Was wirklich wichtig ist!

Von Herbert Zelzer

Man kann das Wort Corona nicht mehr hören. Doch wenn man selbst betroffen ist, werden einige Dinge deutlich klarer. Zum Beispiel, was wirklich wichtig ist.

Zwei Jahre Pandemie: Gerade Menschen über 60, zu denen ich auch schon gehöre, haben von Anfang an genau verfolgt, wie sich die Verbreitung des Virus entwickelt. Zu Beginn 2020 gehörte ich, wie viele von uns, zum „Team Vorsicht“, wie es der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder ausdrückte. Lange bin ich im Team Vorsicht geblieben, gerade auch aus Rücksichtnahme auf vor erkrankte Menschen und Hochbetagte. Ich habe nicht alle Maßnahmen der Regierung nachvollziehen können. Vor allem das Hin und Her zwischen Bund und Ländern war für mich und sicher auch für viele andere Menschen schwer nachvollziehbar. Ebenso die Schließungen im Einzelhandel zeigten eine gewisse Unfähigkeit der Politik. Irgendwie hatte ich da das Gefühl, dass sie nicht wissen, wie es beim Einkaufen wirklich abläuft. Beim kleinen Einzelhändler gab und gibt es keine Menschentrauben vor den Angebotsregalen. Auch das traurige Schauspiel um die Impfpflicht im Bundestag habe ich verfolgt. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso jetzt ausgerechnet jene Menschen, die in medizinischen Einrichtungen arbeiten und uns in der Pandemie den Rücken freigehalten haben, zur Impfung verpflichtet werden, alle anderen aber nicht. Da muss sich mancher Pfleger oder Physiotherapeut ungerecht behandelt vorkommen. Oder? Also, eine starke und gerechte Führung durch unsere Politik, ganz gleich welcher Farbe, ist das nicht.

Aber all diese Überlegungen waren für mich bislang ja nur theoretisch. Was eine Infektion bedeutet und wie froh ich über die dreifache Impfung sein kann, das habe ich vor ein paar Wochen am eigenen Leib gespürt. Da zeigte das „Stricherl“ auf dem Schnelltest nämlich plötzlich „positiv“ an. Der Weg führte in die Quarantäne und ich war, wie schon in den Lockdowns, froh und dankbar über unseren Garten und unser Haus, das mir die Möglichkeit einer Quarantäne auch zum Schutz meines persönlichen Umfeldes geboten hat. Trotzdem hat man lange Zeit ein mulmiges Gefühl. Erwischt es mich stärker, habe ich jemand angesteckt? Plötzlich sieht man einiges von einer anderen Seite.  Meine Frau blieb lange negativ. Erst als ich schon wieder negativ getestet war und aus der Quarantäne durfte, zeigte auch das „Stricherl“ bei ihr einen positiven Test an. Weil wir uns unter anderem mit Freunden in Regensburg getroffen hatten, ging das Telefonieren los. Man muss doch seine Kontaktpersonen informieren. So ist das eben in Zeiten von Corona.

Es gibt aber nichts Negatives, was nicht auch einen positiven Effekt hätte. Mir hat die Infektion wieder einmal deutlich gemacht, wie privilegiert wir alle, die in Bayern leben dürfen, sind und wie dankbar wir sein sollten. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt mit einem der besten Gesundheitssysteme. Auch wenn viele immer über unser Gesundheitssystem schimpfen, wäre es aber schon schön, wenn wir es besser wertschätzen würden.  Die Impfung war kostenlos und sie hat mich geschützt. Ich hatte Symptome, aber wirklich nur leichte. Ich habe gemerkt, wie dankbar ich sein kann für Freunde, die mir gute Besserung wünschten und mir Hilfe anboten. Und, ich habe wieder einmal begriffen, was wirklich wichtig ist: Dass die Lieben um mich gesund sind und man selbst auch gesund ist. Plötzlich werden viele auch sonst so wichtige Dinge zur Nebensächlichkeit.

Gerade die Menschen, die in unseren medizinischen Einrichtungen, in unseren Kur- und Heilbädern arbeiten, haben die vielen negativen Seiten der Pandemie und auch der Maßnahmen kennengelernt. Da gibt es nichts zu beschönigen und ich hoffe, dass wir das aufarbeiten, was unsere Regierung falsch – und was sie richtiggemacht hat. Gönnen wir alle uns jetzt öfter einen Tag zum Entspannen, unserer Gesundheit zuliebe: Das ist für mich sicher. Deshalb wünsche ich Ihnen: Bleiben Sie gesund. Und seien sie dankbar. Ich bin es.

 

Foto: Herbert Zelzer priv.

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