Stellungnahme der FOSBOS Landshut zur Solidaritätsaktion am 17.02.2021

Schüler*innen der FOSBOS Landshut sehen sich in der Verantwortung und Pflicht den benachteiligten Mitschüler*innen beizustehen

Am Mittwoch, den 17.02.2021, werden einige Schüler*innen der FOSBOS Landshut mit Außenstelle Dingolfing im Rahmen einer Solidaritätsaktion gegenüber allen durch die aktuellen Regelungen benachteiligten Schüler*innen – speziell die Rainer-Werner-Fassbinder-Fachoberschule München – den Unterricht verweigern. Dies geschieht einerseits durch einen Schulstreik (das Fernbleiben sowohl im Präsenz- als auch Distanzunterricht, #streikenfuermuc), sowie eine Verweigerung der aktiven Teilnahme am Unterricht (#schweigenfuermuc).

Die FOSBOS Landshut bietet die Fachrichtung Sozialwesen an, welche als Ziel den Erwerb umfassender persönlicher und beruflicher Handlungsfähigkeit hinsichtlich Einsatzfreude und Verantwortungsbereitschaft, Belastbarkeit und Selbstorganisation sowie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit hat. Wir Schüler*innen sehen uns aufgrund dessen in einer besonderen Verantwortung Stellung zu beziehen. Da auch die politische Teilhabe und Autonomie des Menschen Ziele unserer Bildung sind, müssen wir die momentane bildungspolitische Dynamik scharf kritisieren und uns eindeutig positionieren.

Wir möchten betonen, dass wir dankbar für die Arbeit unserer Schulleitung, der Verwaltung und auch für unsere technische Ausstattung sind und unsere schul-interne Situation äußerst zu schätzen wissen. Dennoch gehört unsere Schule zu den privilegierteren Schulen, die die Situation so souverän zu händeln wissen und auch mit Hilfe der benötigten Mittel können.

Andere Schulen wie die Rainer-Werner-Fassbinder-Fachoberschule München haben mit großen technischen und organisatorischen Problemen zu kämpfen, sodass eine Gewährleistung der Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit nicht mehr möglich ist. Der Hybridunterricht ist nicht in dem optimalen Maß umsetzbar, wie es sich das Kultusministerium vorgestellt hat und es vergleichsweise gut bei uns läuft.  

Wir als Schüler*innen der FOSBOS Landshut sehen uns in der Verantwortung und Pflicht den benachteiligten Mitschüler*innen beizustehen, uns solidarisch zu bekennen und uns für sie – sowie unser aller – Interesse einzusetzen. 

In Zuge dessen möchten wir auch unsere Forderungen ans Kultusministerium teilen:

  1. Schluss mit der bildungspolitischen „Ellenbogenmentalität“. Wir fordern Zusammenhalt und das Rückbesinnen auf unsere demokratischen Grundsätze und Prinzipien. Zahlreiche Kritik von bayerischen Lehrer*innen, Elternverbänden, Schüler*innen sowie Studien über die Entwicklung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wurden strikt ignoriert. Auch die individuell unterschiedlichen Infektionsgeschehnisse sowie räumliche Gegebenheiten der unterschiedlichen Schulen wurde kaum bis gar nicht hinsichtlich bildungspolitischer Entscheidungen berücksichtigt. Ziel des Kultusministeriums muss es sein in Zukunft einen offenen und transparenten Diskurs mit den Schüler*innen und Schulen anzustreben. Entscheiden Sie mit uns, nicht über uns.
  • Die allgemeingültigen bildungspolitischen Entscheidungen ohne Rücksicht auf die individuelle Situation vor Ort garantieren keineswegs eine Chancengleichheit. Ganz im Gegenteil, die gesonderte Handhabe der Schulen und somit die Bereitstellung eines auf die vorliegenden Umstände angepassten Unterrichts wird behindert. Wir fordern individuelle Entscheidungsfreiheit für die Schulen, um selbst über die Form des Unterrichts – also Distanz- oder Hybridunterricht – je nach Situation, Ort, Infektionsgeschehen und räumlichen Gegebenheiten zu bestimmen.
  • Ziel des Kultusministeriums muss es sein den psychischen Druck der Schüler*innen zu verringern. Viele Abiturient*innen leiden aktuell unter den körperlichen und psychischen Belastungen durch die Pandemie. Depressive Störungen, erhöhter Medienkonsum, Vereinsamung, fehlende Bewegung und ein fehlender Ausgleich zur Schule sind nur wenige Beispiele, neben dem Leistungsdruck und der Angst vor der Ungewissheit hinsichtlich der Schulsituation, denen Schüler*innen aktuell entgegenblicken. Wir fordern konkrete Maßnahmen um den psychischen Druck der Schüler*innen zu verringern, beispielsweise durch die Reduzierung von Leistungsnachweisen[1], dem Fokussieren auf die Hauptfächer, der Begrenzung des Prüfungsstoffs[2] oder dem wiederholten Anbieten von Günstiger-Prüfungen3.

Da all unsere bisher gebrachten Einwände von Seiten der Schülerschaft vom Kultusministerium wiederholt ignoriert worden sind, sehen wir Streik als logisches und letztes Mittel um uns Gehör zu verschaffen. Uns ist die Tragweite und Schwere dieser Maßnahme bewusst und es fällt uns nicht leicht diese zu ergreifen, dennoch können wir nicht länger dabei zusehen wie demokratische Prinzipien und gleichermaßen die Stimmen unserer Generation konsequent ignoriert werden.

Darauf können wir nur ein letztes Mal festhalten: Es geht uns nicht darum uns gegen die Schulleitung oder das Kultusministerium zu stellen. Es geht uns darum Gehör zu erlangen. Es geht uns um bildungspolitische Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Es geht uns um unsere Zukunft.

Wir brauchen Ihre Unterstützung und Bereitschaft zuzuhören und mit uns zu kommunizieren, denn nur gemeinsam lässt sich unsere momentane Situation verändern! Wir brauchen keine weitere Spaltung, wir brauchen Zusammenhalt!

Michelle Sündermann (2. Schülersprecherin der FOS Landshut)


[1] Die Streichung einer einzigen Schulaufgabe im zweiten Profilfach ist nicht ausreichend.

[2] In allen Fächern und mit Rücksichtnahme auf die Versäumnisse des zweiten Halbjahres des Schuljahres 2019/20 zu Beginn der Corona Pandemie, als noch keiner auf die Herausforderungen vorbereitet war. 3 Wie es letztes Jahr bereits angeboten wurde.

Bildquelle: FOSBOS Landshut

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