Nachbarschaft: Ein Wort mit Leben erfüllen

Senioren-Beauftragte Bertram baut landkreis-weites Netzwerk von Initiativen auf

Landkreis. Die sogenannten „kleinen Dinge des Lebens“ stellen in einer alternden Gesellschaft immer mehr Menschen vor große Probleme: Einkäufe und Behördengänge, die Fahrt zum Arzt oder die Pflege des Grabes des verstorbenen Ehegatten – wenn da nicht eine Tochter, Sohn oder Enkel in der Nähe wohnen, sind alte Leute oft, sagen wir es auf Deutsch: aufgeschmissen. In diese Bresche springen die Nachbarschaftshilfen – Zusammenschlüsse von ehrenamtlich tätigen Helfern aus der Bürgerschaft.

Im Landkreis Landshut gibt es mittlerweile in zehn der 35 Gemeinden sehr aktive Vereinigungen, deren Helfer unbürokratisch, ehrenamtlich und damit auch in der Regel kostenlos Nachbarschaftshilfe leisten – und übrigens recht pfiffige Namen tragen: NeNa– Nette Nachbarn – Ergolding nennt sich zum Beispiel die Initiative in der Marktgemeinde in der Landkreismitte. Die Geisenhausener greifen zu einem Wortspiel aus der Schatztruhe des einheimischen Dialekts: GeNaHi – Geisenhausener Nachbarschafts-Hilfe, ein Kürzel, das altbairisch ausgesprochen, eine nette Aufforderung ist.

Gemeinsam geht das meiste besser – und es spornt auch an, wenn man sieht, dass andere am selben Strang ziehen: Aus diesem Grund knüpft die Sozialpädagogin Janine Bertram, die Senioren-Beauftragte des Landkreises Landshut, ein den ganzen Landkreis überspannendes Beziehungsnetz unter den Nachbarschafts-Hilfen – von Neufahrn bis Bodenkirchen.

Weitere Initiativen vor der Gründung

Bertram veranstaltet, gemeinsam mit Diakon Hanno Buchner (Ergolding), seit einiger Zeit Treffen im Landratsamt, auf denen aktive Nachbarschaftshelfer wertvolle Informationen für ihre Arbeit erhalten. Im Mittelpunkt steht dabei, dass sich die Aktiven der bestehenden Nachbarschaftshilfen kennenlernen und Erfahrungen austauschen. Auf dem Programm steht aber auch jedes Mal ein Fachvortrag einer Spezialistin oder eines Spezialisten.

Zugleich lädt Janine Bertram Frauen und Männer aus Gemeinden ein, in denen noch keine solchen Initiativen bestehen. Das gute Vorbild soll ansteckend wirken – und tut es auch, wie das Beispiel der Gemeinde Wurmsham zeigt: Dort ist eine Nachbarschafts-Hilfe in Planung, aber auch in Essenbach, Hohenthann, Bruckberg, Buch am Erlbach und Pfeffenhausen haben sich bereits Personenkreise gefunden, die eine Nachbarschaftshilfe auf die Beine stellen wollen.  

Wertvolle Tipps für die ehrenamtliche Arbeit

In anderen Fällen hat sie selber den Anstoß gegeben, Interessierte an die Aufgaben herangeführt und praktische Aufbauhilfe geleistet – zum Beispiel in den Gemeinden Adlkofen und Tiefenbach. Auch in diesen beiden Gemeinden sind nun Nachbarschaftshilfen aktiv – und haben den Problemen getrotzt, die mit der Corona-Pandemie verbunden sind.

Bertram gibt den Aktiven viele Ratschläge, weist sie nachdrücklich darauf hin, dass es besonders wichtig ist, dass die Nachbarschaftshilfen sich in ihren Gemeinden so gut bekannt machen wie nur irgendwie möglich: Bürgerversammlungen, Senioren-Nachmittag, Vereinstreffen, aber natürlich auch der enge Kontakt zu den Gemeinde-Verwaltungen und Pfarreien sind grundlegend.

Die Aktiven müssen andererseits einen guten Überblick haben über Beratungsstellen und Dienstleister, die es in der Region gibt. Einen Busch versetzen oder eine Glühbirne auswechseln, das sind Handreichungen, die Nachbarschaftshelfer leisten können: Geht es aber um die Umgestaltung des ganzen Gartens oder der Installation der Elektrik des Hauses, kommt den Helfern die Rolle von Beratern und Vermittlern zu.

Wertvolle Tipps für die Praxis vermittelte beim letzten Treffen im Landratsamt die frühere Rechtsanwältin Karin Larsen-Lion, die vor 25 Jahren im oberfränkischen Pyrbaum eine Nachbarschaftshilfe gegründet hat. Sie erläuterte, welche Versicherungen für die Helfer abgeschlossen werden sollten, damit sie in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit rundum abgesichert sind.
BILDTEXT: Aus allen Teilen des Landkreises kamen auf Einladung der Senioren-Beauftragten des Landratsamts, Janine Bertram (rechts), Vertreter von Nachbarschafts-Hilfen zu einem Treffen im Großen Sitzungssaal. Die Juristin Karin Larsen-Lion (Vierte von rechts) referierte über jahrzehntelange Erfahrungen aus der eigenen Nachbarschaftshilfe in Pyrbaum (Oberfranken).
Bildquelle: Elmar Stöttner

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