Mehr ANGEBOT, mehr FAHRGÄSTE, neue HERAUSFORDERUNGEN

30 Jahre Regionalisierung des Schienenpersonennahverkehrs und Bayerische Eisenbahngesellschaft

  • Zugangebot im bayerischen SPNV seit 1995 um rund 66 Prozent ausgeweitet
  • Fahrgastnachfrage deutlich gestiegen, 2024 Allzeithoch bei den Personenkilometern
  • Finanzierungssicherheit, Infrastruktur und Qualität zentrale Zukunftsaufgaben

Seit 30 Jahren liegt die Verantwortung für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bei den Ländern. Der Freistaat Bayern zieht zum Jubiläum eine positive Bilanz. „Die Regionalisierung ist ein Meilenstein für den Bahnverkehr in Deutschland gewesen und für viele die beste Errungenschaft der damaligen Bahnreform. Sie hat es uns ermöglicht, den SPNV konsequent an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort auszurichten, das Angebot massiv auszubauen und deutlich mehr Fahrgäste für die Bahn zu gewinnen. In Bayern ist das alles in allem prima gelungen“, erklärt Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter: „Gleichzeitig stehen wir heute vor großen Herausforderungen insbesondere bei Infrastruktur und Finanzierung, die nur gemeinsam mit dem Bund gelöst werden können. Denn damit steht und fällt auch die Qualität.“

Mit der Regionalisierung als Teil der Bahnreform war zum 1. Januar 1996 die Zuständigkeit für den SPNV vom Bund auf die Länder übergegangen. Zur Wahrnehmung dieser Aufgabe hatte der Freistaat kurz vorher die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) gegründet. Sie organisiert und kontrolliert seither den SPNV in Bayern. „Dass wir hier eine Einrichtung auf den Weg gebracht haben, die das für den ganzen Freistaat managt, hat sich über all die Jahre als richtiger Ansatz erwiesen“, betont der Minister, der seit vier Jahren auch BEG-Aufsichtsratsvorsitzender ist.

Heute ist die BEG der bundesweit größte Aufgabenträger im SPNV und investiert jährlich rund 1,6 Milliarden Euro in Zugleistungen zwischen Aschaffenburg und Berchtesgaden. Aktuell sind in Bayern 14 Eisenbahnverkehrsunternehmen im SPNV tätig – mehr als in jedem anderen Bundesland. Der Freistaat setzte dabei seit Beginn konsequent auf Wettbewerb und war hierbei Pionier: Gleich 1996 hatte man mit dem Oberlandnetz im Süden von München bundesweit das erste Wettbewerbsprojekt ausgeschrieben.

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat Bayern damit das Angebot im Regional- und S-Bahn-Verkehr erheblich ausgeweitet: Die jährlichen Zugkilometer stiegen von circa 82 Millionen im Jahr 1995 auf rund 137 Millionen im Jahr 2025 – ein beachtliches Plus von rund 66 Prozent. Parallel dazu wuchs auch die Nachfrage deutlich: 2024 erreichte der SPNV in Bayern mit rund zwölf Milliarden Personenkilometern ein Allzeithoch.

Darüber hinaus hat der Freistaat für weitere Benchmarks im deutschen SPNV gesorgt. Bespielhaft erwähnt seien die Entwicklung und Umsetzung des Bayerntakts nach Schweizer Vorbild oder die Einführung des Bayerntickets 1997 als erstes bundeslandbezogenes Nahverkehrsticket in Deutschland. Der Freistaat ist in diesem Zeitraum zudem auch punktuell in die Bresche gesprungen, als sich die DB Fernverkehr AG von bestimmten Fernverkehrsverbindungen zurückzog, und hat auf Strecken wie München – Prag, München – Hof und Augsburg – Nürnberg fernverkehrsähnlichen SPNV bestellt.

„Die Regionalisierung vor 30 Jahren war nie ein Selbstzweck, sie war ein Versprechen: näher am Menschen, näher am Bedarf. Die BEG hat geliefert und das Bahnland Bayern stark gemacht. Immer mehr Menschen sind in den Zügen des bayerischen SPNV unterwegs“, sagt BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs.

Für das vierte Jahrzehnt der Regionalisierung stehen neben der Bewältigung infrastruktureller Engpässe insbesondere die Sicherstellung einer auskömmlichen Finanzierung sowie die weitere Qualitätsentwicklung und die Fahrgastinformation im Fokus. Als Vorsitzland der Verkehrsministerkonferenz treibt der Freistaat in Abstimmung mit den anderen Ländern aktuell Lösungswege voran. Parallel dazu verfolgt Bayern mit der Fortschreibung der Bayerischen Elektromobilitätsstrategie Schiene die vollständige Umstellung des SPNV auf lokal emissionsfreie Antriebe bis 2040 und sorgt künftig mit einem einheitlichen Landesdesign für neue Fahrzeuge für einen hohen Wiedererkennungswert im bayerischen SPNV.

„Damit der SPNV auch in Zukunft leistungsfähig, zuverlässig und attraktiv bleibt, brauchen die Länder verlässliche und langfristig gesicherte Mittel sowie eine fitte Schieneninfrastruktur“, betont Verkehrsminister Christian Bernreiter. „Der Freistaat Bayern übernimmt Verantwortung und bringt sich konstruktiv ein – jetzt ist der Bund gefordert, seinen Beitrag zu leisten.“

Foto:
presse stmb.bayern

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