Mitglieder vom LBV und ÖDP-Stadträtin Elke März-Granda bekleben das erste Buswartehäuschen in der Altstadt mit einer speziellen Folie gegen Vogelschlag
Jedes Jahr verunglücken Millionen von Vögeln an Fensterscheiben, verglasten Fassaden oder anderen Glasflächen. Betroffen sind nicht nur die häufigen, in Siedlungen lebenden Arten. Auch seltene und bedrohte Arten wie Eisvogel, Mauersegler oder Rauchschwalbe gehören immer wieder zu den Opfern. Vögel können Glas nicht erkennen – vielmehr sehen sie darin das naturnahe Umfeld gespiegelt und wollen weiterfliegen. Mit vereinzelten Greifvogel-Silhouetten auf Glasscheiben lässt sich das Vogelschlag-Risiko nicht reduzieren. Was wirklich hilft sind Vogelschutzfolien mit sichtbaren, wissenschaftlich geprüften Mustern wie Linien, Punktmuster oder Ornamente aus kontrastreichen Farben.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der sogenannten Handflächenregel. Markierungen müssen so dicht gesetzt werden, dass zwischen den Elementen keine freie Fläche größer als neun Zentimeter bleibt. Vögel erkennen bereits aus der Ferne und dass sie durch die enge Struktur nicht hindurchfliegen können. Um die für Vögel gefährliche Spiegelung der Umgebung auf Glas zu verhindern, ist es unerlässlich, dass die Markierungen außen auf der Scheibe angebracht werden.
Wartehäuschen mit transparenten Glasscheiben stellen für Vögel eine große Gefahr dar. Die Gefahr erhöht sich noch, wenn die Wartehäuschen zusätzlich begrünt sind: Die Bepflanzung erweckt bei den Vögeln den Eindruck eines natürlichen Lebensraums und sicheren Rückzugsortes. Tatsächlich kollidieren sie jedoch beim Anflug mit der gläsernen Oberfläche, mit meist tödlichen Folgen.
Hochwirksame Punktmuster auf Glasscheiben retten Vogelleben

Der Landesbund für Vogelschutz Landshut spendete die Materialkosten, das Baureferat der Stadt gab grünes Licht – so konnte jetzt das erste Bushäuschen mit Vogelschutzfolie beklebt werden: Susanne Rieck und Aleksandra Szwagierczak vom LBV haben gemeinsam mit ÖDP-Stadträtin Elke März-Granda die Glasscheiben eines begrünten Buswartehäuschens in der Altstadt mit einem hochwirksamen Punktemuster vogelschlagsicher nachgerüstet. Mit dieser ehrenamtlichen Initiative wollen die drei Frauen auf das Thema Vogelschutz an Glasscheiben aufmerksam machen und zeigen, wie einfach Vögel zu schützen sind. Ein zweites Bushäuschen ist bereits in Planung. Die Materialkosten für ein Buswartehäuschen sind nicht hoch, sie betragen circa 180 Euro, erläuterte Rieck.
Ziel des Projekts ist es zum einen, die öffentliche Aufmerksamkeit für das Problem des Vogelschlags an Glas deutlich zu erhöhen. Bürgerinnen und Bürger, Bauherren sowie Architekten sollen für die Gefahren sensibilisiert werden. „Auch kleinere Fenster können für Vögel zur Todesfalle werden – insbesondere dann, wenn sich Bäume oder Sträucher darin spiegeln“, betonte Rieck. Vogelschutz beginnt daher bereits am eigenen Haus.
Zum anderen verstehen die Initiatorinnen die Aktion als Auftakt: Perspektivisch sollen möglichst alle der rund 150 Buswartehäuschen im Stadtgebiet vogelsicher gestaltet werden. Laut März-Granda liegt hierfür bereits ein Stadtratsbeschluss vor, der eine schrittweise Nachrüstung der Buswartehäuschen zum Schutz vor Vogelschlag vorsieht. „Ob und in welchem Tempo die Stadt diesen Beschluss angesichts der angespannten Haushaltslage in den kommenden Jahren umsetzen kann, bleibt allerdings abzuwarten“, erklärte die Politikerin.
Mit der Beklebung des ersten Wartehäuschens setzen die Artenschützerinnen daher bewusst ein konkretes und sichtbares Signal, um künftig vermeidbare Verletzungen und Todesfälle von Vögeln wirksam zu reduzieren.
Spenderinnen und Spender, die die Nachrüstung eines weiteren Wartehäuschens mit Vogelschutzfolie ermöglichen möchten, sind herzlich willkommen. Interessierte werden gebeten, sich an den LBV zu wenden. Per Mail Schwalbenschutz-landshut@lbv.de oder Telefon 0151/52170281.
Bildbeschreibung von links nach rechts: Aleksandra Szwagierczak, Susanne Rieck (beide LBV) und ÖDP-Stadträtin Elke März-Granda.
Foto: ÖDP Landshut