Noch mehr Nachhaltigkeit in den Heil- und Thermalbädern

Bezirksbaumeister Matthias Kopf informiert bei Zweckverbandssitzungen über neues Kriterium bei der Vergabe von Aufträgen

In Zukunft wird nicht unbedingt der allergünstigste Bieter den Zuschlag für eine Bau- oder Lieferleistung in den fünf niederbayerischen Heil- und Thermalbädern bekommen. Auch, ob die Firma nachhaltig arbeitet, um CO2 einzusparen, soll mithilfe eines Punktesystems ab sofort beurteilt und berücksichtigt werden. Der Bezirk Niederbayern geht hier einen neuen Weg, als Erster in Bayern. Darüber hat Bezirksbaumeister Matthias Kopf die Verbandsräte bei den Verbandsversammlungen der Zweckverbände Bad Abbach, Bad Gögging, Bad Füssing, Bad Griesbach und Bad Birnbach diese Woche unter der Leitung von Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich informiert. Die Thermen werden von den Zweckverbänden, an denen der Bezirk Niederbayern mit 60 Prozent beteiligt ist, mit anteilig den jeweiligen Landkreisen und Städten als Eigenbetriebe geführt.

Wie Kopf erklärte, erhält der günstigste Bieter ab sofort 70 Punkte. Es werden aber auch noch bis zu 30 Punkte für Nachhaltigkeit des Betriebs vergeben, der ein Angebot abgegeben hat, und das Ganze dann addiert. Wer dann die meisten Punkte hat, der darf den Auftrag ausführen. Ab 100.000 Euro Bausumme greift das Kriterium der Nachhaltigkeit, bezifferte der Bezirksbaumeister. Bei der Bewertung durch das Baureferat des Bezirks können vielfältige Faktoren einfließen. Zum Beispiel ob das beauftragte Unternehmen regenerative Energien nutzt, emissionsarme Fahrzeuge verwendet, sein Material aus der Region bezieht oder die Produkte umweltzertifiziert sind. „Der Schwerpunkt liegt auf CO2-Einsparung“, so Kopf.

Um das neue Vergabeverfahren einzuführen, hat der Bezirk Niederbayern sich von einer auf Vergaberecht spezialisierten Kanzlei beraten lassen und das Punktesystem erarbeitet. Dass eine Bewertung auch immer ein wenig subjektiv sein kann, das schloss Kopf gar nicht aus, doch eine gerechte Bewertung stehe stets im Vordergrund. „Wir werden den Bezirk nach den ersten Vergaben wieder informieren, sollte es nötig sein, kann dann noch einmal nachjustiert werden“, sagte Kopf. Die Verbandsräte begrüßten die Neuerung ebenso wie die Vertreter der Kommunen, die bei den Verbandssitzungen dabei waren. „Nachdem der Bezirk bereits seit Anfang 2022 das Kriterium der Nachhaltigkeit bei Vergaben berücksichtigt, tun dies nun auch die Heil- und Thermalbäder. Es ist uns wichtig, dass wir bei aller Wirtschaftlichkeit hier als Bezirk mit gutem Beispiel vorangehen, und es wäre schön, wenn Städte und Kommunen nachziehen würden“, so Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich.

Gute Nachrichten hatte auch der strategische Geschäftsführer für alle fünf Heil- und Thermalbäder, Franz Altmannsperger. So schreitet seinen Worten zufolge die strategische Neuausrichtung der Europa Therme Bad Füssing, der Rottal Terme Bad Birnbach, der Wohlfühl-Therme Bad Griesbach, der Limes-Therme Bad Gögging und der Kaiser-Therme Bad Abbach gut voran. Das neue Referat Heil- und Thermalbäder unter Leitung von Katrin Landes wird in Kürze in neue Räumlichkeiten des Ursulinenklosters in Landshut umziehen. Auch inhaltlich passiert laut Altmannsperger einiges. Geschaffen werden drei Kompetenzzentren: Für Personalverwaltung, Marketing und Finanzverwaltung – also alles unter einem Dach für die fünf Heilbäder, die aber unterschiedliche Schwerpunkte der Gesundheitsprophylaxe haben sollen. Bei der Personalverwaltung sei man schon weit, derzeit werde die digitale Personalakte geschaffen.

In Sachen Marketing erfolgt gerade die Bestandserfassung. Dieses Kompetenzzentrum wird in Bad Birnbach seinen Sitz haben. Erstes Projekt im Rahmen der neuen Marketingoffensive ist die Teilnahme der fünf Thermalbäder an der Bayerischen Landesgartenschau kommendes Jahr in Freyung. „Dort werden wir einen Themengarten gestalten. Wir wollen uns professionell darstellen, auch mit Events“, informierte der strategische Geschäftsführer. Eine große Herausforderung sei ferner die Digitalisierung der Angebote: „Wir wollen, dass der Gast die Möglichkeit hat, die richtige Therme für sich zu finden.“ Im Rahmen des Gesundheitsmanagements Niederbayern sollen auch kleinen und mittelständischen Betrieben Angebote zur Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter gemacht werden.

Ferner wurde ein Antrag zum Interreg-Projekt „Work Force“ gestellt. Ziel des Projekts wäre – falls der Zuschlag erfolgt – laut Altmannsperger „Mitarbeiter für die Heil- und Thermalbäder zu finden, zu binden und zu erhalten.“ Er konnte ein positives Fazit zur Neuausrichtung der Thermalbäder ziehen: „Die Zusammenarbeit macht Spaß und die Stimmung ist sehr gut, weil alle an einem Strang ziehen.“

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Bildunterschrift:

Informierten bei den Zweckverbandssitzungen der fünf niederbayerischen Heil- und Thermalbäder über deren erfolgreiche Neuausrichtung und die künftige Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Vergabe von Aufträgen über 100.000 Euro: Von rechts Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Referatsleiterin Katrin Landes, Bezirksbaumeister Matthias Kopf und strategischer Geschäftsführer Franz Altmannsperger.
Foto: Bezirk Niederbayern

 

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