Was für ein Volleyball-Krimi!
Die Roten RabenVilsbiburg lassen Aachen abblitzen, drehen nach verlorenem Auftaktsatz mächtig auf und bringen die
Ballsporthalle zum Beben. 750 Fans feiern ihre Mannschaft – und einen Heimsieg, auf den Vilsbiburg rund zweieinhalb Jahre warten musste. Mit einer leidenschaftlichen Vorstellung und jeder Menge Kampfgeist haben die Vilsbiburgerinnen am Samstagabend die Ladys in Black Aachen mit 3:1 in die Knie gezwungen. Nach 105 packenden Minuten stand der umjubelte Erfolg fest: 27:29, 25:15, 25:18 und 25:21.
Sowohl Spielerinnen als auch das Trainerteam und die Zuschauer feierten ausgelassen den ersten Heimsieg der Roten Raben nach etwa zweieinhalb Jahren in der DEKRA 1. Volleyball Bundesliga Frauen. Raben-Trainer Guillermo Gallardo grinste nach dem Schlusspfiff von einem Ohr zum anderen. Und das völlig zu Recht. Seine Mannschaft lieferte eine überzeugende Vorstellung ab und zeigte eindrucksvoll, wie viel Potenzial in ihr steckt. „Wir waren auf alle Fälle auf Augenhöhe mit Aachen“, freute sich Gallardo. Sein Erfolgsrezept? Harte Arbeit, kontinuierliche Entwicklung und ein Team, das immer besser zusammenfindet.
Dass die Raben heiß auf den ersten Heimsieg waren, war in der Ballsporthalle vom ersten Aufschlag an deutlich zu spüren. Gallardo setzte auf dieselbe Startformation wie beim überzeugenden 3:0-Erfolg am Dienstag in Borken. Allen voran Laura Sertic de Pra setzte die Akzente. Sie dirigierte das Spiel geschickt und servierte im vierten Satz genau die Aufschläge, die Aachen den letzten Nerv kosteten. Beim 20:18 legte sie den Grundstein für den entscheidenden Endspurt. Viermal fand Aachen keine Antwort, die Raben zogen auf 24:18 davon.
Auch am Netz ging es ordentlich zur Sache: Nadine Burbrink und Amanda Cavalcanti machten im Mittelblock mächtig Druck. Emma Ellis punktete auf Diagonal, während Luisa Keller und Alice Clemente über Außen für Gefahr sorgten. Keller durfte sich zudem über eine besondere Auszeichnung freuen: Sie wurde erstmals zur wertvollsten Spielerin (MVP) gewählt. In der Abwehr hielt Sarah Stiriz
zunächst mit großem Einsatz dagegen, ehe Emely Brodowski sie überzeugend ersetzte. Auch Pia Fernau, Annie Hatch und Tina de Grootbrachten wichtige Impulse ins Spiel. Dabei begann der Abend zunächst mit einem echten Nervenspiel. Die Raben legten
selbstbewusst los, servierten aggressiv und nutzten ihre Chancen konsequent. Aachen geriet früh unter Druck, kämpfte sich aber zurück und zeigte bis zum 29:27 die etwas besseren Nerven. Ein Rückschlag – aber keiner, der die Raben aus der Bahn werfen sollte. Im Gegenteil: Die Vilsbiburgerinnen kamen mit ordentlich Wut im Bauch zurück aufs Feld. Statt den vergebenen Chancen nachzutrauern, drehten sie jetzt richtig auf. Nach gerade einmal 22 Minuten war der zweite Satz mit 25:15 eingetütet. Der Satzausgleich war geschafft! „Wir haben den Druck ausgehalten und uns auch aus kniffeligen Situationen immer wieder herausgezogen“, sagte Spielführerin Pia Fernau nach der Partie zufrieden.
Auch im dritten Durchgang gaben die Gastgeberinnen den Ton an. Die Raben spielten mutig, kämpften um jeden Ball und ließen Aachen kaum zur Entfaltung kommen. Mit 25:18 holten sie sich auch diesen Satz. Für Luisa Keller war der Abend etwas Besonderes. Schließlich hatte die Außenangreiferin von 2023 bis 2025 selbst das Trikot der Aachenerinnen getragen. Umso größer war die Freude über den
Erfolg gegen ihren früheren Verein. „In diesen beiden Sätzen haben wir gezeigt, welches Potenzial in uns steckt“, jubelte Keller. Besonders stolz machte sie die geschlossene Mannschaftsleistung: „Ich bin superhappy, dass wir uns nach drei Spielen innerhalb einer Woche so den
Vilsbiburger Zuschauern präsentieren konnten“, bilanzierte Keller. Doch Aachen gab sich noch lange nicht geschlagen. Im vierten Satz mussten die Raben noch einmal alles in die Waagschale werfen. Beim 13:16 lagen sie zunächst zurück. Doch wer glaubte, dass den Vilsbiburgerinnen jetzt die Puste ausgeht, hatte sich gewaltig getäuscht. Mit unbändigem Kampfgeist bissen sie sich zurück ins Spiel, stellten beim 18:18 den Gleichstand her und ließen anschließend keinen Zweifel mehr daran, wer an diesem Abend als Sieger vom Feld gehen sollte.
„Wir haben unser Spiel durchgezogen“, erklärte Pia Fernau. Auch Guillermo Gallardo war begeistert davon, wie seine Mannschaft immer mehr zusammenwächst. Dann kam der große Moment: Luisa Keller verwandelte den Matchball zum 25:21 – und die Ballsporthalle jubelte ausgelassen. Die Raben hatten den Krimi gewonnen, Aachen bezwungen und ihren Fans einen Abend beschert, der Lust auf mehr macht.