Pannermayr: „Die Digitalisierung der Schulen braucht ein klares Konzept“

– Freistaat muss Konzept zur Kostenbeteiligung für Systembetreuung an Schulen vorlegen.

– Für die BayernCloud Schule muss das Kultusministerium einen Umsetzungsplan nennen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Digitalisierung der Schulen verstärkt in den Fokus gebracht. Der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, der Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr betont: „Wie schon in der Vergangenheit, stehen die Kommunen weiter zu ihrem dauerhaften Engagement. Die Kommunen gehen in Vorleistung und haben sich daher sogar bereit erklärt, im Auftrag des Staates Lehrerdienstgeräte zu beschaffen.“ Das entsprechende Programm reicht jedoch nur für knapp zwei Drittel der Lehrer; der Anschaffungspreis für ein Lehrer-Laptop ist auf 750 Euro gedeckelt. Dies erscheint vielen Lehrkräften und IT-Fachleuten zu niedrig, berichtet Pannermayr aus der Praxis: „Das Kultusministerium hat hohe Erwartungen geweckt. Allerdings sorgen die Fakten bei Schulleitungen und Lehrerschaft für Ernüchterung.“

Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Digitalisierung ist der Ausbau der Systembetreuung. Der Schul-Digitalisierungsgipfel des Ministerpräsidenten mit den zuständigen Fachministern, den kommunalen Spitzenverbänden, Lehrerverbänden, Schüler- und Elternvertretungen hat am 23. Juli 2020 dazu wichtige Weichen für die Digitalisierung an Schulen gestellt. Bund und Freistaat wollen den Kommunen für die Systembetreuung 155,6 Millionen Euro bis einschließlich 2024 zur Verfügung stellen. Und für die Jahre ab 2025 hat der Freistaat seine Absicht erklärt, die Hälfte der Kosten für die Systembetreuung zu übernehmen.

Pannermayr stellt fest: „Das waren erste Impulse, um Wegmarken auf der langen Strecke zur Digitalisierung an Schulen zu setzen. Für Schulen und Kommunen war ein positives Signal, dass sich der Freistaat erstmals zu seiner Mitverantwortung für die Systembetreuung der Digitalausstattung an Schulen bekannt hat. Doch seit Sommer hat das Kultusministerium noch immer keinen Entwurf für die Umsetzung der Kostenbeteiligung des Freistaats an der Systembetreuung vorgelegt. Das muss nun zeitnah passieren.“

Die vom Freistaat im Juli 2020 ebenfalls zugesagte BayernCloud Schule soll auch die örtliche Systemadministration an den Schulen unterstützen. Im Entwurf des Staatshaushalts 2021 sind dafür 47 Millionen Euro angesetzt. Pannermayr: „Bislang sind nur wolkige Ankündigungen einer BayernCloud Schule aus dem Kultusministerium gekommen. Es fehlt ein konkreter Plan zur Umsetzung der einzelnen Schritte. Unklar ist, wann die BayernCloud Schule eingerichtet wird und welche zentralen Dienste in welchem Umfang für den Einsatz in der Praxis zur Verfügung stehen werden. Solange die Cloud nicht kommt, behelfen sich die Schulen mit selbst improvisierten lokalen Insellösungen.“

Die Erfahrungen mit digitalem Heim-Unterricht haben im letzten Jahr gezeigt, wo Stärken und Schwachstellen liegen. Die größte und entscheidende Schwachstelle liegt in einem Grundsatzproblem, das der Freistaat endlich anpacken muss. Pannermayr: „Es fehlt ein bayernweites pädagogisches Gesamtkonzept für die Umsetzung der digitalen Schule.“

Bildquelle: Pannermayr priv.

weitere Beiträge