POETISCHES von Oskar STOCK: „Fremdenführung“- „Nach Landessitte“

Fremdenführung

 

Wer hat nicht mit der Fremdenführung,
so hie und da einmal Berührung,
sei es als Führer, als Tourist,
weil stets wo was zu sehen ist.
Die Augen links, des Turmes Spitze,
den Blick nach rechts – und Onkel Fritze
sieht eifrig nach des Führers Hand,
wohin er zeigt, was er benannt.
Den Kopf gestreckt, Jahrhundert alt,
dies Bauwerk, Bild – und ohne Halt,
da wird gezeigt, erklärt, berichtet,
fotografiert und Film belichtet.
Den Hals nach vorn, schau geradeaus,
hier sieht man dies, und Vetter Klaus,
der wirft, wie Tante Adelgunde,
die Blicke folgsam in die Runde.
Die Nase schräg, welch Häuserzeilen,
nur rasch bestaunt, dann vorwärts eilen;
so links und rechts das gleiche Lied,
auch Fridolin wird langsam müd‘.
Hier unten ruht – man weiß Bescheid,
rechts zeigt der Finger, tut uns leid,
denn zu viel Wissen kann erdrücken –
und außerdem schmerzt schon der Rücken.

Nach Landes Sitte

 

Felix fuhr gen „Fernen Osten“,
um das Essen dort zu kosten,
und er fand auf dieser Reise,
dass gar höllisch scharf die Speise.
Weiter merkte er sehr bald,
dass dieselbe – heiß und kalt,
wenn man sie genießt bedacht,
„dreimal“ sich bemerkbar macht.
„Erstmals“, wenn beim Schnabulieren
die Gewürze triumphieren,
und im Mund, nach Landes Sitte,
herzhaft brennen bis zur Mitte.
„Zweitens“ beim Hinunterschlucken,
wenn die Magennerven zucken,
und der Speiseröhre Schlauch …
sich verkrampft, die Därme auch.
Doch, der Phase der Verdauung,
folgt die innere Erbauung.
„Drittens“ dann, man mög’s verzeihen –
brennt’s am meisten von den „dreien“.
Foto: Oskar Stock priv.

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