Mehr Beratungsangebote für queere Menschen in Niederbayern

SPD-Abgeordnete besuchen Beratungsstelle für queere Menschen

„Up 2 you“, also: „Du entscheidest!“ heißt die erste Beratungsstelle für queere Menschen in Niederbayern. Im Rahmen ihrer „Sozialtour“ besuchte die Vorsitzende des sozialpolitischen Ausschusses im Bayerischen Landtag und queerpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Doris Rauscher, MdL aus Ebersberg gemeinsam mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der BayernSPD-Landtagsfraktion Ruth Müller, MdL die Beratungsstelle in der Landshuter Altstadt.

Die beiden Abgeordneten informierten sich bei der Projektleiterin (Einrichtungsleitung ist Thoralf Fricke, daher die Unterscheidung) Jasmin Faulstich über ihre aktuelle Arbeit und darüber welche Bilanz man ein knappes Jahr nach der nach der Eröffnung der Beratungsstelle ziehen könne. Faulstich ist Gründungsmitglied des Vereins Queer in Niederbayern und ausgebildete Sozialarbeiterin.

Egal ob per Telefon, Email oder in persönlichen Gesprächen „Up 2 you“ berät jeden, der Rat sucht. Zum Beispiel Lesben, Schwule, bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche Menschen, aber auch deren Angehörige.

„Das nach wie vor größte Problem ist die Diskriminierung, die queere Jugendliche, Erwachsene und Senioren erfahren. Sie stehen vor Herausforderungen, die andere Menschen nicht erleben“, beschreibt Faulstich ihre Arbeit. Es gibt Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, die in einem queer-feindlichen oder homophoben Umfeld aufwachsen und sich niemandem anvertrauen können. Jeder Jugendliche, der in der Schule geoutet ist, hat schon mindestens einmal Erfahrungen mit Hass, Gewalt oder Diskriminierung gemacht. „Erst durch diese Erfahrungen kommt es zu einem Beratungsbedarf. Psychische Probleme, aber auch Probleme bei der Identitätsfindung sind die Folge. Deshalb ist der momentane Beratungsbedarf bei Jugendlichen sehr hoch“, weiß auch Doris Rauscher, MdL aus ihrer Arbeit im Landtag.

Noch schlimmer trifft es oft Trans*menschen. Viele Betroffene leiden neben den beschriebenen Problemen auch unter dem Transsexuellengesetz, das beispielsweise die Namensänderungen erschwert. Menschen, die schon seit Jahren in einer anderen Geschlechterrolle leben, müssen immer noch offiziell ihren „toten Namen“ tragen und sind jedes Mal damit konfrontiert, wenn sie ihren Ausweis vorzeigen müssen. „Eine Personenstands-Änderung kostet bis zu 3.500 Euro und ist somit für viele Betroffenen schwer möglich. Das sorgt für viel Trauer und Wut“, erklärt die Projektleiterin der Beratungsstelle.

Um auf die Sorgen und Nöte queerer Menschen aufmerksam zu machen, wurde in Landshut ein Runder Tisch organisiert, der einmal im Quartal stattfindet und sehr wird gut angenommen wird.

„Up 2 you“ wird staatlich gefördert und betrieben von den Vereinen „pro familia Niederbayern“ und „Queer in Niederbayern“. Wegen der hohen Nachfrage wollen Faulstich und ihr Team gerne wachsen und expandieren. Mit der jetzigen Personalausstattung von einer halben Fachkraftstelle und einer Verwaltungsfachkraft in Teilzeit kann der Beratungsbedarf in ganz Niederbayern nicht abgedeckt werden. Die staatlichen Fördergelder würden momentan nur eine Planungssicherheit für neun Monate erlauben, bedauert Faulstich.

Als queerpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion betont Rauscher, dass es bei queeren Beratungsangeboten in Bayern noch deutlich Luft nach oben gebe: „Zu Diversität gehört auch, dass Menschen unterschiedlicher geschlechtlicher Identität oder sexueller Orientierung ebenfalls umfassend Akzeptanz erfahren. Momentan werden aus dem Fördertopf des Sozialministeriums bayernweit drei Beratungsstellen finanziert. Das ist zu wenig. Vor allem auf dem Land brauchen wir mehr Beratungsangebote für queere Menschen.“

„Zur professionellen Unterstützung und Beratung von queeren Menschen und ihren Angehörigen fordern wir von der SPD flächendeckend niedrigschwellige spezialisierte Anlauf- und Beratungsstellen. Die Finanzierung muss der Freistaat übernehmen. Allgemeine Beratungsstellen müssen entsprechend fortgebildet und für die verschiedenen Lebenslagen sensibilisiert werden“, ergänzt Müller.

Foto: Thomas Gärtner

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