Umbenennung der Ina-Seidel-Straße

PM – In der Nacht vom 17.12.21 auf den 18.12.21 wurde an der nun ehemaligen Landshuter Ina-Seidel-Straße eine lang ersehnte kleine Umbauarbeit vorgenommen. An den betreffenden Straßenschildern ist nun „Esther-Bejarano-Straße“ zu lesen, außerdem sorgt eine angrenzend aufgestellte Informationstafel für Klarheit über Seidel und Bejarano.

Doch warum sorgen nach Ina Seidel benannte Straßen überall für Aufruhr?

Dies zeigt sich am besten anhand ihrer eigenen Worten von 1939: „Dort, wo wir als Deutsche stehen, […], da fühlen wir heute unser Streben und unsre Arbeit dankbar und demütig aufgehen im Werk des einen Auserwählten der Generation – im Werk Adolf Hitlers.“
Dort, wo wir als Landshuter Demokrat*innen stehen, da fühlen wir uns heute mächtig unwohl mit der öffentlichen Ehrung einer glühenden Nationalsozialistin. Das mutmaßliche Ausbleiben jeglicher Recherche zur Geschichte Ina Seidels, das 1999 dazu führte, dass eine Landshuter Straße nach ihr benannt wurde, ist bestenfalls ein peinlicher Fehler.

Die Ablehnung eines Antrags auf Umbenennung im Landshuter Stadtrat dagegen ein inakzeptables Armutszeugnis für selbigen, eine Verharmlosung der Gräueltaten des Nationalsozialismus und ein Schlag ins Gesicht aller Opfer des NS und derer, die ihnen gedenken. Es strotzt geradezu vor Geschichtsverdrossenheit und Ignoranz, dass CSU-Stadtrat Haslinger seinem Kollegen Thomas Keyßner in der Debatte um die Umbenennung sogar nicht mehr entgegenzusetzen hat als ein „Ziehen Sie doch weg, wenn es Sie stört!“ Ziehen SIE doch weg, Herr Haslinger, wenn es sie stört, dass es in Landshut Menschen gibt, die der deutschen Geschichte mit einem Hauch von Kritik gegenüberstehen!

Nun mag es sein, dass Seidel lange nach dem NS-Terror anfing, Reue zu zeigen für ihre Hitler-Anhimmelungen und Propaganda-Werke, doch ist das keinesfalls ein Grund, eine Straße nach ihr zu benennen, schon gar nicht bei ihrer extremen Vergangenheit. Ganz anders dagegen verhält es sich mit unserer vorgeschlagenen Alternative: Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano setzte sich nach der Befreiung Deutschlands vom NS bis zu ihrem Tod im vergangenen Sommer unaufhörlich für antifaschistische Projekte und Geschichtsaufarbeitung ein. Somit ist Bejaranos Name bei Weitem besser geeignet, in einer aufgeklärten und demokratischen Gesellschaft Straßenschilder zu zieren.

Fotos: – Landshuter Demokratinnen und Demokraten –

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