Naturgefahrenmanagement, Frühwarnsysteme und Klimaforschung auf höchstem Niveau
Der Klimawandel trifft die Alpen mit voller Härte. Welche Folgen der Temperaturanstieg im Gebirge hat und wie Bayern den Herausforderungen begegnet, haben der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber heute auf der Zugspitze vorgestellt. Ministerpräsident Dr. Markus Söder: „Der Klimawandel ist spürbar: Der Permafrost im Berg geht zurück, das Eis schmilzt und der Fels bröckelt. Der Kleber des Hochgebirges taut durch steigende Temperaturen auf.
Damit das nicht zur Gefahr für Leib und Leben wird, forscht Bayern intensiv zu Georisiken, Klimaschutz und Klimaanpassung. Der Freistaat setzt auf bestmögliche Prävention gegen Georisiken durch immer genauere und bessere Messungen und Kontrollen, um am Ende rechtzeitig vor Felsstürzen warnen zu können. Das kostet viel Geld, aber das nehmen wir gerne in die Hand. Der Klimawandel macht Klimaanpassung notwendig. Bayern investiert jedes Jahr insgesamt eine Klima-Milliarde und baut die Forschung aus. Mit dem Schneefernerhaus betreiben wir an der Zugspitze eine internationale Forschungsstation auf 2.700 Metern Höhe mit 15 Millionen Euro Investitionen seit 2005. Außerdem fördern wir TUM-Projekte wie ‚AlpSenseAdapt‘ und ‚AlpSenseRelay‘ zur Messung des Permafrosts und des Gletscherabflusses. Das ist ein Klimacluster aus Bayern heraus für den gesamten Alpenraum und reicht von Tiefenmessungen im Berg bis zu modernem Wassermanagement im Flachland. Die Bewahrung der Schöpfung ist ein urkonservatives Anliegen. Klimaschutz und Klimaanpassung haben für Bayern Priorität.“
Umweltminister Thorsten Glauber: „In den Alpen sieht man den Klimawandel wie unter einem Brennglas. Im Hochgebirge sind die Auswirkungen noch früher und intensiver zu spüren. Der Felssturz auf der Zugspitze im September war ein Signal: Die Alpen geraten auch durch den Klimawandel in Bewegung. Das zeigt, wie wichtig ein vorausschauendes Naturgefahrenmanagement ist. Wir wollen das Naturgefahrenmanagement in Bayern kontinuierlich weiterentwickeln und anpassen. Denn das Wissen um Georisiken stärkt die Sicherheit für Mensch und Infrastruktur. Bayern handelt vorausschauend: Wir verbinden langfristige Messungen mit moderner Forschung und entwickeln daraus bessere Vorhersagen, Frühwarnsysteme und konkrete Schutzmaßnahmen. Bayern ist ein starker Partner der Klimaforschung.“
Durch das Auftauen des Permafrosts verlieren die Berge zunehmend ihre Stabilität. Im September sind an der Nordseite der Zugspitze im Permafrostbereich rund 13.800 Kubikmeter Gestein abgestürzt. Das vom Freistaat finanzierte Projekt AlpSenseAdapt der TUM untersucht klimabedingte Naturgefahren und deren Wechselwirkungen im Hochgebirge und verbessert die Datengrundlage. Ziel sind belastbare Vorhersagemodelle, Frühwarnsysteme und Schutzmaßnahmen, unter anderem für Partnachklamm und Höllentalklamm.
Um die Bevölkerung noch zielgerichteter warnen zu können, haben Experten des Landesamts für Umwelt mögliche Gefahren bayernweit erfasst und kartiert. Damit baut Bayern die Vorsorge gegen Georisiken und Naturgefahren weiter aus. Die Hinweiskarten sind seit März 2026 für ganz Bayern online abrufbar. Sie geben Entscheidern vor Ort sowie Anwohnern und Hauseigentümern wertvolle Planungshilfen und Informationen an die Hand. Die Karten helfen dabei, mögliche Georisiken frühzeitig zu erkennen und gefährdete Gebiete besser einzuschätzen.
Auch die Klimaforschung hat in Bayern eine besondere Bedeutung: Mit der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS) betreibt der Freistaat eine einzigartige Forschungseinrichtung. Als höchstgelegene Umweltforschungsstation Deutschlands auf rund 2.700 Metern ist die UFS ein Schlüsselstandort für Atmosphären-, Klima- und Umweltforschung. Die UFS wird unter der Federführung des Bayerischen Umweltministeriums von einem Konsortium aus elf führenden Forschungseinrichtungen und dem Freistaat Bayern getragen.