„Wie sanieren, wenn das Landshuter Stadtsäckel leer ist?“

1.Vorsitzender des Freundeskreises Stadtmuseum Landshut e.V. Prof. Dr. Gernot Authenried: „Wir haben Sorge, dass wir vergessen werden“

 

Bei der Wahl des neuen Vorstandes gab es nichts Neues, es bleibt bei den bisherigen Vorstands- und Kuratoriumsmitgliedern. Die Vertretung von Oberbürgermeister Alexander Putz an diesem Abend übernahm MdL Helmut Radlmeier, der wegen seiner Verdienste für den Freundeskreis Stadtmuseum vom Verein ausgezeichnet und mit einem Präsent bedacht wurde.

Am Mittwoch, den 6. Juli 2022 lud der Freundeskreis Stadtmuseum seine Mitglieder um 19:30 Uhr ins Zeughaus in den Rudi-Wohlgemuth-Saal zur Mitgliederversammlung des Freundeskreises Stadtmuseum Landshut e.V. ein, um zu informieren und zu debattieren.

Das Vereinsleben wurde durch die Corona-Pandemie in den letzten beiden Jahren erheblich beeinträchtigt. Dies hat leider dazu geführt, dass die wiederholten Versuche, eine Mitgliederversammlung abzuhalten, durch eine sich jeweils akut verschlechternde Pandemielage unmöglich gemacht haben. Aus diesem Grunde wurde dieses Mal nicht nur die Wahl des Vorstandes und der Kassenprüfer vorgenommen, sondern auch die des Kuratoriums, dessen Wahl eigentlich 2020 schon hätte erfolgen müssen. Als Gastredner und Wahlleiter fungierte Robert Brannekämper, Architekt und Mitglied des Bayerischen Landtags, der über die Kultur in Bayern und speziell über die Situation des Kulturlebens in Landshut referierte.

Der 1. Vorsitzende des Vereins Prof. Dr. Gernot Authenried berichtete über die Situation der weiteren Sanierung des Stadtmuseums. Wie Authenried feststellte, gäbe es keinen Fortschritt in der Sanierung des Museums. Bedauerlich sei, dass die Stadt die hierfür notwendigen Mittel nicht aufbringen kann. Dies ist zutiefst befremdlich, da die öffentlichen Zuschüsse zur Finanzierung des Projektes fast 90% erreichen würden. Seit 2016 unterstützte der Freundeskreis Stadtmuseum Landshut mit weiteren 650.000 Euro die Planungen für den Bauabschnitt II, die seit Herbst 2020 umsetzungsreif in der Schublade liegen. 2021 durchkreuzte die Corona-Pandemie alle mittelfristigen Pläne. Erhebliche Mittel des Freundeskreises zur Finanzierung dieses Projektes, liegen ungenutzt auf der Bank und verkleinern sich bei den anhaltenden Negativzinsen. „Der Erhalt des Baudenkmals ist im Gegensatz zu seiner Umwandlung in ein Museum eine Pflichtaufgabe der Stadt“, meint Authenried.

Eine weitere schwerwiegende Situation für den Verein, sei das Ausscheiden des Museumsdirektors aus dem aktiven Dienst. Es sei ein bedeutendes Ereignis gewesen. Dr. Nyhoff war und ist Hebamme des Vereins und habe durch seinen permanenten und unermüdlichen Einsatz, den Verein nach vorne bewegt. Die momentane Ausstellung in der Hl. Geist Kirche, die eine Überraschungsaktion aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darstellt, sei ein Dankeschön für ihren scheidenden Chef Dr. Nyhoff. Der Geist der Ausstellung beweist die Kompetenz der Museumsmannschaft und die Museumsarbeit des Vereins für die Stadt Landshut.

Ein großes Anliegen für Dr. Authenried sei der Raum, der zwischen Eingangsbereich und Museumskino als Lounge im Stadtmuseum nun zur Verfügung steht. Eine Sitzgruppe steht zur Verfügung, und der Freundeskreis hält einen Kaffeeautomaten mit Bechern bereit. Ausgestellt sind Beispiele von Beiträgen des Freundeskreises zum Museumsfundus und wechselnde gesponserte Exemplare von relevanter Lektüre. Hier können viele Mitglieder sich verabreden spontan eine Art Meinungsbörse bilden, Kontakte pflegen und ausweiten.

Im Anschluss seiner Ausführungen kam Prof. Dr. Gernot Authenried zu einem Punkt, der ihm sehr am Herzen liegt. „Es gibt eine Person und das ist Jürgen Siegel, dieser habe in der ganzen Zeit als 2. Vorstand des Vereins unermüdlich, nachdenkend und immer mit neuen Vorsichtsmaßnahmen, der uns bekannten Art, mit Wirkung nach außen, unschätzbare Dienste geleistet“, so Authenried. Aus diesem Grunde habe die Vorstandschaft beschlossen, Jürgen Siegel zum nächsten Ehrenmitglied des Vereins zu benennen. Siegel wurde eine Urkunde und das berühmte „Landshuter Buchskranzl“ überreicht.

Prof. Dr. Axel Holstege übernahm die Gestaltung des Punktes 4 der Tagesordnung, nämlich das Gedenken an die verstorbenen Mitglieder des Vereins, das die anwesenden Mitglieder mit einem kurzen Innehalten bekundeten.

Anschließend gab Schatzmeister Georg Merk, der in Vertretung seines Cousins die Aufgabe übernahm, den Kassenbericht ab.  Die Kassenprüfer bestätigten eine ordentliche Kassenführung. Danach werden die Entlastung des Vorstandes und der Kassenprüfer von den Mitgliedern genehmigt.

Die Wahl der neuen Vorstandschaft und der Kassenprüfer waren die nächsten Tagespunkte, ebenso die Wahl in das Kuratorium. Hier zeigte sich, dass durch Wahl mit Akklamation keine Veränderungen für die neue Vorstandschaft festgestellt wurden.

Das Mitglied des Landtages und Referent des Abends, Robert Brannekämper, befasste sich mit der Problematik der Kultur und den Kulturschaffenden in Bayern während der Coronazeit. Der Freistaat Bayern habe mit immensen finanziellen Mitteln den geschädigten Künstlern geholfen über die Runden zu kommen. „Es war eine schwierige Zeit für die Kulturpolitik“, so Brannekämper.

1.350 Museen gibt es in Bayern, d.h. in Bayern gibt es die meisten Museen in ganz Deutschland, mit ca. 20 Millionen Besuchern. In Niederbayern befinden sich 116 Museen. Eines dieser Museen sei das Koenigmuseum in Landshut, geprägt durch den Bildhauer und Künstler Fritz Koenig, einer der international bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts und großartiger Zeitzeuge für diese Epoche, sagte Brannekämper. Koenigs Hauptwerk und bekannteste Arbeit ist die Große Kugelkaryatide N.Y. „Mit der Marke Koenig kann die Stadt Landshut hausieren gehen“, bemerkte der Landtagsabgeordnete und das sollte man OB Putz sagen.

In seinen weiteren Ausführungen sprach Brannekämper auch das von Koenig entworfene Gebäudeensemble an. Hier habe Koenig gelebt und gearbeitet, der „Ganslberg“, und Koenigs bedeutende Sammlung afrikanischer Kunst.

„Die Stadtmuseumsfreunde sollen die Sanierung mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln weiterführen, denn der Prantlgarten ist ein kostbares Schmuckstück. Der Ball liegt bei Ihnen Herr Putz“, so Robert Brannekämper zum Abschluss seines Referats.

-hjl-

Fotos: h.j.lodermeier

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