Silvester bereitet große Sorgenfalten

Eindringlicher Appell regionaler Mediziner aller Sparten

„Es kommt auf jeden Einzelnen, es kommt auf jeden Tag an“: Mediziner aus der Region Landshut schlagen Alarm. „Wir schaffen es aktuell nicht, vor die Lage zu kommen. Unsere Krankenhäuser sind voll, wir müssen permanent umorganisieren und Patienten verlegen, um weitere Notfälle betreuen zu können“, beschreibt der Ärztliche Leiter Krankenhauskoordination, Jürgen Königer, die aktuelle Lage in den Krankenhäusern.

Ein ähnliches Bild zeichnet Dr. Heribert Stich, Leiter des Gesundheitsamtes Landshut, das seit Monaten mit der Ermittlung der Kontaktketten und Eindämmung der Pandemie beschäftigt ist: „Die Infektionszahlen sind weiter zu hoch, auch wenn wir das öffentliche Leben schon seit einigen Tagen heruntergefahren haben. Niemand lebt gerne im Lockdown, aber es muss einfach sein. Doch diese Maßnahmen helfen nur, wenn sich alle daran halten. Die Pandemiebekämpfung ist nicht die Aufgabe einzelner – sie ist unser aller Pflicht.“

Auch im Bereich der Hausärzte hinterlässt die Pandemie Spuren: „Zu der üblichen Grippe- und Erkältungszeit, die uns jedes Jahr belastet, kommt noch das Corona-Virus hinzu. Dabei stehen wir erst am Anfang der üblichen Grippesaison. Das Gesundheitssystem kommt trotz aller Anstrengungen an seine Grenzen“, erklärt der regionale Versorgungsarzt Dr. Uwe Schubart, der selbst eine Hausarztpraxis betreibt.

Große Sorgenfalten bereitet den Medizinern der anstehende Jahreswechsel. Auch wenn die üblichen Feiern an Silvester aufgrund von Kontaktbeschränkungen (maximal fünf Personen aus zwei Haushalten dürfen sich treffen, Kinder unter 14 Jahren nicht miteinberechnet) und nächtlicher Ausgangssperre (zwischen 21 und 5 Uhr darf das Haus oder die Wohnung nur aus triftigem Grund verlassen werden) in diesem Jahr wohl deutlich ruhiger und kleiner ausfallen dürften, sehen die Ärzte hier dennoch ein großes Infektionspotenzial. „Es steht und fällt mit der konsequenten Einhaltung der Kontaktbeschränkungen, dem Abstandhalten und dem Tragen von Alltagsmasken – von jedem einzelnen. Irgendwann wird wieder die Zeit kommen, in der wir uns wieder ohne Sorge mit Freunden, Verwandten und Nachbarn treffen können. Aber momentan müssen wir aus Solidarität diese Treffen einfach verschieben oder auf digitale Formate ausweichen“, erklären die Mediziner.

Ein „Lichtblick“ sind für Königer, Schubart und Stich die Corona-Impfungen, die seit letztem Sonntag laufen. Die aktuellen Lieferungen an Impfdosen werden noch komplett für die Bewohner von Seniorenheime und Pflegepersonal verwendet – sobald aber mehr Impfstoff zur Verfügung steht, sollen die Immunisierungen in großer Anzahl stattfinden. „Eine Massenimpfung wie diese hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Es ist eine riesige organisatorische Herausforderung, die nicht von heute auf morgen bewältigt werden kann. Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger deshalb um Geduld, Durchhaltevermögen und Besonnenheit.“

Heute ist kein weiterer Covid19-Todesfall ist in der Region Landshut gemeldet worden, es bleibt bei insgesamt 138 Todesfälle im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Auf den Normalstationen der regionalen Krankenhäuser werden derzeit 61 mit dem Corona-Virus infizierte Patienten isoliert, zwölf weitere müssen intensivmedizinisch behandelt werden.

Die die 7-Tages-Inzidenz ist im Landkreis Landshut ist im Vergleich zum Vortag mit 197,6 erneut gesunken ist. In der Stadt Landshut ist die Wocheninzidenz mit aktuell 230,2 ebenfalls deutlich rückläufig (Quelle: Robert-Koch-Institut).

Mit den heute 98 neu gemeldeten Corona wurden seit dem Frühjahr insgesamt 5 861 Personen in der Region positiv auf SARS-CoV2 getestet. Von diesen konnten 5 005 (+ 114) die häusliche Quarantäne verlassen, sie gelten als genesen.

Damit sind aktuell 718 (- 16) laufende Infektionen bekannt – also Personen, deren Corona-Test positiv war und die sich immer noch in häuslicher Quarantäne befinden. Es sind vor allem die stringenten Testungen von Kontaktpersonen, die neue Infektionen aufdecken – die Betroffenen befanden sich also bereits in häuslicher Quarantäne und werden nun als Indexpatienten geführt. (Stand: 30.12.2020)

– CW –

Foto: Landratsamt

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