Zweiter Faulturm bald wieder in Betrieb

Hohe Nachfrage nach Klärschlammentsorgung bei den Stadtwerken Landshut

Landshut Stadt und Landkreis. Einen seltenen Anblick gab es am Mittwochvormittag im Klärwerk Landshut-Dirnau: Dort wurde mittels eines Krans der Mischer eines Faulturms ausgewechselt. Dieser sorgt für eine optimale Verteilung des kompletten Klärschlamms und ihrer Bakterien im Faulbehälter. Der Schlamm bleibt schließlich im Schnitt 28 Tage im Faulturm, bevor er über Zentrifugen entwässert und thermisch verwertet wird.

Der Austausch des Mischers ist eine Vorbereitung für die Wiederinbetriebnahme des zweiten Faulturms. 25 Jahre war er außer Betrieb. Verbesserungen in der Verfahrenstechnik hatten es möglich gemacht, dass ein Faulturm ausreichte. Jetzt aber werden weitere Kapazitäten erforderlich. Der Grund: die neue Klärschlamm- und Düngemittelverordnung. Diese stellt insbesondere kleinere Kommunen vor eine große Herausforderung. Eine landwirtschaftliche Verwertung des Klärschlamms, wie sie von den meisten kleineren Kläranlagen des Landkreises Landshut bisher praktiziert wurde, ist mittlerweile kaum noch möglich. Daher wird der Klärschlamm inzwischen meistens einer thermischen Verwertung zugeführt. Doch hier sind die Kapazitäten begrenzt. Es entstand ein enormer Engpass bei der Klärschlammentsorgung.

Die Stadtwerke Landshut haben darauf reagiert und die Fremdschlammannahmekapazität des Klärwerks Landshut stark ausgebaut. Für die umliegenden Kommunen ist dies ein ökologisch und ökonomisch sinnvoller Entsorgungsweg. Zahlreiche Gemeinden aus den Landkreisen Landshut, Dingolfing-Landau und vereinzelt sogar aus Freising und Erding haben dieses Angebot angenommen.

Die Nachfrage ist so groß, dass nun der zweite Faulturm des Klärwerks Landshut wieder in Betrieb genommen wird. Dabei werden die beiden Faultürme vorbereitend auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Die laufenden Baumaßnahmen werden rund 345.000 Euro kosten und voraussichtlich im September 2021 abgeschlossen sein.

Dann stehen wieder ausreichend Kapazitäten für die starke Nachfrage nach dem regionalen Klärschlammkonzept zur Verfügung, wie es auch vom Bayerischen Landesamt für Umwelt empfohlen wird. Dieses sieht vor, dass kleine Kläranlagen ihren Nassschlamm an (nächst)größere Kläranlagen, wie dem Klärwerk Landshut, liefern. Dort wird der organische Teil des Schlamms in den Faultürmen in Klärgas umgesetzt. Dieses wird energetisch zur CO2-neutralen Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Der ausgefaulte Klärschlamm wird mit Zentrifugen entwässert und beim Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf mit überschüssiger Wärme aus der Müllverbrennung getrocknet und anschließend thermisch verwertet.

Dieser „Umweg“ über die Kläranlage Landshut hat zahlreiche Vorteile gegenüber einer direkten thermischen Verwertung des Klärschlamms kleinerer Kläranlagen. Neben der optimalen energetischen Nutzung über die Klärgasverwertung und des effektiven Transports mit möglichst kurzen Wegen und möglichst wenig Ballast (Wasser) ergeben sich auch direkte Vorteile für die kleineren Kläranlagen. Es werden keine großen Sammelbecken für die Lagerung des Klärschlamms benötigt und der Schlamm muss nicht mehr mit hohem energetischen Aufwand aerob stabilisiert werden (Abbau des organischen Anteils durch Einblasen von Luft). Außerdem entfällt die Rückbelastung durch hochbelastetes sogenanntes Prozesswasser. Dieses fällt bei einer Entwässerung vor Ort an und überfordert oft die Reinigungsleistung kleinerer Kläranlagen. Die zusätzlichen Kosten der Schlammstabilisierung und Rückbelastung werden bei Klärschlammkonzepten für kleinere Kläranlagen zudem häufig nicht ausreichend berücksichtigt.

Eine Alternative zum Transport des Klärschlamms in Tanklastzügen ist der direkte Anschluss einer Kommune an das Kanalnetz, das zum Klärwerk Landshut führt. Denn dann wird die Fracht letztendlich über den kürzesten Weg, weil direkt, entsorgt. Für angeschlossene Kommunen löst sich dabei nicht nur das Klärschlammproblem, auch die Qualität der Abwasserreinigung ist in der Regel höher und dient damit dem Umweltschutz. Denn größere Kläranlagen bieten bessere technische Möglichkeiten und müssen strengere Grenzwerte einhalten als kleinere Kläranlagen. Vier Landshuter Landkreisgemeinden setzen bereits seit mehr als 30 Jahren auf dieses Konzept, das für die Kommunen auch betriebswirtschaftliche Vorteile bringt.

Dank in der Regel umfangreicher Fördermittel ist eine Anbindung geeigneter Gemeinden an größere Kläranlagen oftmals günstiger als die Instandsetzung oder Erweiterung der eigenen Kläranlage. Die zukünftige Kapazität der Kläranlage Landshut ist zwar schon für die bereits angeschlossenen Gemeinden reserviert, es bestehen aber Erweiterungsmöglichkeiten, die bei entsprechendem Interesse ohne größeren Aufwand umgesetzt werden können.

Titelbild: Der alte Faulturmmischer wird entfernt.

Der neue Mischer steht für den Austausch bereit.
Bild: Der neue Faulturmmischer liegt schon bereit.

Luftbildaufnahme der beiden Faultürme des Klärwerks Landshut
Bild: Die Faultürme des Klärwerks aus der Vogelperspektive.
Bildquelle: Stadtwerke Landshut

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