Cross Border Company Trips zu Gast in Ortenburg
Ortenburg. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Cross Border Company Trips“ besuchten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft sowie weiteren Institutionen und Einrichtungen das international tätige Technologieunternehmen Micro-Epsilon Messtechnik GmbH & Co. KG in Ortenburg. Ziel des Formats ist es, den Austausch zwischen Unternehmen im bayerisch-tschechischen Grenzraum zu stärken und innovative Betriebe der Region näher kennenzulernen. Neben Einblicken in das weltweit erfolgreiche Sensorik-Unternehmen standen auch Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der Innovationskraft des Mittelstands sowie aktuelle Herausforderungen für technologieorientierte Unternehmen im Mittelpunkt.
Plattform für grenzüberschreitende Vernetzung
Zum Auftakt begrüßten Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich sowie Ortenburgs Bürgermeister Stefan Lang die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dr. Heinrich betonte die Bedeutung des Veranstaltungsformats für die wirtschaftliche Vernetzung im Grenzraum und dankte insbesondere Netzwerkmanagerin Jaroslava Pongratz als Initiatorin und Organisatorin der Veranstaltungsreihe. „Mit den Cross Border Company Trips schaffen wir eine Plattform, auf der Unternehmen über Grenzen hinweg voneinander lernen, Kontakte knüpfen und neue Kooperationen anstoßen können. Gerade im bayerisch-tschechischen Grenzraum liegt enormes wirtschaftliches Potenzial“, erklärte Dr. Heinrich.
Bürgermeister Stefan Lang stellte anschließend den Markt Ortenburg vor. Die Gemeinde nehme im Landkreis Passau eine Spitzenposition bei der Steuerkraft ein – ein Ergebnis der starken mittelständischen Unternehmensstruktur und der engen Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kommunalpolitik. „Viele Vertreter unserer Betriebe engagieren sich ehrenamtlich und gesellschaftlich sowie in der Kommunalpolitik. Das sorgt für kurze Wege, gegenseitigen Verständnis und positiven Wechselwirkungen“, so Lang.
Hightech aus Ortenburg
Den fachlichen Schwerpunkt bildete die Unternehmenspräsentation durch Geschäftsführer Dr. Thomas Wisspeintner. Micro-Epsilon zählt zu den weltweit führenden Herstellern hochpräziser Sensorik sowie Mess- und Inspektionssysteme für industrielle Anwendungen.
„Sensoren sind die Augen und Ohren der modernen Welt und ein Motor der globalen Innovation“, betonte Dr. Wisspeintner. Die Technologien des Unternehmens kommen unter anderem im Maschinenbau, in der Automatisierung, in der Halbleiterproduktion, in der Automobilindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz. Beispiele reichen von der automatischen Defekterkennung in der Automobilproduktion bis zu hochpräzisen Sensoren für wissenschaftliche Großprojekte, wie etwa dem größten Spiegelteleskop der Welt.
Die Wurzeln des Unternehmens reichen mehr als fünf Jahrzehnte zurück. Gegründet wurde Micro-Epsilon 1968 von Franz Frischen in Hannover. Mit dem Einstieg von Diplom-Ingenieur Karl Wisspeintner im Jahr 1976 begann die Entwicklung eigener Sensorik in Ortenburg – zunächst mit wenigen Mitarbeitern in einem Keller. Heute ist daraus eine international agierende Unternehmensgruppe mit mehr als 1.700 Beschäftigten in 33 Unternehmen in verschiedenen Ländern geworden. Allein am Standort Ortenburg arbeiten über 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Unternehmensgruppe verfügt weltweit über 15 internationale Vertriebsniederlassungen, 27 Vertriebspartner sowie 18 Kompetenzzentren für Entwicklung und Produktion. Neben Ortenburg zählen unter anderem Hermsdorf und Dresden sowie der tschechische Standort Bechyně zu den wichtigen Entwicklungs- und Produktionsstandorten.
Innovationskraft und internationale Märkte
Besonders stark ist das Unternehmen im Bereich kundenspezifischer Lösungen: Rund zwei Drittel des Geschäftsvolumens entfallen auf individuell entwickelte Sensor- und Messsysteme. „Unsere Lösungen entstehen häufig in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden über viele Jahre hinweg“, erläuterte Dr. Wisspeintner. Daraus entstehen nicht nur technologisch anspruchsvolle Produkte, sondern auch langfristige Partnerschaften und ein hohes gegenseitiges Vertrauen.
Die Innovationskraft des Unternehmens zeigt sich auch in der intensiven Forschungsarbeit sowie einer Entwicklungsquote von rund 15 Prozent. Mehr als 400 internationale Patente belegen die technologische Kompetenz. Micro-Epsilon kooperiert zudem eng mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen, unter anderem mit der Universität Passau, der Technischen Hochschule Deggendorf, der Hochschule Landshut, der Universität Regensburg, der Universität Erlangen sowie der TU Wien.
Verantwortung für Region und Nachwuchs
Neben technologischer Innovationskraft betonte Dr. Wisspeintner auch die Bedeutung regionaler Verantwortung. Micro-Epsilon sichere in Ortenburg rund 650 zukunftsorientierte Arbeitsplätze und leiste einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung. Darüber hinaus engagiert sich das Unternehmen in der Ausbildung, bei dualen Studiengängen sowie in Initiativen zur Förderung der MINT-Fächer. „Die Förderung junger Menschen ist für uns ein zentrales Anliegen“, so Dr. Wisspeintner. Ziel sei es, frühzeitig Begeisterung für Technik zu wecken und qualifizierte Fachkräfte für die Region zu gewinnen.
Herausforderungen für technologieorientierte Unternehmen
Gleichzeitig sprach der Geschäftsführer auch über die aktuellen Herausforderungen für technologieorientierte mittelständische Unternehmen in Deutschland. Neben wachsender internationaler Konkurrenz, insbesondere aus Asien, nannte er steigende bürokratische Anforderungen, umfangreiche Berichtspflichten sowie zunehmende regulatorische Vorgaben. Auch Fachkräftemangel und globale Lieferkettenabhängigkeiten stellten den Mittelstand vor große Aufgaben.
Als zentrale Handlungsfelder für die Zukunft nannte Dr. Wisspeintner u. a. Leistungsanreize für Arbeit, international wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen, konsequente Entbürokratisierung sowie eine stärkere Förderung von Innovation und MINT-Bildung. „Der Mittelstand ist ein zentraler Motor unserer Wirtschaft. Damit er seine Innovationskraft auch künftig entfalten kann, braucht er verlässliche und international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen“, so Dr. Wisspeintner.
Einblick in Produktion und Entwicklung
Im Anschluss an die Präsentation erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einer Betriebsbesichtigung in Gruppen einen direkten Einblick in Entwicklung, Produktion und Technologie des Unternehmens. Der Rundgang durch die hochmodernen Fertigungs- und Entwicklungsbereiche vermittelte eindrucksvoll die technologische Tiefe und die große Bandbreite der Produkte sowie ihrer vielfältigen Einsatzgebiete. Besonders beeindruckend waren die Reinräume verschiedener Klassifikationsstufen, in denen hochpräzise Sensorik und Sensorelemente unter streng kontrollierten Bedingungen gefertigt werden.
Zugleich wurde deutlich, wie international das Unternehmen aufgestellt ist: In den Teams arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlreicher Nationalitäten zusammen – allein am Standort sind rund 35 Nationen vertreten. Auffällig ist zudem die sehr geringe Fluktuation im Unternehmen. Viele Beschäftigte bleiben über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte im Betrieb. Der langfristige Erhalt von Wissen, Erfahrung und technologischer Kompetenz spielt bei Micro-Epsilon eine zentrale Rolle und gilt als wichtiger Erfolgsfaktor für die Innovationskraft des Unternehmens.
Bild: (von links nach rechts) Stefan Lang, Bürgermeister des Marktes Ortenburg; Kaspar Sammer, Geschäftsführer der Europaregion Donau-Moldau Niederbayern sowie der Euregio Freyung; Dr. Thomas Wisspeintner, Geschäftsführer der Micro-Epsilon Messtechnik GmbH & Co. KG; Jaroslava Pongratz, Netzwerkmanagerin Bayern-Böhmen; Karl Wisspeintner, ehem. Geschäftsführer der Micro-Epsilon Messtechnik GmbH & Co. KG; Dr. Olaf Heinrich, Bezirkstagspräsident von Niederbayern.
Bildquelle: Stefan Behringer, WAIDLER.COM