POETISCHES von O. STOCK: „A b s c h i e d“ – „D u a l t e s F a h r r a d“

Abschied

 

Menschen hasten, koffertragend,
rings im Trubel, Neonlicht;
und ein Paar hält sich am Bahnhof
bei der Hand, und merkt dies nicht.
Nebenan klingt frohes Lachen;
Abschied nehmen heißt es hier,
welche zärtliche Umarmung
und den letzten Kuss von ihr.
Türen werden zugeschlagen,
Pfiffe gellen durch die Nacht,
bunte Lampen, Lichtsignale,
und der Zeiger rückt auf Acht.
Ächzend setzen in Bewegung
sich die Wagen, angereiht;
auf dem Bahnsteig wird es ruhig,
schnell dreht sich das Rad der Zeit.
Einmal, noch zum letzten Male,
winken mit dem Taschentuch,
dann entschwindet unaufhaltsam
die Geliebte mit dem Zug.

Du altes Fahrrad

 

Deine morschen Tretpedale
wackeln voller Rost im Wind
und die steinzerfurchten Reifen
drehen sich im Takt geschwind.
Nur die roten Katzenaugen
glühen noch als einziges Licht,
denn die Lampe und der Strahler
brennen schon seit langem nicht.
Schutzblechklappern, Kettenquietschen
sind von jeher mir vertraut;
deine ganz besondere Note
zeigst du jedem – doch zu laut.
So kann ich nur schwer mich trennen
von dir, deinem ruhigen Trott,
denn nun habe ich ein neues –
noch ein Dankschön, dann zum Schrott.
Foto: O. Stock priv.

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