Turbulenzen im Herz „frühzeitig erkennen und behandeln“

70 Interessierte beim Herzabend mit Klinikums-Spezialisten 

Vorhofflimmern ist die häufigste andauernde Herzrhythmusstörung der Deutschen. „Jeder 20. Mensch über 65 Jahren hat Vorhofflimmern, bei den über 80-Jährigen ist es sogar jeder Zehnte“, berichtete Chefarzt Prof. Holmer beim großen Herzabend am Donnerstag. Er und das Team der Kardiologie klärten über die Erkrankung auf und beantworteten auch Fragen wie:  Was droht, wenn Vorhofflimmern unentdeckt bleibt? Medikamente oder Katheter-Ablation: Was ist sinnvoller? Und was kann ich tun, um einen Schlaganfall als Folge dieser Herzrhythmusstörung zu verhindern?

Heftige Herzschläge bis in den Hals hinauf, Druckgefühl im Brustkorb oder Luftnot gehören zu den Symptomen des Vorhofflimmerns. Bei vielen Patientinnen und Patienten bleibt die Erkrankung jedoch zunächst unerkannt, weil konkrete Symptome fehlen oder rasch wieder abklingen. Beim Herzabend am Donnerstag, zu dem das Klinikum Landshut gemeinsam mit der AOK Landshut-Kelheim eingeladen hatte, widmeten sich die Herzspezialisten dem Vorhofflimmern, möglichen Folgeerkrankungen und den verschiedenen Behandlungsoptionen. Die rund 70 Zuhörer hatten außerdem die Gelegenheit, den Referenten zahlreiche Fragen zu stellen. Der Herzabend fand im Rahmen der bundesweiten Herzwochen der Deutschen Herzstiftung statt.

Über den Zusammenhang mit der Herzschwäche klärte im ersten Vortrag Prof. Stephan Holmer, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum, auf. Bei einigen Patienten kann Vorhofflimmern, vor allem bei hohem Puls, zu einer Herzschwäche führen. Eine Atemnot bei Belastung, zum Beispiel beim Treppensteigen, sei ein oft beobachtetes Symptom, so Prof. Holmer. Im schlimmsten Fall könne eine Herzschwäche zu einem Lungenödem führen, bei dem der Patient mit schwerer Atemnot oder Husten mit Schaum kämpft. „Dann sollten Sie unverzüglich die 112 rufen“, betonte der Kardiologe. Angesichts dieser schwerwiegenden Folgen sei es wichtig, „Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.“

Fragen rund um das Vorhofflimmern beantworten beim Herzabend v.l. Dr. Thomas Graf, Priv.-Doz. Dr. Joachim Seegers und Prof. Stephan Holmer.

Auch ein Schlaganfall kann eine direkte Folge des Vorhofflimmerns sein: Die Erkrankung begünstigt die Entstehung von Blutgerinnseln am Herzen, die über die Gefäße bis ins Gehirn wandern können. „Viele Schlaganfälle sind durch unbekanntes Vorhofflimmern bedingt“, berichtete Oberarzt Dr. Thomas Graf in seinem Vortrag. Patienten mit Vorhofflimmern nehmen deshalb meist Blutverdünner ein – ob dafür neue oder bewährte Medikamente sinnvoller sind, erläuterte der Kardiologe beim Herzabend ausführlich. Er stellte auch eine wirksame Alternative vor: den Verschluss des Vorhofohres mittels Kathetertechnik. Das Vorhofohr des Herzens, wo die meisten Blutgerinnsel entstehen, wird dann nicht mehr durchblutet. „Durch diese Möglichkeiten kann das Schlaganfall-Risiko um rund 70 Prozent gesenkt werden.“

Welche Patienten besonders von einer sog. Katheterablation profitieren, erläuterte am Donnerstag Priv.-Doz. Dr. Joachim Seegers, Sektionsleiter der Elektrophysiologie am Klinikum. Bei diesem Eingriff im Herzkatheterlabor wird ein feiner Kunststoffschlauch über die Leistenvene zum Herzen vorgeschoben. Dort angekommen werden die für das Vorhofflimmern verantwortlichen Herzmuskelfasern gezielt verödet. „Die Katheterablation stoppt die Erkrankung – im Gegensatz zur medikamentösen Behandlung, die lediglich das Fortschreiten des Vorhofflimmerns verlangsamt“, so Dr. Seegers. Die Medikamente zur Blutverdünnung müssen jedoch auch nach der Katheterablation weiter eingenommen werden, da das Risiko für einen Schlaganfall unverändert bestehen bleibt. „Das ist ein häufiges Missverständnis“, klärte der Elektrophysiologie beim Herzabend auf.

Bilderbeschreibung:
v.l. von der AOK Landshut-Kelheim Direktor Jürgen Eixner und der Stellvertretende Beiratsvorsitzende Hans-Dieter Schenk sowie vom Klinikum Landshut Chefarzt Prof. Stephan Holmer, Leiter der Elektrophysiologie Priv.-Doz. Dr. Joachim Seegers und Oberarzt Dr. Thomas Graf.
Fotos: Regina Kaindl

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