„Wie kam es zur Fraktionsgemeinschaft?“ Und weitere Fragen an MdL Helmut Radlmeier

Landtagsabgeordneter und Landshuter Stadtrat Helmut Radlmeier im Interview mit Dies&Das

Helmut Radlmeier (CSU) ist seit 2013 direkt gewählter Stimmkreisabgeordneter des Stimmkreises Landshut. Im Interview mit Dies & Das spricht er über seine Arbeit als Landtagsabgeordneter und Landshuter Stadtrat.

  1. „Corona“ dominiert in diesem Jahr die Schlagzeilen. Damit liest, sieht und hört man auch mehr über die Themenkomplexe Gesundheit und Pflege. Wie sehen Sie das als Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bayerischen Landtags?

Seit 2013 setzen wir Gesundheitspolitiker der CSU-Landtagsfraktion das Thema Gesundheit und Pflege auf die Agenda. Nur: in der Breite hat sich kaum jemand für die teils dramatische Situation vor allem im Pflegebereich interessiert. Corona hat das nun geändert – das ist gut, weil endlich ein breites Bewusstsein entstanden ist, dass man etwas ändern muss. Schlimm dabei ist, dass es dafür eine Pandemie gebraucht hat.

  • Was sind in ihren Augen die Baustellen? Was muss sich ändern?

Angemessene Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, aber auch die Anerkennung der komplexen Tätigkeiten des Pflegepersonals wären solche Baustellen. Als Landespolitiker ist man hier auf Unterstützung angewiesen, da die Länder wenig entscheiden können. Wir haben aber vor zwei Jahren alle Register gezogen und unser großes Antragspaket Pflege in den Landtag eingebracht. Seitdem lassen wir auch nicht locker. So manches hat der Bund nun in den letzten Monaten angestoßen. Das war überfällig.

  • Wo könnte sich die Region Landshut ihrer Meinung nach im Bereich Gesundheit und Pflege noch verbessern?

Da gibt es einiges. Seit Monaten werbe ich für die Einrichtung eines Pflegestützpunktes. Wer Beratung rund ums Thema Pflege braucht, läuft von Pontius zu Pilatus. Ein Pflegestützpunkt würde hier helfen: Man bekommt an zentraler Stelle eine umfassende Beratung zu allen Themen.

Außerdem wünsche ich mir eine gemeinsame Teilnahme der Landshuter Krankenhäuser am geplanten Medizincampus Niederbayern. Damit könnten wir unseren Ärztenachwuchs künftig selbst ausbilden. Eine Kooperation von Stadt und Landkreis bzw. der Kliniken würde uns auch an anderer Stelle helfen: Wir brauchen ein Ausbildungs-Zentrum für medizinische Berufe, wo wir z. B. Röntgenassistenten selbst ausbilden.

  • Ich sehe, wir könnten noch lange über diese Themen sprechen. Kommen wir aber zu einem anderen Schwerpunkt Ihrer Arbeit als Landtagsabgeordneter, dem Bereich Wissenschaft. Woran arbeiten Sie hier gerade?

Im Hochschulbereich stehen wir gerade vor einem Meilenstein: Mit dem Hochschul-Innovationsgesetz steht eine umfassende Hochschulreform an. Grundziel ist es, den Hochschulen in Bayern mehr Freiheiten zu geben. Sie sollen schneller und eigenständiger handeln können. Gerade bin ich dabei, die Meinungen zur Reform an der Hochschule zu sammeln, um die Anliegen etwa der Studenten dann in den Prozess einbringen zu können.

  • Seit 2013 arbeiten Sie im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst mit. Was konnte denn seitdem konkret für die Hochschule Landshut erreicht werden?

Unsere Hochschule hat sich wirklich sehr gut entwickelt. Sowohl baulich als auch beim Lehrangebot. Das neue Hörsaalgebäude ist eine echte Entlastung. Was mich besonders freut, ist, dass wir die neue Mensa noch in den Haushalt bekommen haben. Das war wichtig, weil die Mittel jetzt immer knapper werden. So aber wird an der Mensa schon fleißig gebaut. Mein nächstes Projekt sind Labore, da haben wir in Landshut noch einen Mangel.

Auch bei den Studiengängen bin ich sehr zufrieden: Der Einsatz um den bayernweit begehrten Hebammenstudiengang war hart, hat sich aber bekanntlich gelohnt. Ein Highlight ist für mich weiterhin der Studiengang Gebärdensprachdolmetschen. Der Bedarf an Dolmetschern ist einfach enorm. Wir sind die einzigen im süddeutschen Raum, die das anbieten. Hier haben wir damals als CSU-Landtagsfraktion Gelder in den Haushalt bringen können, damit das Labor eingerichtet werden konnte.

Insgesamt entwickelt sich die Hochschule gezielt weiter. Das ist eine gute Strategie, die ich gerne nach Kräften unterstütze.

  • Bleiben wir in Landshut. Wie läuft es im neuen Stadtrat? Die CSU hat sich dort ja mit einigen konservativen Gruppierungen zusammengeschlossen.

Das konservative Lager war im Stadtrat lange aufgeteilt: Neben der CSU-Fraktion gab es die Landshuter Mitte, die Bürger für Landshut und die Junge Liste. In dieser Periode hat man sich zu einer Fraktionsgemeinschaft zusammengeschlossen. Das ist gut. Damit bündelt man die Schlagkraft, zumal der Landshuter Stadtrat ohnehin sehr zersplittert ist.

  • Wie kam es zur Fraktionsgemeinschaft? So etwas kommt doch nicht von heute auf morgen.

Das war ein langer Prozess. In Sachfragen hat man oft zusammengearbeitet. Gerade die Annäherung der Landshuter Mitte ist seit Jahren ein Thema. Als „Vater“ der Gemeinschaft würde ich unseren ehemaligen Stadtratskollegen und langjährigen Bezirkstagspräsidenten Manfred Hölzlein bezeichnen. Er hat schon immer gemahnt, dass man zusammen mehr erreichen kann. Dass es nun so gekommen ist, freut mich sehr. Wir haben gemeinsam noch einiges vor!

Dies & Das (h.j.lodermeier): Herr Radlmeier, vielen Dank für Ihre Zeit.

Gerne!

Foto: Josef Amann

weitere Beiträge