ihre Daten an eine Basisstation, die auch über einen Notfallknopf verfügt und bei Bedarf schnell die Notruf-Zentrale informiert werden kann.

Alexander Pflieger, M.Sc., wies zum Abschluss seines rund 90minütigen Vortrages darauf hin, dass schon vor der wissenschaftlichen Auswertung der umfangreichen Datensammlung festgestellt werden kann, dass „DeinHaus 4.0“ bestens geeignet ist, Berührungsängste und Vorbehalte vor neuen Techniken abzubauen und die Akzeptanz für digitale Assistenzen in der Bevölkerung zu verbessern.

Der Seniorenbeirat der Stadt Landshut befasst sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie ältere Menschen möglichst lange in der gewohnten Umgebung bleiben können. Erfahrungsgemäß wurden jedoch die meisten Wohnungen und Häuser hierzulande nicht für ein Leben im Alter oder mit körperlicher Beeinträchtigung geplant. Aufgrund des demographischen Wandels und der damit einhergehenden Zunahme der älteren Bevölkerung wird die Anzahl der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen zukünftig weiter ansteigen, was aber nach neuesten Erkenntnissen für die Betroffenen nicht zwingend einen Umzug bedeuten muss. Weil Barrierefreiheit und die Verminderung von Gefahrenquellen dabei eine wichtige Rolle spielen, wurde nicht zuletzt auf Initiative des Seniorenbeirats vor wenigen Monaten im Rathaus 2 der Stadt Landshut eine Beratungsstelle zur alters- und behindertengerechten Wohnraumgestaltung installiert.

Franz Wölfl, 1. Vorsitzender des Seniorenbeirats, will nun auch die in Osterhofen gewonnenen, wertvollen Erkenntnisse im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung thematisieren und in einer der nächsten „Landshuter Stadtgespräche“ aufzeigen, welche Möglichkeiten bestehen, bei Pflegebedürftigkeit, Krankheit oder zur Prävention die richtigen Hilfsmittel sinnvoll und situationsgerecht einzusetzen.

Die Vertreterinnen und Vertreter des Seniorenbeirats der Stadt Landshut zeigten sich nach ihrem Osterhofen-Besuch überzeugt davon, dass das Forschungsprojekt „DeinHaus 4.0“ der Technischen Hochschule Deggendorf einen wertvollen Beitrag dazu leisten kann, dass ältere Menschen dank modernster digitaler Technik schon bald länger in ihrer vertrauten Umgebung leben können.

Autorin:
Edeltraud Nuhn
Bildtext: Das Foto zeigt den Vertreter der THD und die teilnehmenden Mitglieder des Seniorenbeirats der Stadt Landshut im Musterhaus Osterhofen (von links nach rechts) Jürgen Handschuch, Franz Wölfl, 1. Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt Landshut, Birgit Würfel, Ute Hentschel, Edeltraud Nuhn und Alexander Pflieger von der Technischen Hochschule Deggendorf

 

weitere Beiträge